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Looking for the Hotel California

Auf unserer Weiterreise passiert nicht wirklich Spektakuläres. Teilweise bewegen wir uns in umgekehrter Reihenfolge auf ähnlicher Route wie im April Richtung Mexiko City. Nur schwenken wir jetzt nach Norden.

Einige Tage verbringen wir bei Charly, der in der Nähe von Atotonilco el Alto ein Restaurant mit Spezialitäten aus der Schweiz, Cabañas und Stellplätze für Womo’s anbietet. Und wir besuchen zu Sechst die naheliegende Käserei, probieren und kaufen ein. Ein Paradies für Käseliebhaber. Es wird wärmer und mittags knallt die Sonne gnadenlos.

Nach einigen – fast familiären - Tagen verabschieden wir uns in Richtung Guadalajara nach Tequila. Auch von dort haben wir bereits berichtet. Wir kaufen drei Flaschen guten Tequila ein und setzen unseren Weg an die Küste fort. Weil das Auto gut läuft und die Straße frei ist, fahren wir durch nach Puerta Vallarta, um Susan und Riko zu besuchen, die dort mit ihrem Motorhome mehrere Monate stehen. Wir bringen ihnen Würste mit, die Charly nach Art des Hauser herstellt, worüber sie sich sehr freuen. Zwei schöne Tage verbringen wir miteinander.

Unser Ziel ist Mazatlán. Von dort aus wollen wir zur Baja California Sur verschiffen. Der Weg ist weit, so dass wir 70 km unterhalb auf der Isla del Bosque eine Nacht am Meer verbringen. In der Umgebung wird Kilometerweit grüner Paprika angepflanzt. Auf diesem Weg Richtung Meer fallen uns mehrere zusammengefallene Gebäude/Hallen auf, Plastik und Wellblech sind in alle Winde zerstreut. Offensichtlich sind Hallen zur Sortierung und Abfüllen der Paprika geschädigt worden. Die Palmen sind umgeknickt oder sehr zerzaust was irgendwie nach einem Hurrikan aussah. Und das hat sich in Gesprächen mit den Einheimischen bestätigt. Im November 2018 tobte ein Hurrikan über das Land und hat großen Schaden angerichtet.

Es ist Sonntag, der 03.Februar 2019, 3:45 h (bei Euch ist es 11:45 h ) und ich kann nicht schlafen. Um uns wabern Abgase aus unzähligen LKW’s, die die ganze Nacht laufen, um zu kühlen oder zu heizen. Wir stehen (O-Ton Peter) zwischen kochendem Asphalt und gekühlten Hühnchen. Mir ist nicht schlecht wegen des schwankenden Schiffs, sondern wegen der Abgase. Das wäre ein Paradies für klagende Umweltorganisationen.

Wie schon geschrieben, auf unserem Weg nach Norden (USA, Kanada, Alaska) wollen wir die Halbinsel Baja California besuchen, die wegen der rauen Berge, der reichen Tierwelt, der Wüstenflora – vor allem der Kakteen – und der endlosen Küsten mit wunderschönen Sandstränden von vielen Reisenden bewundert wird. Andererseits werden wir gewarnt, weil Touristen bestohlen werden und der Nordteil sehr amerikanisiert ist. 

Wie immer nehmen wir Warnungen ernst, wollen uns aber die Freude an der Schönheit der Insel nicht verderben lassen.

Zur Info: Die Baja ist 1250 km lang und durchschnittlich 90 km breit. Sie liegt im Nordwesten Mexikos zwischen dem Pazifik und dem Golf von Californien. Von den Mexikanern wird die Halbinsel „Mar de Cortez“ genannt. Sie besteht aus zwei Bundesstaaten: der Baja California Norte und der Baja California Sur. 

Die Fähre fährt vom Festland der Stadt Mazatlán nach La Paz im Süden und ist ca. 16 h unterwegs. Gut informiert über alle Eventualitäten kommen wir gegen 12 Uhr im Hafen an. Und alles ist easy: Womo wiegen, Tickets kaufen und ab zur Drogenkontrolle. Wir sollen gegen 14:00 h vorm Schiff stehen. Um 17:00 h wird abgelegt.

