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Unser Weg von British Columbia, den Yukon nach Alaska

Unser weiter Weg geht ziemlich direkt Richtung Alaska. Wir möchten so früh wie möglich dort ankommen. Deshalb fahren wir über Prince George zur Grenze des Bundesstaates und nach Yukon zum Watson Lake. Dort wollen wir Kai besuchen, ein Schwabe der seit mehr als 20 Jahren dort lebt. Er arbeitet am Flughafen und kümmert sich um das Löschmittel-betanken der Flugzeuge im Brandfalle. Laut Kai brennen sowohl im Yukon, als auch in Alaska einige Wälder und er zeigt uns am PC verschiedene Brandherde. Später erfahren wir in Alaska, dass es über 115 Brandherde gibt und im Kenai Nationalpark eine ziemlich große Fläche brennt.

Wir können auf einer dem Flugplatz zugehörigen Wiese übernachten und verbringen zusammen zwei unterhaltsame Abende mit gutem Essen am Watson Lake. Seit Tagen haben wir wieder einmal Sonne und kein Regen, dafür aber Moskitos. Laut Kai ist das nichts, was um uns rum fliegt; erst wenn es mehr als 100 seien kann man seiner Meinung nach von Mückenplage sprechen. Überhaupt seien sie in den letzten Jahren zunehmend zurückgegangen. Spätestens im August mit den ersten Nachtfrösten seien sie weg. Na denn!

Wir nutzen die Zeit zum Waschen und Einkaufen. Watson Lake ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt im Yukon und die drittgrößte Stadt mit 1.500 (!) Einwohner. Ihre besondere Bekanntheit verdankt die Stadt den „Watson Lake Sign Posts“, zahlreiche unübersehbare Holzmasten am Alaska Highway, an die Besucher aus aller Welt Wegweiser, Autokennzeichen, Orts- oder andere Schilder genagelt haben. Das Ganze geht zurück zu einem heimwehkranken Soldaten namens Carl K. Lindley aus Illinois, der während der Arbeit am Alaska Highway ein Schild an einen Baum genagelt hat. Seither folgen jede Menge Leute diesem Beispiel. Es sollen inzwischen 80 000 Schilder sein.

Weiter über den Alaska Highway kommen wir nach Whitehorse. Es ist die Hauptstadt seit 1953 und mit inzwischen ca. 29 000 Einwohner und 75 % der Yukon-Bevölkerung. Wir brauchen neue Reifen für das Wohnmobil und suchen verschiedene „TIRE Shops“ auf. Wir verabreden, dass wir in ca. einem Monat zurück nach Whitehorse kommen, um sie montieren zu lassen. In der Stadt sehen wir Menschen mit Mundschutz auf der Straße und spüren den Rauch in der Luft

 

WALD FEUER RAUCH

 

Der Wald brennt in North Yukon und Teilen Alaska’s!!! Der Rauch überdeckt ALLES. Letztlich sind es mehr als 1000 km. Wir fahren durch Nebelwände, umwabert von permanentem Lagerfeuergeruch. Von den hohen Bergen sind wenn überhaupt nur Konturen zu sehen. Der Rauch geht auf die Augen, die Atmung und das Gemüt. Ca. 40 km vor der Grenze Alaska kommen wir zu den offenen Brandstellen. Hubschrauber kreisen am Himmel und werfen Wasser ab; wir sehen brennende Bäume, hohe Flammen und dicken Qualm. Die Sonne kommt kaum durch diese dicke Suppe. Wir werden mit einem „Piloten“ durch die Brände geleitet. Stellenweise umgibt uns Rauch können wir im Rauch nichts mehr sehen und fahren blind.

Waldbrände sollen für die Entwicklung des Waldes notwendig sein. Sie vernichten abgestorbene Pflanzen und führen deren Nährstoffe wieder in den natürlichen Kreislauf ein, ohne die organische Bodensubstanz zu zerstören. Solange keine Siedlungen bedroht sind, lässt man sie brennen. Nach dem Brand kommt die Vegetation zurück und der Wald wächst wieder – bis bspw. ein Blitzschlag wieder ein Feuer auslöst.

