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COVID 19 hat uns im Griff!

im März/April 2020

 

Hallo Ihr Lieben,

 

wir melden uns, bevor wir diesen Teil unserer Reise im Blog beenden. Ihr seid solange mit uns gereist, dass wir Euch die letzten Aktivitäten noch mitteilen.

 

Unser Rückflug nach Portland ist für den 14.04.20 geplant. Zu diesem Zeitpunkt sind uns die Begriffe CORONA, Covid 19, sozial distance, stay home usw... noch nicht geläufig. Wir begreifen erst Anfang März 20 allmählich, was auf uns zukommt.

 

Wie Ihr wisst, haben wie im September 19 das Auto in der Nähe von Portland/Oregon ins Winterlager gebracht. Peter und ich sind unsicher, wohin die weitere Reise gehen soll... nochmal nach Südamerika? Patagonien? Oder doch an die Ostküste Amerikas? Wir schwankten hin und her und belassen es dabei. Erst einmal geht es heim zur Familie und befreundeten Menschen. Die Besuche und gemeinsame Unternehmungen genießen wir. Der Alltag hat uns schnell im Griff: u.a. die Grippe und andere Blessuren. Die Familie braucht Unterstützung und die Zeit mit den Enkelmädchen bereitet viel Freude.

 

Im Januar 2020 sind wir immer noch ohne konkretes Reiseziel. Zeitweise kommt die Frage auf, ob wir das Wohnmobil nach Deutschland holen sollen, um Verschiedenes zu richten und zu ersetzen, zu pflegen... vielleicht zu verkaufen. Wenn wir bspw. in Europa bleiben benötigen wir ein kleineres Reisemobile, denn hier gibt es zu viele und der Platz ist begrenzt.

 

Im Februar 20 entscheiden wir, dass wir jetzt eine Reisepause einlegen und das Wohnmobil zurück nach Deutschland holen - immer noch in Unwissenheit hinsichtlich COVID 19.

Peter storniert unsere Aprilflüge und bucht für 9.3. einen Flug nach Portland. Dort angekommen benötigt er einige Tage und eine Werkstatt bis das Auto überhaupt anspringt und wieder rund läuft. Es ist kalt, nachts bis zu -17 Grad, Schnee und Eis. Am 13.3. schließt USA die Grenzen für Europäer, denn die „seien schuld am in USA aufkommenden Coronavirus“.

 

Ich habe aufgrund der Nachrichten ein ungutes Gefühl und rate Peter in einem Telefonat schneller als geplant die Rückverschiffung anzutreten. Unterwegs wird in den Nachrichten bekannt gegeben, dass die Grenzen nach Canada am Folgetag geschlossen werden. Daraufhin fährt Peter in einer Nacht- und Nebelaktion 1000 km nordwärts zur Grenze Canada’s. Er kommt völlig erschöpft gerade noch ins Land. An der Grenze muss er schriftlich bestätigen, dass er 14 Tage in Isolation bleiben wird und lediglich zur Essensversorgung sein Zuhause (in diesem Fall das Wohnmobil) verlassen darf. Das ist kein Problem, denn er will ja den weiten Weg zur Ostküste nach Halifax hinter sich bringen.

Nach durchfahrener Nacht legt Peter an einem See eine Pause ein, um Schlaf nachzuholen und sich von der anstrengenden Fahrt zu erholen. 

Weiter führt der Weg über und durch die Rockys Richtung Calgary. In den Bergen ist es eiskalt, es schneit, ist rutschig und verlangt volle Aufmerksamkeit. Zwischendurch fällt die (Diesel-)Womoheizung aus und Peter befürchtet, dass wegen der Kälte der Diesel versulzen könnte; auch der im Tank.....  Er erinnert sich, dass wir in Chile/Santiago zur Vorbereitung auf die Höhen der Anden einen Dieselzusatz gekauft haben, der eben dieses Versulzen verhindern soll. Diesen Zusatz gibt er den Diesel bei, so dass die Fahrt weiter gehen kann. 

