Neustart Ecuador/Kolumbien IV

Liebe Mitreisende wir eröffnen endlich den Blog zu unserem 3. Reiseabschnitt:

Am 07.09.2017 war Abflug von Frankfurt a.M. nach Quito/Ecuador

Hans von der Finca Sommerwind holt uns mitten in der Nacht ab und bringt uns 127 km weiter nördlich nach Ibarra zur Finca Sommerwind, wo unser Auto seit April geparkt ist. Wir kommen gegen drei Uhr morgens an und fallen todmüde ins Womobett. Morgens freuen wir uns bekannte Gesichter anderer Reisenden zu sehen.

 

Dann geht es an die Arbeit: das Womo wird gereinigt, Teile werden repariert, erneuert oder ausgetauscht. Wir sind mit vier Taschen angereist  die größtenteils Ersatzteile für Auto und Wohnmobil beinhalten. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass wir acht Tage mit der Rundumpflege des Wohnmobils beschäftigt sind, wobei Peter mit seinem handwerklichen Geschick den intensiveren Teil abdeckt. Daneben genießen wir den Service der Finca und die Gespräche mit anderen Reisenden beim abendlichen Grillen oder selbstgemachter Pizza.

 

Obwohl wir uns auf der Finca Sommerwind sehr wohl fühlen, reisen wir am 17. September ab. Wir wollen weiter Richtung Nord, verlassen Ecuador und bewegen uns langsam auf die Karibikküste Kolumbiens zu. Leider wird nichts aus unserem Vorhaben, Freunde in Bogota zu besuchen. Wir möchten kein Risiko eingehen und genug Zeit haben um rechtzeitig in Cartagena anzukommen. Ziel ist es, am 11. Oktober das Wohnmobil von Cartagena/Kolumbien nach Manzanillo/Panama zu verschiffen. Es gibt keinen Landweg zwischen Kolumbien und Panama, also um von Südamerika nach Mittelamerika zu kommen. Alles Dschungel oder Sumpf; lediglich mit dem Boot sind Teile der Gegend befahrbar.

Das Procedere der Womo-Verschiffung ist umfangreich. Dankenswerterweise haben wir auf dem Blog von Thomas und Miriam, beide aus der Schweiz und gerade in Mexico, eine genaue Beschreibung des Ablaufes gefunden. Dafür sind wir sehr dankbar, denn wir können uns in der Vorbereitung an dem Ablauf entlangarbeiten.

 

Wir werden 3 Tage vor der Verschiffung in Cartagena das Womo im Hafen abgeben. Zuvor sind diverse Papiere auszufüllen, Ämter zu besuchen und  dabei wird eine Vielzahl von Kopien benötigt.

Da wir im Februar und März bereits Kolumbien mit seinen Highlights besucht haben, begnügen wir uns mit schönen Landschaften auf dem Weg nach Cartagena. Unser nächstes Ziel ist ein Platz in Popayán, den wir aber nicht am gleichen Tag erreichen, so dass wir eine ruhige Nacht an einer Mobile-Tankstelle verbringen. In Popayán, im eco parque, haben wir einigermaßen guten Internetzugang, so dass Peter den Auftrag zur Verschiffung erteilen und die Flüge für Panama buchen kann. Dafür werden drei Stunden benötigt, weil immer wieder etwas den Vorgang abbricht. Wir sind erleichtert, als uns die diversen Buchungsbestätigungen erreichen.

 

Ich backe währenddessen Brot, das sogar perfekt gelingt. Am nächsten Tag besuchen wir die Stadt Popayán, deren kolonialer Stil in der Altstadt sehr gut erhalten ist. Als wir später gegen Abend zum Platz zurück kommen, sind weitere Reisende mit ihren Fahrzeugen angekommen, die wir alle kennen (teilweise von der Finca Sommerwind) und es gibt ein großes Hallo. Deshalb bleiben wir noch einen weiteren Tag.

 

Es zieht uns weiter gen Norden an den Stausee Laguna Calima. Die Landschaft ist der des Gardasee’s sehr ähnlich. Schmucke Häuschen in Halbhöhenlage mit direktem Zugang zum See. Allerdings wenig touristisch. Das liegt vielleicht daran, dass die Feriensaison in Kolumbien mit Ende der Schulferien Anfang September vorüber ist. Wir suchen einen Übernachtungsplatz und geraten auf eine alte Finca, deren Besitzer uns willkommen heißt. Er lebt in einem heruntergekommenen Loch. Die Cabaña in der wir duschen können war ehemals sehr schön, jetzt aber ist sie schmutzig und von Kakerlaken bewohnt. Aber wir stehen auf einer gepflegten Wiese mit rundum schönen Blumen und Blick zum See. Die Nacht ist ruhig und erholsam, trotz der 5 Hunde, die ständig um uns herum wuseln. Der Besitzer hat uns einen der Hunde zum Mitnehmen angeboten!!! Wir sind nicht darauf eingegangen.

 

Unser Weg führt uns weiter entlang einer sehr, sehr schönen Panoramastrasse Richtung Caldos. Rechts und links von der Straße gibt es sattes Grün und pralle Natur: Kilometerweiter Zuckerrohranbau, Bananen, Papaya, Baumwollpflanzen, Chilis, Tomaten, Mandarinen, sonstiges Gemüse, jede Menge Gärtnereien mit Pflanzen und später Kaffeebohnen... Uns kommen riesige Traktoren mit 4-6 ebenfalls riesige mit Zuckerrohr beladene Anhängern entgegen. Das ist schon sehr beeindruckend. Trotz drückender Hitze wird rege auf den Felder gearbeitet und die Ernte eingefahren. Nicht umsonst heißt es, dass Kolumbien das aufstrebenste Land Südamerika’s sei.