Zu der Trostlosigkeit des Rauchgewabere paßt es ganz gut, dass wir zwischendurch eine ziemlich verfallene Geisterstadt am Südostufer des Kluane Lake besuchen, „Silver City“, in der Goldschürfer gelebt und gearbeitet hatten. 

Ein paar Worte zum Goldrausch: 

Nach dem Kauf von Alaska gab es seitens der USA wenig Interesse an der Neuerwerbung. Das änderte sich, als 1880 beim heutigen Juneau Gold gefunden wurde. Als sich später in Klondike an den Stränden von Nome Nuggets entdeckt wurde, begann der große Run, der bis 1905 anhielt. Diese Zeit begegnet uns auf unsere Reise in Form von verlassenen und zusammengestürzten Häuser, Minen und ausgedienter Ausrüstung immer wieder. Wir stellen uns zeitweise die Mühsal und Strapazen der Wanderungen zu den Goldfeldern vor, die ja häufig in Schnee und Kälte vorgenommen werden mussten, um in der kurzen schneefreien Zeit nach Gold suchen zu können. Heute kann man, wenn man Lust hat immer noch ein bisschen Gold waschen. Wir haben es nicht versucht.

Die Anreise über den Alaska Highway von Whitehorse über Tok nach Valdez dauert 4 Tage und ist lange und eintönig, da uns – wie bekannt -weitestgehend die Sicht versperrt ist. Trotz allem haben wir auch Glück und sehen ein Moose (Elch) mit zwei Jungen am Fahrbahnrand. Ich bremse vorsichtig ab, um sie nicht zu erschrecken. Das passiert nicht; vielmehr fressen sie in aller Ruhe weiter. Wir können die Drei in unmittelbarere Nähe anschauen. So schön! Dann kommt in diese beschauliche Stille ein Riesenmonster von amerikanischen Wohnwagen. Das Geräusch verschreckt die drei Elche, so dass sie im Gebüsch verschwinden. So ist das Leben.

Kurz nach Tok kommen uns überraschend Rosemarie und Werner aus der Schweiz auf der Straße entgegen. Wir haben sie im Januar auf dem Abstellplatz der Womos in Teotihuacan/Mexico getroffen und eine Woche mit ihnen verbracht. Die Freude über das Wiedersehen ist groß, wenn es auch nur zu einem ½ stündigen Gespräch am Straßenrand kommt.

Die Weiterreise führt uns in den Nationalpark Wrangell-St.Elias. Dort befinden sich die Wrangell Mountains mit Bergen bis 5000 m und jede Menge Gletscher. Alles wegen des Rauchs nur schemenhaft zu sehen. Wir übernachten in einem schönen, kleinen Campground am Jack Lake mit mäßig vielen Moskitos.

Jetzt verabreden wir uns mit Brigitte und Peter, kennengelernt im Februar auf der Baja California, die sich in dem 170 km entfernten Valdez aufhalten. Über WhatsApp haben wir Kontakt gehalten. Sie sind an der Fish Hattchery. Dort sollen Bären zum Lachse fangen kommen. Es sind jede Menge Menschen vor Ort und hoffen auf das Schauspiel. Die Bären sind jedoch lt. Fischer durch die Feuer vertrieben. Dafür sehen wir Seelöwen, die sich die Lachse schnappen und im Maul hin und her schleudern. Die abfallende Reste holen sich die Möwen. Wir verbringen 3 Tage in Valdez mit Brigitte und Peter; der letzte Tag ist verschiedenen Reparaturen am Daimler und MAN geschuldet. Unsere Wege trennen sich am Morgen in entgegengesetzter Richtung. So ist das auf Reisen, ein ständiges Abschiednehmen.

In der Nacht hat es endlich geregnet. Damit verbunden ist die Hoffnung, dass die Waldbrände eingedämmt werden. Die Luft ist tatsächlich momentan besser, wenn auch die Berge nun mit Wolken verhangen sind. Wir brauchen dringend einen sonnigen Tag mit blauem Himmel!!!

