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Abschied von Canada und zurück in die Staaten

 

Es geht weiter. Wir müssen uns allmählich südwärts Richtung USA bewegen, um rechtzeitig zum Storage in der Nähe von Portland zu sein. Die restliche Zeit im Yukon genießen wir besonders, denn die menschenleere Natur und Straßen sind unser Ding.  

Über den Klondike Highway bewegen wir uns langsam nach Whitehorse. Dort haben wir vor vier Wochen neue Reifen für das Auto geordert, die inzwischen dringend gewechselt werden müssen. Die Reifen sind da, das Wechseln dauert lange, aber klappt letztlich einwandfrei. 

Wir wollen noch einmal Kai am Watson Lake besuchen und beschließen, nicht den direkten Weg über den Alaska Highway zu nehmen, sondern den Highway #6, die South Canol Road. Sie ist so gut wie nicht befahren, eine Gravelstraße und wunderschön. Die Canol Road wurde 1943 von der US-Armee als Versorgungsstraße gebaut. Sie ging parallel zur Ölpipeline von Camp Canol. Im Jahr 1945 wurde die Pipeline aufgegeben. Inzwischen ist sie eine etwas zugewachsene Freizeitstraße. Entlang der Straße sind mehrere große Seen und die spektakulären Berge der Itsi Range. 

Wir übernachten auf einem Platz oberhalb des Quiet Lake. Insgesamt legen wir 219 km bis zur Kreuzung des Robert Campbell Highway #4 zurück. Der führt uns direkt zum Watson Lake. Die Nacht verbringen wir an einem der Cabin Lakes. Dort treffen wir Dieter und Hannelore, Deutsche, die seit Jahren eine Zeit des Sommers in Kanada verbringen. Sie sind beide über 80 Jahre alt, fit, und kennen die Gegend wie ihre Westentasche. Wir schauen beim Brotbacken in einem Eisentopf über dem Feuer zu und ich bekomme ein neues Rezept für Sauerteigbrot. Später, als Peter und ich schlafen gehen wollen, fragt uns Dieter, ob wir einen Fisch möchten, er ginge jetzt mit dem Kanu raus zum Angeln... Klar wollen wir einen Fisch. Wir liegen kaum im Bett, da klopft Hannelore an unsere Womotür und bittet Peter mit dem Fotoapparat zu kommen. Dieter hat einen Hecht gefangen, ca. 70 cm groß, mit einem riesigen Maul. Wir sind platt. Dieter nimmt zusammen mit Peter und seiner Frau den Fisch aus und verarbeitet ihn mundgerecht zu 3 Kilo Filetfleisch. Noch in der Nacht versorgen wir die Filetstücke und frieren sie ein. Herzlichen Dank euch Beiden – der Fisch hat uns inzwischen vorzüglich gemundet.

Am nächsten Tag geht es weiter bis Watson Lake und zu Kai. Und es wiederholt sich: wir können auf der Wiese des Flughafens übernachten, Peter kocht 2 Tage für uns, Kai genießt die Malzeiten, es wird viel geredet und so haben wir insgesamt eine schöne Zeit.

 

Dann nehmen wir den Alaska Highway in Angriff; von Watson Lake bis zum Ende nach Dawson Creek. Das sind knapp 1000 km. Sehr schöne Strecke; wir fahren 3 Tage. Unterwegs sehen wir Bisonherden, Schwarzbären, ein Dallschaafe, ein Caribou mit Nachwuchs. 

Auf dem Summit Pass finden wir einen schönen Campground direkt am See. Das Wetter ist uns hold, so dass wir auf einen Berg hoch steigen und das Ganze von oben bestaunen. Wir verbringen einen unterhaltsamen Abend am Lagerfeuer mit Jim und Joanne aus BC.

Ein paar Worte zum Alaska Highway:

Der Alaska Highway ist insgesamt ca.2349 km lang. Er führt von Fairbanks in Alaska über Whitehorse im Yukon nach Dawson Creek in British Columbia. Gebaut wurde er in 8 Monaten im Jahr 1942. Es war ein gigantisches Unternehmen. Die Baukolonnen starteten gleichzeitig in Dawson Creek BC), Whitehorse (Yukon) und Delta Junction (Alaska). Der fertige Highway konnte zunächst nur von Bulldozern benutzt werden; 1943 musste die gesamte Trasse verlegt oder saniert werden. Inzwischen ist die Straße asphaltiert und gut befahrbar.

