DF Mexico

Wir sind aus größter Hitze in kalte Nächte gekommen. So ein Klimawechsel muss der Körper erst mal verkraften. Wir fahren nach Pueblo, Cholula zu den über 5000 m hohen Vulkanen Popocatépetl und Iztaccíhuatl Zoquapan, die zwischen den Städten Puebla und Mexiko-City liegen. Der POPO ist in einer Aktivphase und stößt ab und zu Rauch- und Aschewolken aus. Er kann nicht bestiegen werden, vielmehr gibt es eine 18 km Schutzzone um ihn herum. Der IZU kann bestiegen werden. Wir fahren über den Paso de Cortés (3650 m) und weiter zum Parkplatz La Joya auf 3950 m Höhe. Ich dachte, das ist eine einsame Sache. Weit gefehlt: es wimmelt von Bergsteiger jeglicher Couleur. Sie kommen vom Berg und wollen zum Berg. Nachts zwischen 2 h und 3 h brechen jede Menge Leute auf, mit Pickel, Wanderstöcke, Helmen, dicken Rucksäcken, warm eingepackt. Wichtig: die Stirnlampe. So gehen sie gruppenweise wie Perlenketten durch die Nacht, um den Vulkan zu besteigen. 

Wir wollen morgens einen 1-2 stündigen kleinen Aufstieg machen. Ich habe allerdings nachts sehr starke Kopfschmerzen bekommen, so dass Peter in der Frühe alleine loszieht, wunderschöne Fotos aufnimmt und nach seiner Rückkehr sofort den Berg runter und in mäßigere Höhen fährt.

Wenn Ihr aufmerksam die Nachrichten verfolgt, hört ihr, dass der Vulkan Fuego in Guatemala zwei Ausbrüche hat, Ortschaften unter der Asche begräbt und Todesfälle zu verzeichnen sind. Menschen sind auf der Flucht oder werden evakuiert. Wir waren auch in der Nähe des Vulkans (Antigua) und haben damals Foto’s vom Fuego in den Blog eingestellt.

Ich hoffe sehr, dass wir in unserer Zeit in Mexiko von Unwetter, Erdbeben, Vulkanausbruch verschont bleiben.

Mit Teotihuacán, ca. 30 km nordöstlich von Mexiko-City, haben wir das vorletzte Ziel dieses Reiseabschnittes erreicht. Das Auto wird dort für ca. 6 Monate eingelagert. Wir vertreiben unsere Zeit mit der gründlichen Reinigung, denn die extremen Wetterverhältnisse fordern ihren Tribut. Zwischendurch besuchen wir ein großes Kulturzentrum aus der Zeit zwischen 200 bis 500 n. Chr. in der bis zu 200 000 Bewohner gelebt haben sollen. Besonders beeindruckend sind die gewaltige Sonnen- und Mondpyramide, die wir natürlich erklimmen; allein die Sonnenpyramide hat 250 Stufen. Der Blick in die Landschaft und auf die umliegenden Vulkane ist grandios und entschädigt die Mühe. 

Die letzte Woche vor der Rückreise verbringen wir in Mexiko-City. Eine Stadt mit 25 Millionen (!!!) Einwohner; groß, laut, viel und schön; kulturell und geschichtlich sehr interessant. Es gibt drei Problembereiche: Bevölkerungszuzug, Luftverschmutzung und Wasserknappheit. Lt. Reiseführer ist sie die einzige Stadt der Welt ohne einen Fluss.  Der Grundwasserspiegel im Hochtal von Mexiko fällt ständig, im Jahr um 10 Zentimeter, so dass man mit hohem Energieaufwand das Wasser anderswo her holen (pumpen) muss. Durch den sinkenden Grundwasserspiegel und dem dadurch porös gewordenen Erdboden versacken ganze Straßenzüge (in den letzten 70 Jahren um 10 Meter).

Wegen der extremen Luftverschmutzung wurde 1989 eine Regelung eingeführt, wonach jedes Auto sowohl in der City, als auch im Großraum einmal in der Woche nicht fahren darf. Drakonische Strafen werden im Falle der Zuwiderhandlung angedroht. Peter versucht zu verstehen, wann wir mit unserem Auto fahren dürfen? Also dienstags schon mal nicht und an anderen Tagen ab 11:00 bis ??? 