Zunächst geht es über den Glenn Highway nach Anchorage und weiter auf die Kenai Halbinsel.

Anchorage stellt mit über 300 000 Einwohner mehr als 40 % der Gesamtbevölkerung Alaskas. Die Stadt ist das wirtschaftliche Zentrum des Bundesstaates. Entsprechend versorgen wir uns dort mit Lebensmittel und sogar Kleidung. In strömendem Regen bewegen wir uns weiter die Kenai Halbinsel entlang bis zum fahrbaren Endpunkt, dem Ort Homer. Es vergeht uns ein bisschen die Freude an unserer Reise. Im Reiseführer lese ich, dass es vor allem auf der Kenai Halbinsel ausgiebig regnet und die Küste sich selbst im Sommer bei 10 Grad unter Regenwolken und Nebel versteckt... Na dann ist doch alles richtig mit dem Wetter! Trotzdem: nichts wie weg in wärmere Gefilden.

Wir durchqueren die Insel Richtung Seward; es ist ein beliebtes touristisches Ziel und bietet einiges an Attraktionen. Vor „touristischen Zielen“ graut es uns meist, aber vielleicht kommen wir da an die Gletscher und Berge ran. Unterwegs sehen wir kleine Rauchwolken in den Wäldern, aber kein Regen mehr und die Sonne zeigt sich schüchtern durch die Wolken. Bei der Suche nach einem Schlafplatz haben wir zunächst kein Glück, weil die Plätze im Wald wegen Feuergefahr geschlossen sind. Am Hidden Lake freuen wir uns, dass wir keine Absperrung zum Campground sehen und wir finden einen tollen Platz. Fast alle Plätze leer, schön gelegen, total ruhig. Es gefällt uns so sehr, dass wir eine zweite Nacht dranhängen. Und wir haben Sonnenschein pur.

Die Kontakte der wenigen Camper sind schon fast familiär. Man trifft sich abends am See zum Plausch. Tagsüber gehen wir einen Trail, um die Aussicht über zwei Seen zu genießen. Hier wird eindringlich vor Bären gewarnt und einer der Alaskaner hat sogar eine Pistole zum Schutz umhängen. Peter spricht ihn an und sagt, dass er der erste Amerikaner sei, den er mit Waffe sieht. Seine Frau zeigt uns Fotos – aus dem Auto heraus aufgenommen – auf dem sich ein Schwarzbär mit zwei Kinder auf dem Weg zum See tummelt. Deshalb nehmen wir unser Bärenspray mit auf den Trail. Kein Bär getroffen! Ich treffe sie lieber, wenn ich im Auto sitze.

Das gute Wetter bleibt und in Seward angekommen buchen wir uns für den gleichen Nachmittag eine Bootstour zu den Gletschern. 

Die Bootstour (5,5 h) ist super. Wir kommen ganz nahe an Gletscher heran, können sie und die Landschaft in Ruhe anschauen. Wir sehen Seelöwen, Humpbackwale, Orcas, Seeotter, Robben (Haberseal), Kormorane, Seeadler, Papageitaucher, jede Menge Möwen (-kolonien)... 

In Seward stehen mehrere Hunderte von Wohnmobilien meist mehrreihig am Ufer entlang oder auf den vielen RV-Plätzen. Wir verbringen eine unruhige Nacht dort und flüchten dann vor den vielen Leuten, die bis in die Puppen quatschen und schon morgens vor 7:00 Uhr ihre Generatoren zur Stromerzeugung anwerfen. Da ist uns echt zuviel Lärm und wir verschwinden zum Übernachten wieder in den Wald oder an einen See.

Dass man hier nicht früh schlafen gehen kann, ist verständlich, denn es ist teilweise bis 1.30 h hell und es wird im Sommer nicht Nacht. Uns bringt das etwas durcheinander; die hiesige Bevölkerung ist das lange Tageslicht gewöhnt. In Alaska sagt man den Kinder: „Seid zum Einbruch der Nacht bitte zu Hause!“ „Das müssen harte Winter werden“ meint Peter.