Grund für den Bau der Straße war die japanische Bedrohung nach dem Angriff auf Pearl Harbour im Dezember 1941 während des 2. Weltkrieges. Eine Nachschubstraße sollte den US-Staat im hohen Norden gegen eine damals gefürchtete Invasion sichern helfen. Die Kanadier hatten sich in Friedenszeiten gegen ein eine Straße nach Alaska gewehrt, um ein  unkontrolliertes Eindringen der USA zu verhindern. 1941 jedoch wurde der Landweg zu einem gemeinsamen Projekt.

 

Nach Dawson Creek, am Punkt Null des Alaska Highway wechseln wir nach Alberta und besuchen den Jasper und Banff National Park. Aufmerksame Mitreisende wissen, dass wir Anfang Juni unseren Sohn mit seiner Frau auf dem Weg dorthin verlassen haben, um nach Alaska zu fahren. Jetzt holen wir den Besuch nach. Der Weg in die Rocky Mountains und die immer höher werdenden Berge sind ein Genuss in ihren vielfältigen Formationen, Ausprägungen und Farben. Uns ist natürlich bewusst, dass die beiden Parks touristisch stark frequentiert sind, trotzdem erschrecken wir wieder vor der Fülle der Menschen und Autos. Uns kommt im Nachhinein die Zeiten in den ruhigen Landschaften des Yukons und den wenig befahrenen Straßen paradiesisch vor. 

Trotzdem: wir fahren den Icefields Parkway; die Rocky’s sind gigantisch, es regnet zwar, die Sicht ist oft versperrt, aber wir sind zuversichtlich, denn das Wetter soll am nächsten Tag besser werden. Und wir finden ohne Reservierung einen Übernachtungsplatz. Was will der Mensch mehr? Am nächsten Morgen kommt tatsächlich die Sonne raus und wir entschließen uns einen Hike in die Berge zu laufen. Nach 450 Höhenmeter, sehen wir dort das Eisfeld des Sasketchewan Glacier (2344 m), aber auch blassblaues Wasser, blühende Wiesen, Canyons usw. ... traumhaft und fast menschenleer.

Später geht die Fahrt weiter, aber das Anhalten an schönen View Points ist fast nicht möglich, weil die Parkmöglichkeiten ausgereizt sind. Dann eben nicht und fahren weiter in den nachfolgenden Banff NP. Dort finden wir einen nicht überfüllten Campground, in dem wir uns gleich für 2 Tage einbuchen. Am folgenden Tag gehen wir erneut auf eine Wanderung zu einem schön gelegen See. Der Weg ist allerdings extrem matschig wegen der Regenfälle der letzten Tage. Wir stampfen durch und werden auch hier mit schöner Natur und noch schönerem grünen See, den Chephren Lake, zu Fuße des Mount Chephren 3266 m belohnt. Auf dem Rückweg treffen wir eine Familie, die wir anhand des VfB-Trikots als Deutsche identifizieren und ansprechen... - sie kommen aus Plieningen, ein Nachbarort von Echterdingen. Später treffen wir noch eine Familie aus Gerlingen, ein Paar aus Kornwestheim und Milan im VfB-Trikot mit seiner Familie aus Waiblingen... Die Schwaben und VFB-Fans sind unterwegs...!

Der Lake Louise ist laut Reiseführer eine Attraktion und besonders am Wochenende voll. Wir sparen uns den Besuch, nachdem wir volle Parkplätze, Sperrungen, verkehrsregelndes und hektisch weiterwinkendes Personal und lange Menschenschlangen an den Bushaltestellen sehen. Wir verdrücken uns auf einen Campground außerhalb des Parks und wollen am nächsten Morgen - einem Montag - erneut den Lake Louise in Angriff nehmen. Wieder voll! An der Bushaltestelle lösen wir uns nach längerem Warten aus der Schlange; zu selten kommen die Busse und die anfahrenden haben nur eine geringe Platzzahl frei.