 

Peter streift Britisch-Columbia, durchfährt die Bundesstaaten Alberta, Saskatchewan, Manitoba, Ontario, Quebec, New Brunswick und Nova Scotia. Dort befindet sich die Stadt Halifax mit Hafen, von dem auf einen RORO Schiff das Wohnmobil nach Deutschland verschifft wird.

 

Die Fahrt dauert 3 Wochen und knapp 9000 km wird er fahren, in denen Peter die "shut down" des öffentlichen Lebens in Canada hautnah spürt. Er lebt im Wohnmobil und versorgt sich mit Lebensmittel. Wie in Deutschland, werden auch dort alle öffentlichen Einrichtungen vorsorglich geschlossen, obwohl die Zahl der vom Virus betroffenen Personen sehr gering ist. 

Peter findet z.B. keine offene Wäscherei, um seine Wäsche zu waschen; kein Wasser, um den Tank zu füllen; Übernachtungsplätze und Restaurants sind geschlossen. Fast Food mit "Drive Through" ist mit dem großen Auto nicht möglich – aber wer will das schon.

Dafür wird er immer häufiger an den Bundesgrenzen polizeilich kontrolliert und nach den Gründen seiner Reise befragt und aufgefordert, sich in Quarantäne zu begeben und baldmöglichst nach Deutschland zurück zu kehren.

Im Bundesstaat Quebec wird er auf der Nordroute unterhalb der Hudson Bay in Polizeigewahrsam genommen, um zu erfahren, dass er diesen Weg nicht weiter fortsetzen kann. Die Gefahr der Ausbreitung von Covid 19 durch "ihn" sei zu groß. Er muss eine neue südliche Route nehmen. Schlussendlich wird er im Polizeikonvoi (also vorn und hinten Polizeiautos) 200 km aus der Region eskortiert. Trotz dieser Umstände wurde er durch die Beamten durchweg freundlich behandelt, aber auch konsequent in der Durchsetzung der Sicherheitsinteressen.

 

Wir (die Familie) in Deutschland verfolgen seine Reise und werden unruhig. Bis zu seinem bereits vorverlegten Flug am 1. Mai scheint uns die Zeit zu lange. Ich bekomme Zweifel, ob bis dahin der Flugverkehr noch stattfindet. ( Dies wird sich Mitte April so auch bestätigen; alle Flüge von und nach Canada werden annulliert. ) Da die Fluggesellschaft keinen Flug im gesamtem April 2020 anbieten kann, storniere ich diesen nach langem Hin und Her. Vorsorglich meldet sich Peter beim Auswärtigem Amt zur Rückholung an. Wir buchen bei einer anderen Airline für den 09.04. Bei jeder Umbuchung muss parallel das Schiff mit umgebucht werden. Der Flug muss so terminiert sein, dass Peter genug Zeit hat, in Halifax anzukommen, das Auto für die Verschiffung vorzubereiten und im vorgegebene Zeitrahmen am Hafen abzugeben. Wir sind tagelang damit beschäftigt.

 

Schließlich ist zu erkennen, dass Peter am 02.04. das Ziel Halifax erreichen wird und das Auto abgeben kann. Wir buchen das Schiff zu einem dem Flug angepassten Abgabetermin. Wenn alles klappt landet Peter am 05.04. morgens in Frankfurt.

Es sind noch einige Unwegsamkeiten zu überwinden (Gibt es Probleme bei der Abgabe des Autos im Hafen? Mit dem Zoll? Gibt es noch offene Hotels? Fliegt der Flieger von Halifax nach Montreal auch tatsächlich?), die sich alle nach und nach auflösen. Und tatsächlich sitzt Peter frühmorgens in einem fast leeren Flieger nach Montreal. Dort hält er sich 10 h bis zum Weiterflug nach Deutschland in einem gespenstig leeren Flughafen auf, in dem außer der Toilette nichts offen ist. Im Flieger nach Deutschland mit der Lufthansa der bis zu 300 Menschen fasst, fliegen zuletzt ca. 30 Personen mit. Alle sind weiträumig im Flugzeug verteilt. Da ist die Ansteckungsgefahr wirklich minimiert.