 

Ein paar generelle Worte zu Alaska:

·      Die USA kaufte am 18.10.1867 Alaska von Russland für 7,2 Mio. Dollar

·      am 03.01.1959 wird Alaska der 49. Bundesstaat der USA

·      aktuell ca. 732 000 Einwohner

·      1 Einwohner auf 2,3 qkm (BRD 226/qkm!)

·      Wirtschaftszweige: Erdöl, Erdgas. Tourismus, Fischfang, Bergbau

·      Alaska erstreckt sich größtenteils auf der Höhe Skandinaviens. Derselbe Breitengrad läuft durch Anchorage und Helsinki. Selbst .      Alaskas nördlichster Punkt (Cape Barrow) teilt den Breitengrad mit dem skandinavischen Nordkap.

·      Alaska (1,7 Mio. qkm) ist vier Mal so groß wie Deutschland.

 Unsere Reise geht erneut nach Anchorage. Diesmal lassen wir uns mehr Zeit um die Stadt und die Märkte anzuschauen. Der Wetterbericht sagt in den nächsten Tagen gutes Wetter für den Denali National Park voraus. Deshalb brechen wir unser Besichtigungstouren nach einem guten Frühstück in einem traditionellen Lokal ab und fahren ca. 400 km weiter. Unterwegs sehen wir den höchsten Berg Nordamerikas, der Denali mit stolzen 6 168 m. Und er ist nicht in den Wolken, sondern zeigt sich beeindruckend mit seiner ganzen weißen Pracht. Im Vorfeld war uns klar, dass ohne Reservierungen weder ein Platz auf dem Campground noch in den im Park fahrende Busse zu bekommen sind. (Mit Privatautos ist der Park nur einige Meilen befahrbar.)

Wie ihr schon wisst, haben wir Probleme mit terminlichen Festlegungen. Also versuchen wir wieder einmal unser Glück. Kein Platz zum Übernachten im Park, aber für den nächsten Morgen Plätze für eine achtstündige Bustour. Sie geht ziemlich weit in den Park hinein, so dass wir hoffen, viele Wildtiere zu sehen. Das Übernachten außerhalb ist kein Problem, so dass wir morgens pünktlich am Bus stehen. Kaiserwetter! Es ist sonnig und angenehm warm; die Sicht reicht weit. Die Landschaft ist grün und voll mit purpurroten blühenden Waldweideröschen, die weite Landstriche zieren; aber auch die weiteren Wildblumen wie zitronengelber Islandmohn, gelbe Scheincalla, Vergissmeinnicht, Lupinen und Missionsglocken verschönern Wälder, Moore und Wiesen. Wir sehen Tannenhühner mit ihrem gesprenkelten Federkleid, ein Dall-Schaf (allerdings weit weg), Grizzlybären mit Kindern, Moose (Elch), mehrere Caribou’s mit ihren beeindruckende Geweihe. Caribou’s sind Rentiere und es tragen - anders als Elche -  Bullen und Kühe Geweihe. Die dazugehörende Bergwelt ist grandios.

Abschließend befahren wir den Old Denali Highway mit großartiger Sicht auf die Alaska Range vor ausgedehnter Tundra und Taiga Landschaft. Wir genießen die Fahrt sehr, aber leider sehen wir hier keinerlei Tiere. Das Fehlen der Tiere führen wir darauf zurück, dass sich hier ein ausgedehntes Gebiet zum Fischen und Jagen befindet.

„Ebbes isch emmer“: Beim Überholen erhalten wir einen Stein auf die Windschutzscheibe. Da der Sprung sich durch die holprige Straße dramatisch weiter entwickelt, lassen wir ihn in Fairbanks reparieren.

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Kommentare: 1
  • #1

    DaNi (Mittwoch, 07 August 2019 08:07)

    Mensch, dass schaut atemberaubend aus. Ich bin immer wieder neidisch und fasziniert über die Vielfalt und Schönheit die es auf unserer Erde zum Glück noch zu sehen gibt.
    HIer verpasst Ihr zwei Hübschen aktuell nur monsunartige Schauer und Gewitter + das Übliche.
    Ganz lieber Gruß
    DaNi

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