Guatemala – bunte Märkte und traditionelle Kleidung der Mayafrauen

Nach dem Grenzübergang von Honduras nach Guatemala heißt das benötigte Geld Quetzales, wie der schöne bunte Vogel, den wir leider immer noch nicht zu Gesicht bekamen. Die Hauptstadt ist Guatemala-Stadt. Das Land hat 36 Vulkane und zwei Gebirgsketten die es überqueren. Unter Guatemala stoßen drei tektonische Platten aufeinander, was immer wieder Erdbeben und Vulkanausbrüche verursacht. Wir reisen relativ problemlos, wenn auch zeitaufwendig in Guatemala ein. Auch diesmal benötigen wir keine KFZ-Versicherung. Allerdings bekommen wir zur Identifizierung des Autos einen Kleber auf die Windschutzscheibe.

 

 

Ich stelle mir Guatemala bunt vor: bunte Kleidung, bunte Gebäude, bunte Märkte. So sehen unsere ersten Kilometer Richtung Guatemala-City erst mal nicht aus. Und es ist heiß. Wir kommen zunächst gut auf einer anständigen Straße voran, als es aber in die Berge geht, hängen die Autos fest, ein relativ langer Stillstand. Ich knete nebenher schon mal die Hefe in den Brotteig.

Es sind viele Straßenverkäuferinnen und Straßenverkäufer unterwegs. Sie bieten hartnäckig ihre Waren an. Wir wollen nichts kaufen und lehnen lange höflich ab, sind aber irgendwann genervt.

Es stellt sich die Frage, was da wohl den Stau verursacht hat? Baustelle? Die Straße ist eigentlich eine kilometerlange Baustelle. Unfall? Es sind schon mehrere Ambulanzwagen und Polizeiautos an der Schlange vorbei gefahren. Irgendwann ist uns klar, dass wir es heute nicht mehr nach Guatemala-Stadt und auch nicht nach Antigua, die ehemalige Hauptstadt von Guatemala schaffen. Wir fragen unterwegs bei einer großen Tankstelle, ob wir übernachten dürfen. Wir dürfen – und es wird uns weit hinten ein Platz zugewiesen, auf dem wir in Ruhe und unter Bewachung der Security schlafen können.

Am Donnerstag streifen wir die riesige Stadt Guatemala-City, fahren aber weiter nach Antigua.

Antigua ist eine im Kolonialstil erbaute Stadt, umgeben von drei Vulkanen, dem Acatenango (3975 m), dem Fuego  (3763 m) und dem Vulcán de Aqua (3759). Sie bilden eine beeindruckende Kulisse.

Antigua diente 233 Jahre als Hauptstadt. Im Juli 1773 wurde die Stadt von einem Erdbeben völlig zerstört, so dass der Regierungssitz 1776 nach Guatemala-Stadt verlegt wurde. Antiqua wurde allmählich wieder aufgebaut, wobei versucht wurde, ihren ursprünglichen Charakter zu erhalten. Die meisten Gebäude Antiguas entstanden im 17. und 18. Jahrhundert, in der Hochzeit des Katholizismus. 1979 wurde sie Teil des Unesco-Weltkulturerbes.

In Antigua angekommen, parken wir auf dem „Policia de Turismo Camping“, einer große Wiese, die unmittelbar an der historischen Altstadt liegt. Von dort aus erlaufen wir uns drei Tage die Stadt.

Neben der Vielzahl von Kirchen und öffentlichen Gebäuden, bewundern wir die zahllosen bunten und glänzenden Busse, die die Bevölkerung von A nach B bringen. Eigentlich sind es Dreckschleudern. Das kann man an den   dunklen Abgaswolken sehen und riechen. Die USA hat ihre alten Busse entsorgt, indem sie diese in die „ärmeren“ Länder verschoben hat. Auch eine Form zur Erreichung der Klimaziele. Aber kehren wir besser mal vor der eigenen Haustür. Zur Erinnerung Peter’s RoRo Schiff war voll mit Altwagen aus Europa für Afrika!

Wir sind auf dem Markt und feilschen um unsere ersten bunten Decken; kaufen herrlich frisches Obst und Gemüse, kochen und essen gut.

Auf dem Platz der Polizei stehen andere Overlander (Frankreich, Kanada), mit denen Austausch über wohin und woher betrieben wird.

