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Hasta la vista Mexico

Letzte Tage auf der Baja und auf zum Coppercanyon (Barranca el Cobre)

 

Wir übernachten auf der Rancho Verde im Landesinneren der Baja inmitten grüner Natur. Um uns herum blüht es prall und farbig; ein Pferd mit ihrem Fohlen frisst vor sich hin. Idylle pur. Es ist nahezu still. Morgens laufen wir kurz nach 7:00 h bei tollem Licht mit dem Fotoapparat los. Ein Rundweg von ca. 3 h führt uns durch die Kakteenlandschaft. Ein Hirsch überquert vor uns den Waldweg. Er erschrickt genauso wie wir und verschwindet im Unterholz. Neben den Kakteen in den unterschiedlichsten Formationen und Größen gibt es eben so viele Sträucher und Bäume. Die Blüten der Kakteen sind größtenteils verblüht, zeigen aber Knospen und der Kreislauf beginnt erneut. Genau so die Sträucher: alles war, ist oder wird. Das zeigen euch unsere Fotos. 

Auf unserer Wanderung kommen wir zu einer weiteren Ranch, deren Hunde uns begeistert begrüßen. Ein junger Husky läuft kilometerweit mit uns mit. Wir wissen nicht, ob er nach Haus zurück findet und wollen ihn bei „unserem“ Rancher abgeben. Glücklicherweise kommt uns ein Pickup entgegen, dessen Fahrer den Hund und die Besitzer kennt. Das Huskybaby wird kurzerhand auf die Ladefläche gesetzt und seinem Zuhause zugeführt.

Noch haben wir Frühjahr auf der Baja. Das Wetter stabilisiert sich: nachts kühl und tagsüber mit zunehmend heißer Sonne bei ca. 25 Grad. Uns wurde gesagt, dass es im Sommer sehr heiß werden soll, bis zu 40 Grad. Bis dahin sind die hier verweilenden Kanadier und Amerikaner längst zurück in ihrer Heimat.

Unsere restlichen Tage verbringen wir am Meer. Kurz vor der Abreise von der Baja besuchen wir erneut den Campingplatz in La Paz und erledigen das Übliche: Lebensmittelvorrat auffüllen, Waschen, skypen, telefonieren oder whatsappen. Wie ihr bereist wisst, wollen wir anschließend zur Barranca del Cobre (oder auch Copper Canyon genannt).

Es soll eine spektakuläre Zugfahrt durch den Canyon geben und wir überlegen erneut, ob wir mit dem Auto oder mit dem Zug in die Berge fahren sollen. Wenn wir mit dem Zug fahren, brauchen wir einen sicheren Abstellplatz für das Auto, denn wir sind wenigstens 3 Tage unterwegs. Einen entsprechenden Platz finden wir in El Fuerte. Dann die Entscheidung: wir nehmen den Zug! Das Internet sagt uns, dass der Zug nur Dienstag, Freitag und Samstag fährt. Wir wollen unbedingt den Zug am Dienstagmorgen erreichen, da die Wettervorhersage sonnige Tage ankündigt. Also schiffen wir uns spontan einen Tag früher auf die Fähre von La Paz nach Topolobampo ein. Direkt nach der Ankunft fahren wir weiter nach Los Mochis zum Cheepebahnhof um Karten für den Zug zu kaufen.

Aber: Cerrado!!!! Wieso geschlossen? Tag stimmt, Zeiten stimmen... es müsste offen sein. Wir finden nebenan einen Wachmann, der uns erklärt, es sei ein Feiertag, deshalb zu! Auch seine Anrufe bringen kein Ergebnis. Der Schalter ist und bleibt heute zu. Online kommen wir auch nicht weiter. Auch Mails werden feiertags ignoriert. Die Zugfahrt am Dienstag können wir uns abschminken. Wir sind enttäuscht. Ja, ich weiß, wir klagen auf hohem Niveau und wir sind schließlich die, die durch die Welt gondeln und nicht mehr arbeiten müssen. Aber sowas kann einen trotzdem ärgern. 

Nun, wir wollen nicht bis zur nächsten Zugfahrt am Freitag warten und entscheiden uns, mit dem Auto den Coppercanyon zu besuchen. Wir fahren stückweise auf gebührenpflichtigen Straßen, auf denen man meist gut vorwärts kommt, dafür aber Geld kosten. Dass wir wegen unserer Doppelbereifung des Womos in der teuren Kategorie „Bus“ oder „Lastwagen“ eingepreist werden, sind wir inzwischen gewöhnt, und die Summen läppern sich ganz schön zusammen. Das dicke Ende: kurz vorm Abbiegen kommt eine Zahlstelle an der wir über 340 Pesos (ca. 17 €) für das bisherige und kommende Teilstück zahlen müssen, obwohl wir nach 100 m von der Straße abfahren.. und dort wieder eine Zahlstelle ist! Was nun kommt war bislang außerhalb unsere Vorstellung und Erfahrung: wir zeigen unseren Gebührenschein von der vorherigen Zahlstelle und bekommen nach einer Zeit des Wartens nicht nur freie Fahrt sondern auch 190 Pesos zurück (fast 10 €)!!!. Erst sind wir sprachlos, dann freuen wir uns sehr.