 

Bei dieser Gelegenheit möchten wir uns für die Hilfsbereitschaft und Flexibilität bei dem Team von Seabridge herzlich bedanken!

Allen Freunden und Bekannten die mitgefiebert haben und der Familie, die diese Heimreise und die Lösung der Probleme möglich gemacht haben gilt besonders unser Dank. Dadurch ist er sicher und gesund nach Hause gekommen.

 

An dieser Stelle beenden wir unseren Amerikablog. Wir überlegen weiter, sobald das Virus Reisen in dieser Welt wieder gefahrlos zulässt.

 

Bleibt alle gesund.

 

Kleine Statistik :

 

- Dauer der Reise 4,5 Jahre davon 3 Jahre „on the road“

- gefahrene Kilometer in Amerika ca. 115 000 km 

- mit dem Auto höchster Punkt 5 300 m in Bolivien

- 3 x Reifensatz gewechselt, 5 x Reifenpanne, 3 x ernsthaft festgefahren

- höchste Temperatur 43 º in Brasilien, tiefste -18 º in Canada

- immer noch verheiratet  ;-)

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Kommentare: 6
  • #1

    Andre Jaeger (Donnerstag, 23 April 2020 18:53)

    ”immer noch verheiratet”, das ist gut und zaubert mir ein Lächeln auf die Lippen. Ich bin dankbar einer eurer vielen Weggefährten zu sein und war ein sehr begeisterter Blog Leser. Maria, du schreibst spannend und informativ - großartig und Peter, deine Fotos sind klasse. Ich hoffe wir sehen uns bald gesund und life wieder und ich hoffe sehr ihr werdet bei neuen Reisen wieder einen Blog schreiben. Vielen Dank das ich eure Reise beim lesen miterleben durfte und mich an viele Orte meiner Südamerika Reise erinnern konnte ...
    Bleibt gesund
    Gruß Andi

  • #2

    Mattias (Freitag, 24 April 2020 09:15)

    Wow, Wahnsinn!
    Hoffen wir, dass wir die Corona Zeit alle gut überstehen. Passt auf euch und die Familie auf! Liebe Grüße aus G-A Town!

  • #3

    Sebastian (Freitag, 24 April 2020 09:43)

    Ihr lieben,
    Spannende Geschichte und tolle Bilder Peter.
    Wahnsinn.... Was für ein Abenteuer.
    Schön, dass alles gut gegangen ist.
    Liebe Grüße von uns allen.

  • #4

    Uli (Freitag, 24 April 2020 12:15)

    Nach der Lektüre des Blogs brauchst Du keinen Freitags-Krimi mehr.
    Sehr spannend Euer Abenteuer und vor allem bin ich von den Bildern beeindruckt... nicht auszudenken, wie es sich live anfühlt, solche Landschaften zu sehen.
    Bis die Tage

  • #5

    Detlev (Sonntag, 26 April 2020 22:44)

    Hallo Ihr Lieben,

    das gab nun doch noch ein ziemlich turbulentes Ende Eurer wunderschönen Reise, aber gemäß dem Motto der Reise „Ebbes isch emmer“ passte es doch, oder?��
    Mit Neugierde, Bewunderung und auch ein wenig Neid haben wir Eure Reise mental verfolgt, Maria, Deine Texte verschlungen und Deine Bilder eingesogen, Peter.

    Danke, dass Ihr uns virtuell mitgenommen habt.

    Lasst es Euch weiterhin gut gehen und bleibt gesund.
    Liebe Grüße aus Berlin / Brandenburg
    E. & D.

  • #6

    Mary und Renzo (Montag, 04 Mai 2020 20:05)

    Hallo ihr lieben!

    Ich lese mich gerade einmal quer durch die verschiedene Blogeinträge und hab das Gefühl ich bin wieder "vor Ort"... das Fernweh wird wohl immer ein Bestandteil in unserem Leben bleiben :-)
    Wir hoffen dass sich unsere Wege bald wieder kreuzen, ihr seit immer herzlich willkommen in der Schweiz!!

    Grüassli
    Mary und Renzo mit Compañero :-)

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