Eindrücke aus der Region Chiapas

Unser nächstes Ziel ist Palenque im Bundesstaat Chiapas. Eingebettet im tropischen Regenwald liegen die angeblich schönsten Maya-Ruinen Südmexikos.

Kurz vor dem Parkeingang zu den Ruinen finden wir im Maya Bell einen Campground. So haben wir es morgens nicht weit in den Park. Wie erhofft sind wir mit die Ersten, die sich in die Mayastadt begeben.

Palenque stammt aus der klassischen Mayaperiode von 300 bis 900 n. Chr.. Seine Blütezeit erlebte dieses politische und religiöse Zentrum zwischen 650 und 750 n. Chr.. In der Zeit zwischen 750 und 900 n. Chr, lösten sich Mayastätten auf. Grund seien die politische Destabilisierung und langanhaltende ökologische Krisen. Palenque wurde um 810 von seinen Bewohnern verlassen. In der Folge verschlang der Urwald alles und überwucherte die Bauten mit Bäumen und Pflanzen. Erste Ausgrabungen fanden 1786 statt. Nach und nach zeigten sich die monumentalen Bauten in ihrer einzigartigen Schönheit.

Wir wandern durch die Anlage, erklimmen wieder hohe Stufen, haben schönes Licht für Fotos und genießen die anfängliche Ruhe um die Gebäude. Bald wird es ziemlich schwül-heiß.

Unser Reiseführer gibt detaillierte Angaben zu den einzelnen Teilen der Anlage, die wir uns gegenseitig vorlesen. So bekommen wir eine Ahnung vom früheren Leben der Mayavölker.

 

Für die Weiterfahrt am nächsten Tag entschließen wir uns nach einigem Hin und Her für die landschaftlich schöne Strecke an der guatemaltekischen Grenze (MEX 307). Sie führt zunächst in eine Hügellandschaft durch kleinere und größere Ortschaften. Nach ca. 100 km kommt eine der unter den Reisenden gefürchteten Straßensperren, diesmal mit einem Nagelbrett, das vors Auto gezogen wird. Rechts und links vom Auto stehen viele Einheimische. Wirkt alles ein bisschen bedrohlich. Die Männer fordern 100 Pesos „Kollaboration“ für die Weiterfahrt. Peter diskutiert, fühlt sich erpresst und wehrt ab, schließlich fahren wir auf einer Staatsstraße, die frei befahrbar ist. Das ist den Kollaborateuren egal. Nebenan steht das mexikanische Militär und sieht dem Treiben tatenlos zu. Es bleiben uns schließlich drei Möglichkeiten: Wir kehren um; wir fahren übers Nagelbrett; wir zahlen... Letztlich sind die Männer mit 20 Pesos (ca. 1 Euro) einverstanden und ziehen das Nagelbrett vorm Auto weg!

Dieser Vorfall verdirbt etwas die Freude am Fahren. Nicht so sehr wegen des Geldes, sondern der damit einhergehenden Bedrohung. Wir stehen unter Spannung und erwarten weitere Hindernisse, die aber nicht mehr eintreten.

Trotzdem gestaltet sich die Fahrt wegen der unzähligen topes anstrengend. Manche topes sind echt gemein: hoch, spitz, breit und holprig: Anfahren, Abbremsen, Hoppeln, Gas geben... Wer keinen erhöhten Radstand hat, reißt sich beim topes-Fahren leicht Unterseite des Autos auf. Da wir uns an der Grenze zu Guatemala bewegen, erleben wir einige Militär- und Polizeikontrollen, die wir ohne Probleme passieren.

Wir verlassen die MEX 307 und nehmen eine kleine Straße ins Landesinnere, am Rio Lacatún entlang, zu dem Ort Reforma Agraria mit Eco-Lodge La Guacamayas. Dort gibt es einen Stellplatz auf der Wiese, 2 Minuten von dem breiten Rio Lacatún entfernt. Die indigene Betreiberin begrüßt uns freundlich. Wir sind von der Fahrerei der letzten Stunden ziemlich geschafft (topes und schlechte Straßen) und verziehen uns rasch ins Womo – nicht zuletzt auch deshalb, weil uns Moskitos im Visier haben und ziemlich traktieren. Die Nacht ist gut – trotz der diversen Geräusche von freilaufenden Hühnern, Vögeln und Brüllaffen.

Momentan ist „Wasser“ angesagt. Morgens fahren wir weiter zu den Wasserfällen nach Las Nubes, wandern und bleiben zwei Tage an diesem schönen Ort.