(Für uns am heutigen Tag) Kurioses unterwegs:

- Friedhof direkt neben einer großen Müllhalde

- Fahrradfahrer kommt uns auf der Autobahn auf der Überholspur entgegen

- Rinder weiden auf dem Grün-/Mittelstreifen der Autobahn

Unsre erste Unterbrechung der Reise findet im „Eco Camp Inn“ im Landesinneren statt, unweit von Ciudad Obregón. Es gefällt uns so sehr, dass wir zwei Übernachtungen bleiben. Tagsüber ist es heiß. Die Nächte sind vollmondhell. Wir sitzen vor einem Feuer, braten Würste am Stock, beobachten neugierige Hasen und hören dem Muhen der Kühe, dem Schnaupen der Pferde und dem IA der Esel zu.

Auf die Unsicherheiten unterwegs angesprochen sagt uns ein Mitarbeiter, dass wir uns in der Provinz Sonora befinden und dies sei mit die unsicherste und gefährlichste Umgebung Mexiko’s, weil hier der Drogen- und Waffenschmuggel zwischen USA und Mexiko stattfände. Wir wissen natürlich um die Gefahren. Ich habe im Internet diverse Warnungen gelesen. Ausgenommen von der Sicherheitswarnung wurde die Gegend des Coppercanyons - und der ist unser Ziel. Wir hören immer wieder von  Übergriffen auf Touristen oder Einheimischen, aber verglichen mit der Freundlichkeit, dem Interesse und der Hilfsbereitschaft der vielen Mexikaner, die wir in den Monaten in Mexiko erleben konnten sind die Negativschilderungen - wenngleich erschreckend - doch unverhältnismäßig. Wir passen auf, lassen uns aber den positiven Umgang nicht vermiesen.

Unser Weg geht in die Berge mit dem Ziel des Parque Nacional „Cascada de Basaseachi“. Die Landschaft hat sich verändert, offensichtlich gibt es Wasser, denn die Täler werden bebaut und die Berge sind grün, vorwiegend mit Kiefernwälder bewachsen. Seit längerer Zeit bewegen wir uns wieder einmal in Höhen über 2500 m. Die Straße ist seehhrr kurvig mit vielen ausgewaschenen Löchern und es geht rauf und runter. Gegen 16:00 h erreichen wir den Parkplatz des Nationalparks und richten uns für die Nacht ein. Jetzt sind wir übrigens in der Provinz Chihuahua (gespr.: Tschiwawa) aus der die gleichnamigen Hunde stammen.

Aus einem parkenden Auto schallt laute Musik, die Boxen dröhnen. Jungvolk grillt und vergnügt sich. Wir lassen uns nicht abschrecken, denn wir möchte hier die Nacht verbringen.

Wir schauen uns die Cascada (Wasserfall) und die Bergwelt mit tiefem Canyon von einem Aussichtsplataeu an. Es wird Abend, die Feiernden haben sich inzwischen vermehrt und wir hoffen irgendwie auf ein Wunder, dass die Musik etwas leiser wird. Das Wunder kommt in Form eines Rangers, der den Parkplatz räumen will, um das Zugangstor zum Park abzuschließen. Er ist einverstanden, dass wir nächtigen, aber die Jugend soll zusammenpacken und das Feld räumen. So geschieht es auch und gegen 19 h sind wir allein und um uns eine herrliche Ruhe. Wir schlafen Beide bestens. Die Nacht ist kalt. Vor einer Woche soll noch Schnee im Park gelegen haben. Wir erleben am Morgen einen erneuten Tag mit viel Sonnenschein. Um 8:00 h wandern wir ein Stück des Weges tief in die Schlucht hinunter um Fotos von der Landschaft aufzunehmen. Wir wollen uns nicht zu viel zumuten, immerhin sind wir auf ungewohnten 2600 m Höhe, drehen um und schnaufen den Berg wieder hoch. 

Mittags erreichen wir den Ort Creel, den wir eigentlich mit dem Zug anfahren wollten und schauen uns die Attraktionen der Umgebung an wie z.B die Steinformationen im Tal der Mönche, die der Frösche, die der Pilze ......