Samstag ist besonders viel in der Stadt los. Straßen werden zum  Promenieren gesperrt. Überall gibt es etwas zum Essen und Kaufen. Aus mehreren Kirchen kommen Brautpaare; in der Kirche San Pedro nehmen wir teilweise an einem Traugottesdienst teil. Bei einem unserer Streifzüge kommen wir an einem Museum vorbei, in dem verschiedene -regional unterschiedliche- Bekleidungsstücke der Mayas ausgestellt sind. Wir erfahren, dass sich Indigene zu einer Kooperative zusammengeschlossen haben und neben der Betreibung des Museum’s Decken und Kleidungsstücke aus eigener Herstellung verkaufen. Das erwirtschaftete Geld wird unter den Familien aufgeteilt. Wir nehmen uns Zeit und sehen zu, wie die komplizierten Muster der Stoffe gewoben werden. Peter und ich sind begeistert und so kaufen wir zwei schöne Stücke für den Tisch, aber auch Kaffee und Kakao für Zuhause.

 

Wir hatten schöne Tage, sind entspannt, die Nächte kühl, die Tage sonnig, die Wäsche sauber, so dass wir uns zum nächsten Ziel, dem Lago de Atitlán, der auf 1562 m hoch liegt, aufmachen.

Wir fahren durch das Hochland. Die Hügel sind mit sattem Gras und blühenden Wiesenblumen bedeckt. Wir sehen Kiefernwälder, riesige Flächen mit Mais, vielfältiger Gemüseanbau und wieder einmal (die Fildern rufen) Felder mit Krautköpfen. Im ländlichen Hochland lebt vorwiegend die indigene Bevölkerung. Ihre Leben wirkt einfach. Es wird Hand Made angebaut, geerntet, verkauft an allen Ecken, bevorzugt auf den vielen Märkten; ebenso Mahlzeiten, vorzugsweise Tortillas, aber auch Reis mit Bohnen, Huhn oder Fleisch oder Fisch, gekocht und verkauft an jedem Straßenrand.

Vor allem die wunderschönen Trachten der Frauen sind es, die Guatemala so bunt und fröhlich erscheinen lassen.

Maya-Frauen fertigen kunstvolle Webarbeiten mit wunderschönen Stickereien an. Vor allem die Mädchen und Frauen tragen selbst schöne bunte Trachten. Anhand der Stoffe kann erkannt werden, in welcher Region die Menschen leben und zu welcher Volksgruppe sie gehören.

Zum Lago de Atitlán. Er ist von drei Vulkanen umgeben: den eng beieinanderstehenden Vulkan Atitlán und Tolimán und dem Vulkan San Pedro. Letzteren haben wir von unserem Stellplatz aus direkt im Blick. Wir stehen auf der gegenüberliegenden Seite des Sees in Panajachel. Dieser Ort ist eindeutig touristisch. Lt. Reiseführer haben „Ladinos und Gringos  den Tourismus  fest im Griff“. Die indigene Bevölkerung der umliegenden Ortschaften verkaufen hier ihre Produkte.

Nach zwei Tagen geht es weiter nach Norden, wir haben noch vier Wochen Zeit. Zuvor telefonieren wir morgens um 7 Uhr (!!!; in Deutschland ist es 14 h) mit unserer Enkeltochter, die heute 3 Jahre alt wird. Sie erwartet um 15 h ihre Gäste und ist deswegen sehr aufgeregt. Wir freuen uns, dass wir die Familie per Skype sehen und sprechen können. Und das Internet hat diesmal mitgemacht!

Die Straßen sind eng, kurvenreich und es geht hoch und runter, zeitweise mit 400-500 m Höhenunterschied. Der Tag wird anstrengend und langwierig, denn wir erleben wirklich schlechte Straßen, mit tiefen Löchern und Rillen. Hinzu kommen hohe Schwellen aus Beton oder Steinen, die hier Tumulos genannt werden und häufig ohne Vorwarnung auftauchen. Gegen Abend sind sie durch die veränderten Lichtbedingungen vorab kaum zu erkennen. So holpern wir stundenlang vor uns hin. Im Womo fliegen Sachen umher, in den Schränken und aus den Regalen; wir suchen einige Zeit die Pfeffermühle.

Und wieder schaffen wir unser – für diesen Tag geplantes - Reiseziel nicht und übernachten hinter einer Tanke. Aber was soll’s.

Morgens beginnen wir optimistisch den Tag. Schlimmer können die Straßen nicht werden. Der Weg bis Lanquin ist weit. Die Straßen sind nicht ganz so schlimm, aber fast!!! Gegen Abend gelangen wir zu den Grutas de Lanquin. Das ist unser heutiges Ziel.