 

Wir verlassen nun das tropische Tiefland. Bevor wir San Cristóbal erreichen besuchen wir den Parque Nacional Lagunas de Montebello: Er liegt auf 1500 m Höhe, ein überwiegend unberührter Gebirgsregenwald mit Eichen, Pinien, Farnen und Sträuchern und 52 größere und kleinere Seen. Sie entstanden durch Verkarstungsprozesse und schillern bei Sonnenschein in der schönsten Grün- und Blautönen. Wir bewegen uns vor allem an den Lagunas de Colores und wandern 2 Stunden in der Höhe um einen See herum. Abends finden wir auch einen sicheren Übernachtungsplatz direkt am See. Um uns verbringen einheimische Familien das Wochenende und suchen sich zur gemeinsamen, lebhaften Unterhaltung den Platz neben dem Womo aus. Zu später Stunde haben sich alle ausgequatscht und bewegen sich in ihre Cabañas.

 

 

Das nächste Ziel unserer Reise ist die Stadt San Cristóbal de las Casas. Sie hat ca. 250 000 Einwohner und liegt in einem Hochtal auf einer Höhe von 2100 m. Momentan sind die Nächte beißend kalt, wir benötigen unsere dicke Decke. Wenn die Sonne scheint, wird es angenehm warm.

Es gefällt uns gut in San Cristóbal. Wir genießen den Mix von kolonialer Vergangenheit und indigener Gegenwart. Am ersten Tag bekommen wir einen Überblick und freuen uns an den schönen Gebäuden, Kirchen, an den bunten Märkten, den kunstvoll bestickten Stoffe und Kleidungsstücke und an den Bernsteinen, die ich dort zur Schmuckherstellung kaufen kann...

Neben dem großen Platz (Zócalo genannt) steht die von 1528 erbaute Kathedrale Nuestra Señora da la Asunción, deren Pracht wegen eines Bauzaunes nicht ersichtlich ist, ebenso das wunderschöne Gebäude des Palacio Municipal. Das sind zwei von weiteren historischen Gebäuden die bei dem Erdbeben im September 2017 stark beschädigt wurden.

Mit Franziska und Hendrik verbringen wir ein Teil der vier Tage, gehen zusammen in verschiedene Musen, tauschen Reiseinformationen aus (wir reisen nach Norden, Franziska und Hendrik nach Süden), helfen gegenseitig bei Reparaturen der Autos (ebbes isch halt emmer) und bekommen Tipps und Tabletten, damit Magen-Darm-Irritationen überwunden werden.

Zapatisten in San Cristóbal

Im Jahr 1994 wurde die Weltöffentlichkeit auf die Zappatisten aufmerksam. Bewaffnete und maskierte Männer besetzten Rathäuser wie z.B. das in San Cristóbal und in umliegenden Dörfern.  Die Forderung war und ist leider immer noch: soziale Gerechtigkeit und kulturelle Autonomie der indigenen Bevölkerung. Von den Regierungstruppen wurden die besetzten Orte blutig zurück erobert. Ebenfalls 1994 begann ein Waffenstillstand. Langwierige Verhandlungen mit dem damaligen Präsidenten Salina führten zu keinem Ergebnis. Der überarbeitete Entwurf eines Inigena-Autonomiegesetzes durch den im Juli 2005 gewählten Präsidenten Fox konnte seitens der Zappatisten nicht akzeptiert werden, weil er zum Nachteil der Indigenas verändert wurde. Nun stagniert seit Jahren der Friedensprozess.

Der Anführer, Rafael Sebastián Guillėen, ist der Öffentlichkeit mit einer Sturmmaske vermummten Gesicht aber vor Allem durch seine kluge Nutzung der neuen Medien bekannt.

 

Bevor wir San Cristóbal verlassen, wird unser Wassertank mit sauberem, trinkbarem Wasser bei einem Aqua Purificada befüllt: 120 Liter für 50 Pesos, das sind ca. 2,50 €.

 

Land und Leute

Wir fahren nun weiter in Richtung Oaxaca das ca. 500 km entfernt ist. Auf dem Weg dorthin kommen wir durch die Berge der südlichen Sierra Madre, schrauben uns wieder einmal hoch und runter, über unzählige topes, die jetzt hier eher Reductor heißen. Die Landschaft wechselt in karges und fruchtbares Land. Es ist Frühling und die Blüten und Blätter treiben aus den Ästen. Tagsüber wird es heiß und nachts angenehm kühl.