Die Wetterapp teilt uns mit, dass das Wetter beständig bleibt. Wir brechen in die 155 km entfernte Stadt Urique auf, die zauberhaft in einem Tal an einem Fluss gelegen ist. In Divisadero legen wir erneut einen Zwischenstopp ein, mit Ausblick auf die beeindruckende, ja atemberaubende Kulisse des Canyons. Weiter in den Bergen verbringen wir einige Kilometer auf einer anständigen Asphaltstraße (super). Aber dann kommt’s: weitere 38 km geht es auf einer Staubstraße in Höhen bis zu 2300 m; allerdings auch wieder runter, denn Urique liegt im Tal auf 550 m. Ein bisschen schwindelfrei sollte man bei dieser Fahrerei schon sein, immerhin ist die Straße sehr steil, einspurig mit gelegentlichen Ausweichstellen, ohne Absturzsicherungen und mit Ausblicken fast 1000 m nahezu senkrecht in die Tiefe. Peter schaltet sicherheitshalber im 1. Gang die Untersetzung ein - und dann geht’s gaanz langsam runter mit den 5 t. Das Auto nimmt diese strapaziösen Straßenbedingungen, die Ab- und Aufstiege nicht immer klaglos hin und reagiert mit Fehlermeldungen im Display. Da ist es mal wieder: ebbes isch halt emmer...

Wir finden einen Stellplatz im „ Eco Camp“ bei Luis und Teresa, die uns sofort willkommen heißen, zum Essen einladen und rundum versorgen. Um uns herum blüht es und an der Grundstückgrenze plätschert der Fluss. Es gefällt uns total gut, so dass wir drei Tage bleiben. Mit Luis besuchen wir in den Bergen die indianische Missionskirche in einem Ort namens Guadalupe Coronado. Tja, dort ist eine völlig andere, eine indigene Welt. Frauen und Frauen mit Kinder in traditioneller Tracht mit weiten bunten Röcken und Blusen sitzen in Gruppen unter Bäumen zusammen; ebenso die Männer. Ich komme mit total deplatziert vor mit meiner knielangen Jeans. 

An dem Ort befindet sich eine Schule. Luis erzählt uns, dass die Kinder einen Schulweg bis zu täglich 3 Stunden (jeweils!) auf sich nehmen, um zum Unterricht zu kommen. Wenn der Weg länger als diese Zeit dauert, bleiben die Kinder über Nacht.

Den letzten Tag in Urique nutzt Peter, um das Auto zu verwöhnen, es ölt, es schmiert und ihm gut zuspricht. Und siehe da, beim Losfahren sind alle Warnzeichen weg. Und so können wir die Fahrt durch die schöne Landschaft der Berge zurück nach Creel genießen.

Wir wollen Mexiko nach vielen Monaten verlassen und fahren los, um zur Grenze zu kommen. Einreise ist der Grenzort Presidio/Texas.

Die Straße führt uns über Cuauthémoc – Chihuahua nach Ojinaga (Grenzort in Mexiko). Wir fahren auf einer riesigen Hochfläche (ca. 2300 m- 2560 m) auf der flächendeckend vorwiegend Korn angebaut wird und auch in großem Rahmen Viehzucht betrieben wird. Es werden auch Apfelbäume angebaut. Wir sehen Felder mit kahlen Bäumen, die von Kübel umrandet sind und in denen Holz gestapelt ist. Es sieht so aus, als würden diese Feuer nachts angezündet, um die Bäume vorm Erfrieren zu schützen. Was für eine Arbeit. Später landen wir in den Bergen und sehen unzählige blühende Kakteen, die Torrey Yucca, die große weiße, üppige Blüten haben. Leider können wir nicht anhalten, um diese Pracht zu fotografieren. Wir nehmen an, dass wir noch weitere Yuccas zu sehen bekommen. Das ist auch so. Allerdings sind wir dann in der Ebene, die wärmer ist und dort sind die Blüten schon weitgehend am Verwelken. 

Unsere letzte Nacht vor der texanischen Grenze verbringen sicherheitshalber in der Nähe einer Zahlstelle. Es wird eine erstaunlich ruhige letzte Nacht in Mexiko. Zu guter Letzt lassen wir unser total verdrecktes Auto in einem kleinen Ort abspritzen. Jetzt kann’s los gehen.

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Kommentare: 1
  • #1

    Andre Jaeger (Samstag, 13 April 2019 07:27)

    Ich beneide euch beide um den Coppercanyon. Eigentlich wollte ich vor 4 Jahren, als ich auf der Baja war auch noch dort hin und die Zugfahrt machen aber zeitlich (ich hatte nur einen 3 Wochen Urlaub) passte es leider einfach nicht mehr.
    Naja, was nicht ist kann ja noch werden.
    Ich wünsche euch weiterhin gute und sichere Fahrt. Ich bin zur Zeit in Reha in Bad Kissingen und fahre über Ostern zu meinen Eltern. Wann kommt ihr zurück in die Heimat?
    Viel Spaß im „Onkel Donald“ Land � Gruß André

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