Wir bekommen den Tipp, dass wir als ausländische Touristen eine Genehmigung für 14 Tage freie Fahrt beantragen können und wir bekommen sie tatsächlich online. Super. Wir haben nicht die Absicht mit dem WOMO in die Innenstadt zu fahren, aber wir müssen in die Daimlerwerkstatt am Stadtrand. Bis dorthin werden wir 2 Mal zur Kontrolle an den Straßenrand gewunken. Die meisten Stadtbewohner haben mindestens ein zweites Auto mit entsprechender Kennziffer, so dass sie sich täglich in dem Verkehrsgewühl der Stadt bewegen können.

Wir haben eine Woche Zeit und bewegen uns durch die Stadt, zu Fuß, mit der Metro und Bussen. Weil es erstaunlich viel regnet sind wir häufig in Museen und sind begeistert von den eindrucksvollen Wandmalereien. Die Murales im Obersten Gerichtshof, Suprema Corte de Justicia haben uns teilweise sehr erschüttert. Sie zeigen die Entstehung Mexikos und die Eroberung durch die Spanier bis hin zur Neuzeit. Einhergehend mit der Eroberung wird die Ausbeutung und Unterdrückung der Indigenen dargestellt. Später geht es um die Vermischung der indigene und spanische Bevölkerung, die das Land Mexiko bilden, um Kriege, um Verarmung, um Aufstand und Widerstand...

Wir wandern durch das historische Zentrum, bummeln durch Parks, verweilen auf Straßenmärkten, sehen unendlich viele Kirchen und besuchen einige davon z.B. die Catedral Metropolitana, ein gigantisches Gotteshaus. Es soll die größte Kathedrale des amerikanischen Kontinents sein; Baubeginn 1573, Fertigstellung 1813.

Mexikos anthropologischen Museum (Wissenschaft vom Menschen) ist in seiner Vielfalt eines der schönsten der Welt. Es wurde 1964 eröffnet und auf 33 000 qm Kunstschätze, seine Völker und Kulturen präsentiert. 

Das „Casa Azul“, das blaue Haus der deutschstämmigen Frida Kahlo war ebenfalls ein interessanter Museumsbesuch. Als 18 jährige hatte Frida Kahlo einen schweren Autounfall und musste danach mit den Folgen im Rollstuhl leben. Sie verarbeitete ihre Invalidität in ihren Bildern. Sie war 2 Mal mit Mexikos berühmten Maler und Muralisten Diego Rivera verheiratet und hatte diverse Affären u.a. mit Trotzki.

Sehr viel Freude hatten wir beim Besuch des Museo de Arte Popular mit fantasievollen Figuren, beindruckender Volkskunst und Kunsthandwerk aus ganz Mexiko.

Das sind einige Beispiele für unserer Konfrontation mit der Geschichte des indigenen, spanischen und – später - mexikanischen Volkes, aber auch über Lebenswille, Lebensgestaltung, Kreativität und Kunsthandwerk der Bevölkerung. 

Um uns weitere Ausführungen zu sparen empfehlen wir Literatur oder einen Besuch der Stadt. 

Wir verlassen nach ca. 6 Monaten dieses Land und nehmen jede Menge Eindrücke mit. Das Land ist gebeutelt. In den Bergen herrscht große Armut. Es gibt Teile des Landes, den man meiden sollte, denn dort gilt Selbstjustiz und Gewalt. Immer wieder werden Menschen ermordet – auch Touristen. Die überwiegende Zahl der Einheimischen sind interessiert und begegnen uns freundlich. 

Morgen spielen im Rahmen der Fußballweltmeisterschaft Deutschland und Mexiko gegeneinander. Das Spiel werden wir hier noch mitverfolgen und dann in den Flieger nach Hause steigen.

Wir sehen uns. ¡Nos vemos!

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Kommentare: 1
  • #1

    Detlev & Erika (Donnerstag, 28 Juni 2018)

    Hallo Ihr Lieben,
    danke, dass Ihr uns wieder mental an Eurer fantastischen Reise habt teilhaben lassen.
    Deine Texte, liebe Maria, lesen sich immer wieder sehr nachvollziehbar und Deine tollen Bilder, lieber Peter, sind einfach klasse.
    Willkommen zu Hause.

    Wir sind seit heute Nacht in Süd-Norwegen und werden hier die nächsten vier Wochen die Gegend erkunden.
    Herzliche Grüße
    Erika & detlev

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