Das ist uns doch etwas zu plötzlich. Wir überlegen, was wir mit der verbleibenden Zeit machen. Schließlich verlassen wir nicht das  Hafengelände sondern stellen uns in den Schatten einer Mauer. Peter übernimmt die Küche und kocht eine leckere Tomatensauce mit Pasta. Ich kümmere mich um den für ein Brot aufgegangen Hefeteig. Kaum sind wir mit dem Essen fertig und ich beim Spülen, da werden wir aufgefordert, zum Schiff zu fahren. Vamos. Peter fährt los, während ich offene Fenster schließe, das Spülwasser rette, das noch schmutzige Geschirr in die Spüle stapele und das saubere verstaue. Dann muss ich raus aus dem Auto, denn die Drogenkontrolle beginnt. Ein großer personeller Aufwand, allerdings ist die Hauptperson ein Hund, der ums Auto, ins Fahrerhaus (gibt es hier auch eine geschlechtsneutrale Bezeichnung?), in die Kabine geführt wird. Ein schöner Hund. Peter meint, das kann ich nur mit drogenreinem Gewissen so sehen!?

Weil wir dermaßen dringlich zum Schiff gerufen werden, nehmen wir an, dass wir in Kürze auf die Fähre fahren sollen. Dem ist leider nicht so. Man weist uns einen seitlichen Platz zu und dort stehen wir nun und warten und schauen stundenlang (!!) dem Beladen dieser riesigen Fähre zu. Da ist zeitweise interessant. Ein LKW nach dem anderen verschwindet im Bauch der Fähre. Wir wollen unbedingt auf dem Deck parken, denn dort können wir uns im Womo aufhalten und die Nacht verbringen. Inzwischen werden  auch die langen und dicken Brummis vermehrt nach oben geleitet. Bei Peter entsteht die Befürchtung, dass evtl. kein Platz mehr für uns auf dem Deck vorhanden ist. Und endlich dürfen wir auf die Fähre fahren. Rückwärts auf Oberdeck. Ich bin froh, dass Peter unser Fahrzeug so gut beherrscht, dass er das locker schafft. Das Einparken ist Millimeterarbeit. Aber auch das gelingt wunderbar. Also stehen wir jetzt hautnah zwischen gekühlten Hühnchen und kochendem Asphalt.

Die Hafenausfahrt in gleisendem Sonnenschein ist spektakulär. Wir unterhalten uns mit einem holländischen Paar, das von Australien (dort lebt eines ihrer Kinder) Amerika von Süd nach Nord bereist, um später Freunde in Afrika zu besuchen. Wie klingt so was für euch? Mit ihnen schauen wir uns die den Passagieren zu Verfügung stehende Räumlichkeiten an, um uns dann ins Womo zurückzuziehen. 

Eigentlich will ich schreiben, dass die Überfahrt ruhig ist. Das ist sie aber nicht, denn um uns herum verrichten die Kühlanlagen ihre Aufgaben. Und sie sind laut, schalten sich ein, schalten sich ab. Wir mitten drin! Wir stopfen uns Ohropax in die Ohren, so dass die Geräusche etwas gedämpft sind. Ich schlafe immer wieder ein. Aber jetzt reicht es mir, so dass ich ein bisschen für Euch schreibe. Aber im Ernst: Wir hatten schon schlimmere Nächte.

Nun sind wir schon 6 Tage auf der Baja. Was wir hier sehen hat für uns nicht mehr viel mit Mexiko zu tun. Vieles erscheint uns amerikanisiert, die Leute, die Autos, die Preise, die riesigen Packungen im Supermarkt .... 

Wir bewegen uns von La Paz aus südlich die Golf-Küste entlang Richtung Cabo San Lucas. Auf dem Weg dorthin verweilen wir einige Tage bei La Ventana. Dort will Peter den Kite auspacken, sobald der richtige Wind kommt. Der Kite wird ausgepackt und aufgepumpt... und hält die Luft nicht. So ein Mist. Der restliche Tag geht drauf, die luftlassenden Stellen zu finden und zu reparieren. Am nächsten Tag ein erneuter Versuch, der ganz gut klappt: Luft bleibt drin, Wind zeitweise gut, dann lässt er nach und Peter muss vom Wasser... Wer sich mit Wind, Segel, Brett auskennt weiß, dass bei unterschiedlichem Wind unterschiedlich große Segel und unterschiedliche Bretter gebraucht werden. Es ist eine sehr diffizile Sache das richtige Material zum richtigen Windzeitpunkt unter den Füssen oder in den Händen zu haben. Die Chance für ein optimales Kiteerlebnis sinkt erheblich, wenn nur ein Brett und nur eine Segelgröße vorhanden ist, wie es bei Peter der Fall ist. Ganz schlimm, wenn der Kite kaputt ist und die Luft nicht hält... aber diese Problem hat Peter ja gelöst. Ich hoffe, Ihr versteht aufgrund meiner Ausführungen, dass nach eingeschlafenem Wind am Mittwoch und dem am Donnerstag aufgezogenen starken Wind (6-7 Bf/Windspitzen von 65 km/h) Weiterfahren angesagt ist. Inzwischen stehen wir am Strand von Cabo Frailes. Auch hier weht ein kaum weniger stürmischer Wind, dass sich Schaumkronen auf dem Wasser bilden. Trotz heißer Sonne müssen wir uns warm anziehen. An diesem Platz treffen wir einige Deutsche, die ebenfalls auf dem Weg in die Staaten, Kanada und Alaska sind.