Der Weg in die Höhle führt an einem wunderschönen tiefgrünen Fluss und Wasserfall vorbei. Wir gehen mit Taschenlampen in die stockdunkle Höhle mit letztendlich hohen Räumen. Wir sehen vielerlei Stalakitenformationen, deren Bedeutung der hinzukommende Einheimische erklärt. Gegen Abend verlassen große Schwärme von Fledermäusen die Höhle. Das ist ein super Schauspiel. Wobei ich überrascht bin, dass die Fledermäuse so klein sind. 

Wir übernachten auf dem Parkplatz vor der Höhle. Am Morgen bei einem Kontrollgang ums Auto stellt Peter fest, dass einer der hinteren Zwillingsreifen die Luft ablässt. Dort hatten wir vor einigen Tagen zuvor einen fest dazwischen steckenden Stein entfernen müssen. Peter vermutet, dass der Reifen dort einen Schaden erlitten hat. Also suchen wir uns in Lanquin einen Mechaniker und finden ein „Multi Servicios de Pinchazo, Bulcanizado y Soldadura Mechanica en General“. Das klingt doch gut. Es ist eine Bretterbude an der Hauptstraße. Vorne die Werkstatt, hinten wohnt die Familie. Wir stehen mitten auf der Straße, die steil nach unten führt. Der Reifen muss abmontiert werden. Allerdings funktioniert der Wagenheber des Mechanikers nicht, so dass Peter seinen eigenen, samt dem dazu gehörigen Werkzeug auspackt. Wir befürchten, dass das 5 Tonnen schwere Fahrzeug bei dieser Aktion den Berg runter rollt. Diese Befürchtung teilt der Mechaniker nicht. Er schiebt zur Sicherheit (oder um uns zu beruhigen) einen Stein unter das rechte Vorderrad. Peter kontrolliert nochmals die Handbremse und bittet mich auf den Fahrersitz des Autos. Ich soll sofort den Motor anschalten und bremsen, falls sich das Auto bewegt. Ich konzentriere mich auf diese Aufgabe. Nachdem der Reifen demontiert ist und das Auto immer noch am Platz bleibt, tritt Entspannung ein. Nach Überprüfung des Reifens wird ein kleiner Riss an der inneren Flanke gefunden und innen und außen geklebt. Das geschieht mit ungewöhnlichen Gerätschaften, sieht aber gut aus. Wir haben den Eindruck, dass die Reparatur sorgfältig durchgeführt wird.

Derweil pulsiert um uns das Leben der Einheimischen. Wir werden ausführlich bestaunt und immer wieder befragt: Woher, wohin, wie finden wir ihr Land... Gegen Mittag ist die Reparatur beendet und wir ziehen weiter.

Das Wetter ist schlecht, so dass wir uns zum Weiterfahren Richtung Flores entschließen. Wir wollen das Auto, die Reifen und uns schonen, nicht so sehr hoppeln und entscheiden uns für die auf der Karte ROT ausgewiesene Nationalstraße 5 Richtung Antonio La Cuevas, um dann weiter nach Norden zu düsen.

Doch es ist einem Albtraum ähnliche Straßen. Obwohl uns bestätigt wird, „ si, si, asfalto“, ist nach kurzer Zeit davon nichts mehr zu sehen. Eigentlich ist gar keine Straße mehr vorhanden. Jeder Feldweg zuhause wäre eine Autobahn. Wir brauchen für 25 km 4 Stunden!!!! Für mich - und Peter als Fahrer Oberstress. Es geht über nasse, rutschige Steinstrecken, Schlammpisten und durch Strauchwerk den Berg hoch und runter. Hier ist der 4x4 ein Geschenk. Und wir schaukeln, hopsen und rutschen den Weg, die Straße – oder was immer das ist - vier Stunden entlang. Das Auto röhrt und keucht und macht einen Spektakel, dass in den entlegensten Stellen Leute herbeieilen, um zu kucken. Und sie haben was zum Kucken! Unterwegs versichert sich Peter mehrmals, ob die Straße auch wirklich zum Ziel führt, was uns jedes Mal bestätigt wird. Und für die Einheimischen ist der Zustand der Straße normal. Allerdings begegnen wir auch so gut wie Niemanden, außer anderen verrückten Overlander und Motorradfahrer. Mit uns quält sich allerdings auch ein 5 Tonner durch die Gegend.

Plötzlich ist der Spuk vorbei... ‚asfalto’ beginnt. Doch wir hören erst mal ein bekanntes dumpfes Geräusch: schon wieder steckt ein Stein zwischen den Zwillingsreifen fest! OK: Luft ablassen, Reifen lockern, Stein entfernen, Reifen wieder befestigen und Luft reinblasen. Klingt einfach, dauert aber eine ½ h und ist anstrengend. Peter liegt dabei im Dreck an der Straßenseite und macht das. Zwischenzeitlich habe ich den Auftrag, die anderen Reifen weiter aufzupumpen, damit wir auf dem Asphalt schneller vorwärts kommen. Und wir erreichen vor dem Dunkelwerden die Tanke in Raxhujá und bekommen dort von dem Chef einen angenehmen Platz zum Übernachten zugewiesen.