In der Nähe der Hauptstadt Tuxtla legen wir einen Stopp im Parque Nacional Cañón del Sumidero und besichtigen diesen über eine spektakuläre Panoramastrasse. Durch die Schlucht des Cañon schlängelt sich  der Rio Grijalvaer in 1000 m Tiefe. Der Fluß ist erst seit 1960 in Gänze befahrbar ist. Im Jahr 1981 wurde am Ende der Schlucht ein Stausee errichtet der einer der größten in Mexiko sein soll.

 

Aufgrund eines Tips anderer Reisenden fahren wir zu einem nahe gelegenen Ort, den wir kaum aussprechen können: Ocozocoautia. Von dort geht es 11 km weiter über unbefestigte Straße an einen   Ort, in dem sich abends Papageien sammeln und morgens mit viel Getöse wieder ausfliegen. Das wollen wir erleben. Wir übernachten in der Nähe eines tiefen Kraters, der am Boden mit Bäumen bewachsen ist. Pünktlich  morgens bei Sonnenaufgang gilt es das Spektakel zu erleben. Der Wecker klingelt um 5:30 h. Die Papageien sitzen nicht nur auf dem Bäumen, sondern auch in den Felsspalten des tiefen „Lochs“.  Leider sind sie relativ klein und sehr grün, so dass sie zwischen den Bäumen nicht gut sichtbar sind. Dafür sind sie gut zu hören. Wir stehen also am Rande des Kraters und beobachten das Aktivwerden der Papageien. Sie fliegen meist in Gruppen los, was sich durch Rauschen ankündigt, drehen einige Runden im Krater und bewegen sich dabei immer mehr nach oben, bis sie über den Rand hinaus in den Himmel verschwinden. Schönes Spektakel. Irgendwann kehrt Ruhe ein; alle sind weg geflogen.

 

Auf unserem Weg zum Pazifik wird es sehr windig. An den Straßen sind entsprechende Schilder zur Warnung aufgestellt. Es gibt Kilometer um Kilometer Windradparks – tausende von Windrädern.

 

Wieder geht es bergan Richtung Oaxaca. Auffallend sind die vielen Agavenfelder. Aus der Agave (z.B. namens angustifolia) wir der Schnaps „Mezcal“ hergestellt wird. 'Es sei der Schnaps des „einfachen Mannes' (wo bleibt hier die Frau?), uriger und rauer als der Tequila. Wir stoppen in Matalán, der ernannten Hauptstadt des Mescals, und verkosten bei einer privaten Brennerei verschiedene junge oder länger gelagerte Mezcalschnäpse und kaufen 2 Flaschen. Der ganze Ort ist mit der Herstellung des Mezcals beschäftigt.

Der uns bekannte Tequila wird aus der Agave americana bezw. Agave tequilina weber hergestellt. Er ist herkunftsabhängig (Bundesstaat Jalisco), soll besonders erlesen sein und hat einen geschützten Markennamen, ähnlich wie beim Champagner. Wir werden uns überraschen lassen.

 

Es sind die Agavenherzen, die durch Zerkleinern, Kochen und Auspressen zur Maische und nach anschließender Gärung zu 40%igen Schnaps verarbeitet werden. Unter Hinzugabe von Früchten jedwelcher Art und/oder Milch werden verschiedene Liköre hergestellt.

Etwas benebelt von der Schnäpselei, bewegen wir uns weiter nach Hierve el Agua (kochendes Wasser). Wir schauen uns das Naturwunder eines versteinernden Wasserfalls mit seinen Sinterterassen an. Ähnliches gibt es wohl nur noch in der Türkei/Pamukale. Ein Brautpaar lässt sich in der landschaftlich schönen Gegend ablichten. Später treffen wir sie bei der Rundwanderung wieder und ich bin beeindruckt, wie die Braut in ihrem weiten und langen Brautkleid die Pfade meistert. Am Ende sitzt sie mit dem Bräutigam auf dem Rand eines Beckens, in dem gebadet werden kann. Sowohl das Kleid der Braut als auch die Anzugsbeine des Bräutigams hängen im Wasser. Ich nehme an, dass beide ihre Hochzeitsfeierlichkeiten schon hinter sich haben.

 

Wir bleiben zum Übernachten in dieser wunderschönen Gegend. Es pfeift der Wind, die Sonne scheint und die Aussicht auf die umliegende Berglandschaft ist grandios.

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Kommentare: 1
  • #1

    Li (Dienstag, 13 März 2018 17:36)

    Wunderbare Eindrücke sind das!! Wir sind so begeistert von Euren Worten und den Beschreibungen und den wunderbaren Fotos! Vielen Dank! So können wir Euch schön begleiten! - Hoffen es geht Euch gut. Hatten auf die WhatsApp nichts gehört und machen uns immer gleich Sorgen um Euch. Alles Liebe aus dem Remstal

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