Uns fallen auch die unzähligen „For Sale“ -  Schilder auf. Die halbe Insel wird zum Verkauf angeboten. Bereits jetzt sind schon viele Ferienhäuser die Küste entlang zu sehen. Wir glauben, dass in 10 Jahren direkte Zugänge zum Meer oder Strand selten sein werden. Heute genießen wir jedenfalls, dass wir einen kostenfreien Stellplatz direkt am Meer in einer schönen Bucht mit grünschimmerndem Wasser haben. 

Wisst Ihr, was SNOWBIRDS sind? Ich wusste es nicht, aber nun kann ich euch informieren: Snowbirds sind Leute, die vor der Kälte der USA, Kanada und Alaska fliehen. Sie arbeiten von April bis August/September und bewegen sich dann mit Womo’s oder Wohnanhänger in die wärmeren Gefilden nach Mexiko. Wir treffen sie derzeit auf der Baja Sur. An unseren letzten Standplätzen haben wir einige von ihnen getroffen, auch 2 Deutsche, die vor Jahren mit ihren Familien nach Kanada ausgewandert sind. Der Platz am Strand kostet nichts, so dass lediglich die Lebenshaltungskosten anfallen. So verbringen sie einige Monate in einem lieblicheren Klima und fahren erst wieder gen Norden, wenn die Arbeit ruft.

Heute werden wir informiert, dass am Sonntag ein alljährliches Motocross Rennen stattfindet und es laut und staubig wird. So ist es auch. Die Staubwolken wabern um den Zeltplatz herum. Ich schließe alle Fenster und begebe mich auf einen Strandspaziergang. Peter bleibt beim Auto, denn er will die Fotos für den Blog sichten. Als dann die Autos durchheizen, hat der Wind gedreht und weht den Staub von und weg. Da kann man locker mal näher ran gehen und den Autos beim Wettfahren zuschauen. Mittags ist der Spuk vorbei und die Ruhe kehrt wieder ein. 

Tags drauf führt uns der Weg weiter nach Süden. Die Ausblicke auf das Meer sind großartig und immer wieder müssen wir halten um Wale auf ihrem Zug zu beobachten. Wir hoppeln die Sandwege an der Küste entlang bis zum Ende der Insel - „El Arco“. Dort treffen sich der Golf von Kalifornien und der Pazifik. Nachdem sich zwei Kreuzfahrtschiffe dorthin bewegen, schwindet bei uns die Lust mit dem Boot dorthin zu fahren, so dass wir weiter der Pazifikküste entlang fahren. Wir finden kurz vorm Dunkelwerden einen Platz direkt am Meer, auf dem sich schon einige Motorhome’s jeglicher Couleur versammelt haben. Den Strand entlang leuchten die Holzfeuer. Morgens zum Sonnenaufgang sind jede Menge Menschen in Neopren und mit Surfbretter in den Wellen und suchen den Kick bei einem kurzen Wellentanz. Das hier ist eines der Surferparadiese. Uns ist der Trubel zu viel, die unzähligen Hunde ebenfalls, so dass wir weiter fahren.

Wir kommen nach Todos Santos. Hier steht das von den Eagles besungene Hotel California. Wir besuchen es. Beim Wegfahren lässt Peter die Salsaversion des Songs laufen und singt mit.

In der Stadt Todos Santos knallt die Farbvielfalt der Blumen so richtig ins Auge. Wunderschön. Ein krasser Gegensatz zu der kargen Kakteenlandschaft und den zögerlich aus dem Winterschlaf erwachenden kleinen Blüten an den Kakteen und Büschen.

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Kommentare: 2
  • #1

    Deter, Erika (Montag, 18 Februar 2019 18:11)

    Hallo liebe Globetrotter,

    schön, Euch mal wieder zu lesen und Euch bei Eurer tollen Reise ein bißchen virtuell begleiten zu können. Und die wunderschönen Bilder��
    Hotel California ist heute noch ein Ohrwurm für mich......
    Habt weiterhin eine tolle Zeit.
    Passt gut auf Euch auf und seid ganz herzlich gegrüßt von uns.
    Detlev und Erika

  • #2

    Anja Richter (Donnerstag, 21 Februar 2019 08:43)

    :-) Peter beim Kiten :-)
    Tolle Fotos! Viel Spaß auf Eurer Reise!! LG von uns beiden! A&A

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