Morgens wird das Auto abgespritzt! Peter steht auf dem Dach und holt den Dreck runter, der Tankstellenmitarbeiter reinigt rundum und will anschließend keine finanzielle Entschädigung. Das lassen wir nicht zu, schließlich durften wir schon kostenlos übernachten.

Mit sauberem Auto und wohlgemut reisen wir auf Asphalt weiter bis nach Flores, einer mit einem Damm dem Festland verbundenen Insel im Lago Petén Itzá. Wir erwandern das kleine, aber touristisch sehr ausgebaute Städtchen, lassen unsere Wäsche waschen und verziehen uns dann zum Schlafen auf das ruhigere Festland.

Am nächsten Tag erreichen wir Tikal, das Herz der Mayakultur. Wir parken auf dem Campingplatz vor dem Eingang und können so morgens um 6 h direkt in den Park gehen. Noch früher am Morgen hören wir den an- und abschwellenden Gesang der Brüllaffen. Nur wenige Besucher betreten mit uns den Park und so wandern wir in völliger Stille zu den kunstvollen und imposanten Bauwerken der Mayas, die sich in verschiedenen Stadien der Restaurierung befinden.

Seit Jahrtausende besiedelt das indianische Volk das Hochland des nördlichen Mittelamerika, die tropischen Regenwälder des Petén und die Halbinsel Yucatán, die wir ja noch besuchen werden. Etwa 9 Mio. Maya leben heute in 5 Bundesstaaten im Süden Mexikos, nahezu in ganz Guatemala, in Belize und in kleinen Gruppen im Westen von El Salvador und Honduras. Wir finden Zeugnisse der großartigen Kultur in vielen archäologischen Stätten: verwinkelte Paläste, riesige Tempel und Pyramiden, kunstvoll gestaltete Stelen, schönen Jadeschmuck, Malereien und Keramiken.

In Tikal haben sich die Maya um 700 v. Chr. niedergelassen. Wir sehen steilwandige Tempel, von denen einige über 6o m hoch sind. Sie recken sich über das grüne Urwalddach. Darin leben Brüllaffen, andere Affen, Papageien, Tukane und weitere Vögel, Schlangen, Nasenbären usw... Zumindest haben wir die aufgezählten Tiere gesehen.

 

Die Herstellung der Mayastätten ist voll im Gange. Nach und nach werden überall Pyramiden, Plätze, Häuser von dem jahrzehntelangen Wachstum der Bäume und Kletterpflanzen frei gelegt.

Das erleben wir auch in Yaxhá. Wir befinden uns hier seit 2 Tagen, wandern durch die sehr viel kleinere Mayawelt als die in Tikal und genießen die Ruhe und den Womoplatz am See, den wir für uns alleine haben. Ab und zu taucht zwar schon mal ein Krokodil (3m) auf und versucht einen Kormoran zu erwischen, aber wir stehen wohl nicht auf seiner Speisekarte.

 

 

Damit findet unser Aufenthalt in Guatemala ein Ende. Morgen fahren wir weiter nach Belize. 

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Kommentare: 2
  • #1

    detlev (Dienstag, 12 Dezember 2017 23:58)

    Hallo Ihr Lieben,
    wir sitzen wieder zu Hause und „studieren“ begeistert Eure Reiseberichte, d.h. Erika liest im iPad den Text vor und ich gebe bei Google die Orte ein. StreetView macht dann das Mitreisen noch anschaulicher. Danke, dass Ihr uns mitnehmt. Wir wünschen Euch weiterhin eine tolle Reise und viele schöne Erlebnisse.
    Herzliche Grüße aus dem naßkalten Berlin / Brandenburg
    Erika & detlev

  • #2

    Andre Jaeger (Mittwoch, 13 Dezember 2017 12:12)

    Hallo ihr zwei. Klingt so als ob Guatemala auch was für mich wäre. Mal schauen ob ich das nicht mal in 6-8 Wochen mit Nicaragua kombinieren kann. Danke für euren tollen Blog und die schönen Bilder. Leider gehts euch wie mir damals, viele lesen den Blog aber wenige schreiben einen Kommentar und ich weis von mir selber das der Autor sich sehr über Kommentare freut denn das bestätigt eine gute Arbeit beim Schreiben. Also liebe Leser, lasst mal einen Kommentar hier!!! Gruß André

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