Wir schaffen es letztendlich abends mit dem Auto zum Lake Louise und am Ufer des Sees bewegen sich immer noch Massen von Menschen. Wir bleiben nur kurz und erleben anschließend bei der Rückfahrt etwas sehr Überraschendes: Die gesperrte Straße zum 14 km entfernten Lake Moraine wird geöffnet. Der Weg dorthin begleitet eine wunderbare Aussicht auf die Berge und der See, mit einer intensiven Grünfärbung schimmert im Abendlicht unglaublich.

Nachdem wir im Touristenort Banff getankt gewaschen und Lebensmittel eingekauft haben zieht es uns eher zu ruhigeren Strecken in schöner Landschaft. Deshalb steuern wir als Nächstes den Kootenay National Park an. Auch hier sind wir zu Fuss unterwegs und entdecken einen Creek und verschiedene Teiche, die mit der Farbe Ocker durchsetzt sind. Die Intensität der Farbe bringt das Wasser und den Boden zum Leuchten. 

An einem kleinen Grenzort verlassen wir Kanada und reisen in Nordosten Washingtons, also erneut in die Staaten ein. Wir besuchen (lt. Umfrage unter den Amerikanern)  die Zehntschönste Stadt Amerikas, Coeur d’ Alene. Dies trifft sicher auf die Down Town am See zu.

Über Spokane geht’s weiter in den Süden. Wir sehen kilometerweit Kornfelder, abgeerntet oder auch nicht, oder umgepflügt. Soweit das Augen reicht dominieren die Farben gelb, braun und grün. Große Erntemaschinen bewegen sich durch die Landschaft. 

Später suchen wir den Weg zu den Palouse Falls. Die Falls und der Canyon liegen etwas weit ab vom Schuss - das stört uns nicht. Zuvor hat man eine tolle Aussicht von der Anhöhe der Steptoe Butte. Bis an den Horizont wellen sich hier saftig grüne, hügelige Ackerflächen der Palouse Fields; an klaren Tagen reicht der Blick bis 100 km weit. Der dem State Park zugehörige Campground ist zu unserer Überraschung nur für Zelte gedacht. Auf Nachfrage bei dem zufällig hinzukommenden Ranger wird uns erlaubt, zu übernachten: Ein Stuhl auf Nr. 1 des Zeltplatzes und Schlafen auf dem Parkplatz, 12 Dollar. Das finden wir eine gute Lösung.

Wir schauen uns in der Abendsonne die schöne Umgebung an. Inzwischen ist auch der Zeltplatz voll. Als kurz vorm Dunkelwerden ein wanderndes Paar noch einen Platz benötigt, nehmen wir unseren Stuhl weg damit die jungen Leute ihr Zelt aufstellen können. Morgens bedanken sie sich herzlich und wollen uns unbedingt Geld für den Übernachtungsplatz geben.

Auf unserer weiteren Fahrt werden die riesigen Getreideflächen abgelöst von Kartoffeln, Mais und Äpfel, auch alles im großen Stiel. Landwirtschaftliche Anwesen mit großem Maschinenpark unterbrechen die angelegten Äcker und Felder. Das Klima in dieser Region ist mild und warm. Das Wasser aus den Bergen, die Stauseen des großen Columbia River begünstigen den Weinanbau und Anbau von Obst- und Gemüse. Schilder in spanischer Sprache zeigen an, dass dringend Mitarbeiter zum Ernten gesucht werden, denn die Früchte sind prall und reif für die Ernte.

 

Wir sind im Olympic Nationalpark/Washington. Dazu sind wir von Edmonds mit der Fähre nach Kingston und weiter bei Port Gamble über eine Brücke die Olympic Peninsula erreicht. 

Die Halbinsel soll einer der meistbesucht Nationalparks wegen seiner vielfältigen Natur sein. Bei gutem Wetter gibt es großartige Ausblicke auf die Bergwelt, reizvolle Wanderungen durch das Hochgebirge, üppigen Regenwald und herrliche Uferlandschaften. Ist das Wetter aber trübe und mit Dauerregen verbunden, bleibt von der Sicht nicht viel. Wir haben derzeit Regen, sind aber optimistisch, dass wir noch den einen oder anderen schönen Tag erwischen. 

