Kolumbien V

Unsere Weiterfahrt Richtung Norden/Cartagena führt uns in die Berge, die Carrera 62 entlang. Durch das Hoch und Runter und diversen Baustellen kommen wir nur langsam voran. Um 18:00 h ist es hier dunkel, so dass wir uns ab 17:00 h nach einem Übernachtungsplatz umsehen. Die Straße ist eng, rechts sind hohe Berge, links geht es direkt in Täler. Einige Häuser sehen aus, als wären sie an den Berg geklebt. Es gibt keine freien Stellflächen. Schließlich sehen wir einen Platz vor einem geschlossenen Restaurant. Daneben, vor einem Haus, sitzt ein Mann den Peter fragt ob wir hier übernachten können, was er bejaht. In der Nacht stellen sich immer wieder LKWs neben uns, um den Motor abkühlen zu lassen und selbst zu schlafen.

 

Am Morgen nach unruhiger Nacht geht es weiter nach Necocli, das am Meer liegt. Wir sind anfangs im Regenwald vor dem Darien Cap, der Landenge zwischen Süd- und Mittelamerika. Das Klima ist feucht und heiß. Überall Nässe; die Straßen sind aufgeweicht bzw. überschwemmt, die Flächen um die Hütten und Häuser voller Pfützen. Es gibt Gegenden, in denen Hütten mit der allgegenwärtigen grünen Plane bestückt sind; sie bilden – soweit es möglich ist - das Dach und die Wände zum Schutz vor Regen, Sonne und Wind. Der Unterbau der Hütten besteht meist aus einer Holzplattform, die auf Stelzen steht und eben einer Plane. Die Familien leben auf diesen Plattformen. Man kann diverse Hängematten erkennen. Ich bin erneut davon betroffen, in welchem Elend und Dreck Leute leben.

Die Häuser sind von der hiesigen, nassen Witterung sehr in Mitleidenschaft gezogen. Sie sehen schon von außen sehr feucht aus, so dass man sich gut vorstellen kann, wie es innen schimmelt.

Die Landschaft ist grün und üppig, trophisch. Es gibt kilometerlangen Anbau von Bananenplantagen. Bananen werden z.Zt. geerntet; deshalb kommen uns immer wieder kommen Laster mit hoch aufgetürmten Bananenstauden entgegen. Es fällt uns schwer zu unterscheiden, ob es sich um Kochbananen (Platanos) oder essbaren Bananen (Bananas) wie wir sie kennen, handelt.

Wir übernachten am Meer, am Rande des Ortes Necocli. Einheimische besuchen uns und versichern ungefragt, dass wir uns hier „sicher“ fühlen können.

Wir kommen zum 2. Mal nach Cartagena und stellen uns wie zuvor im Hof des Hotels Bella Vista ab. Ich backe erst mal wieder ein Brot. Peter fügt das Rezept zu den Bildern ein. Danke Ilka! Wir genießen es immer wieder.

Am nächsten Tag beginnen wir mit dem Prozedere der Verschiffung des Autos. Die Wege im Einzelnen zu beschreiben ist für Außenstehende nicht interessant und wie für uns kaum nachzuvollziehen, deshalb erspare ich mir diese Details.

Nach Tagen der Vorbereitung kommen wir an den Hafen um zu erfahren, dass das Schiff erst 14 Tage später fahren soll. Uns fehlen die Worte ... alles ist organsiert: Hostel gebucht, Flug nach Panamá City ... und jetzt das? Sollen wir weitere 14 Tage in der brütenden Hitze warten? Das heißt auch, dass der Flug verfällt und eine neuer gebucht werden müsste...

Mit uns sind zwei argentinische junge Männer (Lucas und Federico) genauso geschockt. Sie wollen mit dem gleichen Schiff und ihrem abenteuerlichen Wohnmobil nach Mexiko/Veracruz verschiffen.

Bevor Peter und ich über das Abbrechen der Reise nach Mittelamerika weiter nachdenken, fahren wir zu viert in die Stadt in das Agenturbüro über das die Verschiffung läuft. Dort ist den Mitarbeitern nicht bekannt, dass das anvisierte Schiff ausbleiben soll. Jede Menge Palaver und Anrufe. Dann wird uns gesagt, dass die Info am Hafen falsch war und das Schiff erwartungsgemäß kommt! Also alle ins Taxi und zurück zum Hafen. Das Ganze nimmt weiter tagelang seinen Fortgang. Am Freitag, den 06.10.17 morgens um 8:00 h wird das Wohnmobil im Hafen abgegeben. Das Hafengelände darf nur der Fahrzeughalter betreten. Das bedeutet für mich, dass ich wieder einmal stundenlang irgendwo herumsitze. Wir haben unser Gepäck für ca. 14 Tage dabei, um für Verzögerungen gerichtet zu sein. Damit ziehen wir ins Hostel Media Luna, mittendrin in den sehr lebhaften Stadtteil Getsemani unters Jungvolk. Wir bekommen eins  der wenigen Doppelzimmer und dafür bin ich sehr dankbar. Ich habe kein Bock mit ständig wechselnden jungen Leuten in einem 8 oder 10 Bettzimmer zu schlafen. Irgendwann erfahren wir, dass wir in einem „Partyhostel“ sind. Tagsüber und bis in die Nacht laut und viel Musik.

Insgesamt fühlen wir uns wohl, alle sind freundlich und in der dritten Nacht haben wir auch eine angenehme Kühlung beim Schlafen. Die erste Nacht verbringen wir unter einem riesigen Propeller, der uns schier die Decke wegbläst. In Gedanken werde ich krank und meine Fantasien reichen über Halsentzündung bis hin zur Lungenentzündung. Ohne Lüftung zerfließen wir. Für die 2. Nacht fragen wir nach einer Steuerung für die auch vorhandene Klimaanlage. Aber, es gibt nur eine Steuerung für das ganze Haus. Freundlicherweise wird uns das Gerät auf 20 Grad eingestellt und wir frieren erbärmlich. Mitten in der Nacht lassen wir die Temperatur auf 26 Grad einstellen. Besser, aber wir ziehen unsere Regenjacken über, so dass wir etwas gewärmt schlafen können. Vor der dritten Nacht geschieht das Wunder, ein Mitarbeiter des Hostels (deutschsprechend, in Köln studiert) gibt uns eine eigene Steuerung, so dass wir nachts die Temperatur regeln können und schlafen herrlich.

Wenn wir keine Termine haben und es uns nicht zu heiß ist, bummeln wir durch den wunderschönen Altstadtkern der Stadt Cartagena. Wir fühlen uns hier inzwischen heimisch, denn wir kennen viele Orte, die wir größtenteils mit Norman im März diese Jahres erlaufen haben. Diesmal allerdings haben wir das „casa cultural colombo-alemana“ entdeckt und festgestellt, dass wir das Oktoberfest in Cartagena knapp verpasst haben.

 

Morgen (Dienstag) hat Peter um 8:00 h einen Termin im Hafen für die Drogenkontrolle, am Mittwoch fährt das Schiff Richtung Panama, am Donnerstag fliegen wir nach Panama und wir hoffen, dass wir das Womo am Freitag am Hafen von Manzanillo  (Colón) abholen können.

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