Nicaragua - kurz und intensiv

Es ist Freitag, der 10. November 2017 und wir sind nach einem etwas zeitraubenden und aufwendigen Einreiseverfahren für das Womo in Nicaragua angekommen. Die Währung heißt jetzt Córdobas und nicht mehr Colones (Costa Rica); Dollares gehen immer. Unser Ziel ist die im Kolonialstil angelegte Stadt Granada mit ca. 123 000 Einwohner. Es soll eine schöne und interessante Stadt sein.

Der Weg dorthin führt über ein gutes Straßennetz mit breiten Grünstreifen rechts und links. Die Spitze des Vulkan Concepción (1610 m) ist mit Rauch und Dampf bedeckt. Irgendwann geraten wir in eine Demonstration der FSLN (Frente Sandinista de Liberacion National; übersetzt: Die sandinistische nationale Befreiungsfront). Mit Fahnen auf Mopeds, Fahrrädern, Pickups und Lastwagen feiern die Menschen ihre politische Einstellung. Und wir mittendrin – ¡Venceremos!

    

Vielleicht weil es Freitag ist, zünden die Nicaraguaner ihre Feuer an. Sie verbrennen Laub und Müll vor quasi jedem Haus und es liegt ein Lagerfeuergeruch über Allem. Je dichter die Bevölkerung, umso dichter der Rauch. So haben alle ihren kleinen, eigenen Vulkan im Vorgarten!

Wir sind zwei Tage in Granada und übernachten auf dem Parkplatz des Roten Kreuz Nicaragua für 3 Dollar pro Nacht. Der Weg in die schöne Altstadt ist sehr nahe, so dass wir zu allen Tageszeiten bummelnd durch die historische City wandern. Die Menschen sind zu Fuß, per Rad, mit  Pferdefuhrwerken – und natürlich auch mit Autos unterwegs. Es sind auffallend viele Pferdefuhrwerke unterwegs, nicht nur zum Vergnügen der Touristen, sondern auch für die alltägliche Arbeit im Freien und als Transportmittel für die Familie. Der Kolonialstil der Stadt ist gut erhalten, es gibt wunderbare Plätze und Kirchen, so dass wir viel fotografieren.

 

Ein Erlebnis ist der nächtliche Besuch des Vulcans Masaya, der aktiv im Krater vor sich hin spuckt. In der Dunkelheit sind die brodelnden Lavamassen gut zu sehen. Schon ein bisschen unheimlich.

An der Pazifikseite Nicaraguas gibt es ca. 15 Vulkane, von denen 8 als AKTIV bezeichnet werden. Ich bewundere Menschen, die trotz dieser unmittelbaren Gefahr durch die Vulkane, hier leben. Aber das ist in all den Länder so, die auf dem „Feuergürtel“ Amerikas liegen.

 

Es ist sehr heiß, morgens um 9:00 h schon 30 Grad. So gut wie kein Regen mehr. Die Zeit der Schwüle liegt momentan hinter uns. Allerdings bewegen wir uns auch im Flachland Nicaraguas. Am Wasser (Nicaraguasee, Managuasee, zuletzt Pazifik) ist die Hitze gut erträglich, denn es geht immer etwas Wind und ggfls. können wir uns in dem warmen (!!) Wasser etwas abkühlen. Aber das auch nur bedingt, denn im Reiseführer steht, dass die zwei zuvor aufgelisteten Seen sehr verschmutzt sind.

Wir sind nun den zweiten Tag am Meer, in Las Penitas, in der Nähe von León, die Stadt des Aufstandes, der Revolution. Verglichen mit Granada (hier soll das konservative Lager sein) wirkt sie etwas heruntergekommen, rau, bescheidener und weniger betucht. Allerdings ist das historische Zentrum genau so schön. Vor der „Catedral de Leòn“ ziehen Schwärme von Tauben ihre Runden. Das ist wirklich sonderbar, wie sie unentwegt über den Platz der Kathedrale kreisen. Das Dach ist begehbar, allerdings ohne Schuhe und die Kuppeln dürfen nicht betreten werden. Die Aussicht über die Stadt ist von allen Seiten beeindruckend.

Wir schlendern durch die Straßen und finden ein französisches Café, in dem wir einen Milchkaffee mit Croissant genießen.

Unsere Reise geht weiter in die Berge Richtung Matagalpa. Dort ist das Wetter angenehm kühl. Wir dödeln dem Navi nach die Straße entlang und schrecken auf, als wir an der Seite ein quadratisches (wie könnte es anders sein) Schild von Ritter Sport sehen. Wer Ritter Sport Fan ist weiß, dass Kakao für die Schokotafeln auch aus Nicaragua kommt. Wir halten an! Peter klingelt. Ein Wachmann mit Ritter-Sport-Schildmütze und dicker Knarre öffnet einen Spalt breit das Tor. Peter berichtet, wo wir her kommen und dass wir unbedingt die Produktion sehen wollen. Dem kann der arme Wachmann nicht nachkommen. Er will den Chef in Managua anrufen. Nach einer Wartezeit von einer ¼ h kommt er, um zu berichten, dass der Chef nicht zu erreichen ist. Wir schenken ihm trotzdem unsere mitgeführte Ritter Sport Stofftasche und machen uns weiter auf den Weg.