Von Port Angeles aus – 19 000 Einwohner und größte Stadt der Halbinsel – fahren wir über die Höhenstrasse zur Hurricane Ridge. Dabei haben wir wunderbare Sicht auf – teilweise schneebedeckte – Berge mit Gipfel über 2000 m. Wir bleiben über Nacht in einem Campground, der mitten im Rain Forst liegt. Die Bäume sind hoch und lassen kaum Licht nach unten. Nachts ist es absolut dunkel.

Wir fahren weiter zur nördwestlichsten Ecke der USA (außer Alaska), über Neah Bay zum Cape Flattery. Wir befinden uns inmitten eines Indianer Reservats, der Makah Reservation. Als ware Perle dieser Gegend wird der Shi Shi Beach (ausgesprochen „schay schay“) im Reiseführer benannt. Wir laufen 6 km durch Regenwald und am Strand entlang und stehen am „eindrucksvollsten und ursprünglichen Küstenstrich des Pazifischen Nordwesten“. Den wir allerdings nur ansatzweise erkennen können, da es viel regnet – wie es sich eben für den Regenwald gehört. Nichts desto trotz sind viele junge Menschen mit Rucksäcke und Bearboxes (darin werden die Lebensmittel dicht verschlossen und den Zugriff für Bären verhindert) zu dem Strand unterwegs. Sie campen dort. Es ist verlängertes Wochenende, weil montags der Labor Day gefeiert wird. Wir übernachten am Rande an einer Straße, so dass uns am Morgen Theo und Hedi entdecken. Wir hatten uns bereits früher an einem Übernachtungsplatz kennen gelernt und freuen uns auf ein Wiedersehen. Wir verbringen ein paar schöne Tage am Kalaloch Campground direkt am Pazifik.

In zwei Tagen bewegen wir uns weiter nach Portland Richtung Salem. Dort wird das Womo überwintern.

 

Das ist der letzte Blogbeitrag dieses Reiseabschnittes. Wir kommen dann erst einmal über Winter nach Hause und hoffen, mit euch Zeit verbringen zu können. Auf die Familien unserer Söhne und unsere Enkelmädchen freuen wir uns besonders. Klar.

Zu guter Letzt noch einmal ein paar Worte zu den Bären: Ich bin inzwischen sehr viel gelassener, was Bären betrifft. Wir haben inzwischen 16 Bären (Grizzly’s und Braunbären, manchmal mit Babys). Teilweise waren sie sehr nahe und sind ihres Weges gegangen, teilweise direkt am Auto, jedoch nie face to face. Sie sind präsent und immer wieder kommen uns auf den Wegen Leute entgegen, die vor einer ½ h einen Bären gesehen haben. Auf einem Campground durften keine Leute mehr in Zelten übernachten, weil kürzlich ein Grizzly darüber gewandert ist. Wenn wir im Gelände oder Wald unterwegs sind, haben wir Bearspray dabei, um im Notfall abwehren zu können. Alle Ranger/innen tragen Bearspray am Gürtel. Uns ist bei den diversen Warnhinweisungen und Verhaltensregeln nicht klar, wer geschützt werden soll? Die Menschen oder die Bären. Bären die sich in Menschennähe aufhalten, werden in entfernte Wälder versetzt. „Ein gefütterter Bär ist ein toter Bär“ steht auf den Tafeln.

 

So ihr Lieben, wir sehen uns in Deutschland.

 

„Reisen macht einen bescheiden. Man erkennt, welch kleinen Platz man in der Welt besetzt“.

Gustave Flaubert

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Kommentare: 2
  • #1

    Detlev (Donnerstag, 05 September 2019 23:22)

    Hallo Ihr Lieben,
    wieder viele tolle Berichte und hervorragende Bilder�.
    Schön, dass wir auf die Weise an Eurer fantastischen Reisen teilhaben können.
    Eine Region dieser Welt, die auch noch in unseren Reiseträumen für Unruhe sorgt�.
    Liebe Grüße und willkommen in D
    Erika & detlev

  • #2

    Wolfe (Donnerstag, 12 September 2019 22:38)

    Tolle Fahrt, wunderschöne Bilder und ihr habt dann viel zu erzählen.
    Wir wünschen euch eine gute Heimreise und freuen uns auf euch. Liebe Grüße, Wolfe und Lioba

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