Unser Ziel ist die Finca - Ecohotel Aquas del Arenal. Wir kommen ins Paradies. Eine blühende, gepflegte und grüne Oase, die sich Jürgen (ehemals aus Nürnberg) und seine einheimische Frau Anabel geschaffen haben. Sie bieten Unterbringung in schönen Cabañas an; wir stehen mit dem Womo auf einem Parkplatz. Drum herum Kaffeebohnen. Die gesamte Gegend ist mit der Kaffeeherstellung beschäftigt. Kaffeepflanzen soweit das Auge reicht. Unterwegs sehen wir große Flächen, auf denen die Kaffeebohnen getrocknet werden.

Wir bleiben 2 Tage bei Jürgen und Anabel und führen Gespräche über die politische Situation Nicaraguas, den Kaffeeanbau und der Kaffeeherstellung. Dabei schauen wir in das offenen Feuer des Kamins, in dem Jürgen in einer großen Keramikschale duftende Kaffeebohnen röstet. Wir hatten eine schöne Zeit auf der Finca.

Unsere Reise geht weiter Richtung Somoto. Dort gibt es in der Nähe einen riesigen Canyon, eine der ältesten Felsformationen Zentralamerikas, die sich über zehn Kilometer hinzieht. Eine private Kooperative, Menschen die entlang des Canyons leben, bieten jede Menge sportlicher Aktivitäten an. Wir sind zufrieden, dass wir direkt am Fluss das Womo parken können. Irgendwie sind wir beide angeschlagen und nachdem ich mir im Durchgang zwischen Auto und Kabine den Kopf an der Kante deftig angeschlagen habe, hilft nur noch Ibu und Hinlegen. Abends gehen wir zum nächsten Haus und bekommen dort ein typisches Abendessen: Maisfladen, Bohnenmus mit Reis, gebratene Bananenscheiben, ein Stück hausgemachten Käse und Salsa. Der 5 jährige Sohn Elias verkürzt die Wartezeit auf das Essen, indem er uns sämtliche Plüschtiere und weiteres Spielzeug vorführt. Morgens durchwaten wir bereits um 7:00 h den Fluss, um dem Canyon entgegenzulaufen. Am Ende angelangt, geht es nur mit dem Boot weiter. Darauf verzichten wir, denn wir wollen heute noch weiter an die Grenze Honduras und dort einreisen.

 

Ich sollte an dieser Stelle sagen, dass wir relativ gradlinig von Nicaragua nach Honduras, Guatemala und Belize reisen, um Ende Dezember 2017 in Canćun /Mexico zu sein. Denn wir werden im Januar 2018 unsere Reise aus familiären Gründen unterbrechen, um dann weiter Anfang Februar Mexiko zu bereisen.

 

Eigentlich hatte ich gehofft, dass ich meine Freundin aus Kindertagen, die schwer erkrankt ist, im Januar besuchen kann. Leider hat sie am 07.11.2017 den Kampf gegen die Krankheit verloren. Ich bin in Trauer und sie fehlt mir unendlich. Sie hatte unsere Reise intensiv begleitet und mit ihrem Gau-Algesheimer Witz kommentiert. Außerdem versorgte sie  uns mit Aktuellem aus Deutschland, sei es über Wahlen, Prominente, Bekannte, die Määnzer Fassenacht....

 

Meine Anteilnahme gilt ihrer Familie. Ich vermisse ihre regelmäßigen WhatsApp, die mich bis zum 27.10. erreicht haben. In der Letzten hat sie mir mitgeteilt, dass sie auf der „Zielgeraden“ sei.

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Kommentare: 1
  • #1

    Andre Jaeger (Mittwoch, 13 Dezember 2017 11:52)

    Hallo ihr zwei. Tut mir leid das von deiner Freundin zu lesen.
    Wie hat euch Nicaragua im Vergleich zu Costa Rica gefallen. Könntet ihr nur eins der beiden Ländern bereisen, für welches würdet ihr euch nach euren Erfahrung entscheiden. Ich plane sehr mir Nicaragua anzusehen, da ursprünglicher und günstiger. Hoffe wir sehen uns im Sommer und ihr könnt berichten und noch ein paar Fotos mehr zeigen. Ich plane für März mit einer Freundin eine Woche Island und im November gehts für 3 Wochen nach Südafrika. Alles dazwischen ist noch offen aber da finden sich sicher noch 1-2 nette Ziele. Wünsche euch eine schöne Vorweihnachtszeit und schon mal tolle Feiertage ...
    LG aus Hamburg, André

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