 

Nach Caldos nähern wir uns der Stadt Pereira. Dort gibt es eine Mercedes-Benz Werkstatt, bei der wir bereits im Februar waren. Peter vermutet, dass es gut ist, die Bremsflüssigkeit zu erneuern. Gegen Mittag, es ist Freitag, kommen wir dort an und werden freundlich begrüßt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erinnern sich an uns. Nach einigen Erklärungen und einem Test steht fest, dass in der Tat unbedingt die Bremsflüssigkeit erneuert werden muss. Kostenpunkt 119.382,00 kolumbianische Pesos, da sind ungefähr 34 €. Alles klar. Peter fährt das Auto in die Werkstatt. Am Nachmittag, versorgt mit Kaffee und Wasser, werden wir verabschiedet.

 

Wir erneuern unsere Lebensmittelvorräte, nehmen beste Hamburger zum Abendessen zu uns und übernachten hinter der Mercedes Benz Werkstatt. Dort ist es nachts ruhig. Allerdings kommen gegen 6 Uhr die Arbeitskräfte der umliegenden Betriebe, so dass es sehr lebhaft wird. Um 6:30 h sind wir bereits unterwegs. Unser Ziel: Medellin.

 

Auf halbem Weg dorthin finden wir uns dann in einer Schlange vor einer Straßensperre. Keine Ahnung was los ist. Zunächst überlegen wir, eine andere Route zu fahren, aber auch der Abzweig dorthin ist gesperrt. Ich bereite uns ein verspätetes Frühstück, so dass wir erst einmal essen und Kaffeetrinken.

Wir wundern uns, dass die Autos von der rechts zustoßenden Straßen gelegentlich durchgewunken werden. Es sind Kleinbusse mit Fahrrädern und das Rätsel löst sich... Plötzlich (ich habe noch nicht einmal Zeit um einen Foto zu zücken) rast ein Pulk von Radfahrern in Begleitung von Polizei und vielen Autos, die Reserveräder auf dem Dach mitführen, in schnellem Tempo an uns vorbei. Das ist ein Spektakel; eine kolumbianische Tour de France. Es dauert eine ganze Weile, bis alle Nachzügler vorbei sind, die von den Zuschauern besonders lauthals angefeuert werden.

 

Und dann beginnt der Run auf die leere Straße: Hunderte Zweiräder und ungezählte Autos, Lastwagen, die von hinten vorpreschen um möglichst keine Zeit zu verlieren, rasen auf beiden Fahrbahnen raus aus der Stadt. Es geht in ungebremsten Tempo vorwärts und ich frage mich, wann das zweispurige Fahren ein Ende hat, denn es könnten uns jederzeit Fahrzeuge entgegenkommen. An der Zieleinfahrt des Radrennens ist es soweit. Die Polizei winkt alle Fahrzeuge auf die rechte Spur und leitet in die Berge um. Zu unserem Leidwesen ist die Strecke doppelt so lang, mit schlechten, engen Straßen und enormen Höhenunterschieden. Die schöne Landschaft können wir jetzt nicht mehr genießen. Mit dieser anstrengenden Fahrt hatten wir nicht gerechnet; sie dauert 9 h für 213 km.

 

 

Jetzt bleiben wir ein paar Tage auf einem Campground auf 2500 m oberhalb der Großstadt Medellín. Hier lässt es sich in der nächtlichen Kühle bestens schlafen. Das genießen wir nach den vorherigen schwülheißen Tagen und Nächten.

Download video: MP4 format

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Kommentare: 3
  • #1

    Andre Jaeger (Dienstag, 26 September 2017 07:15)

    Hallo ihr zwei Weltenbummler, schön wieder von euch zu lesen. Da hattet ihr ja Ganz schön viel organisatorisches zu erledigen. Auto auf Vordermann bringen, Behörden Zeugs, Schiff furs WoMo, eure Flüge ...
    Aber noch einmal durch mein Südamerikanisches Lieblingsland.
    Ich bin seit gut einer Woche (insgesamt 3 Wochen) mit einem Freund auf dem Balkan unterwegs. Gestartet sind wir im wunderschönen Dubrovnik, Kroatien. Dann ging es über die Grenze nach Montenegro in die Bucht von Kotor. Kotor selber hat uns dann sogar noch besser gefallen als Dubrovnik. Von dort ging es dann am Meer lang nach Shkodra in Albanien. Dann weiter durch tolle Berglandschaft nach Koman am gleichnamigen See. Dort dann rauf auf die Fahre und drei Stunden auf dem Komani Lake durch grandiose Landschaft schippern bis Fierze. Die Prozedure des Fähre beladens (wildes Durcheinander der Autos, Abladen von allerlei Gütern von Autodachern und minivans, umladen von 2 Kühen und einigen Ziegen) hat mich stark an Bolivien oder Peru erinnert. Von Fierze sind wir dann nach Valbona gefahren. Auch hier hat mich die Einfachheit/ Armut sehr an Südamerika erinnert. Die Preise für essen und Unterkunft übrigens auch. Wir hatten eine grandiose Wanderung (6 Stunden zu einem 1800m hohen Pass) gemacht. Am nächsten Tag hat es geregnet und die Temperatur ist um 10° auf nur 11°C gefallen. Daher sind wir gestern 7 Stunden Serpentinen (260km) durch Nordalbanien nach Ohrid am Ohridsee in Mazedonien gefahren. Von hier soll unsere Tour weiter nach Berat und dann nach Sudalbanien ans Meer führen und dann langsam zurück Richtung Dubrovnik. Am 06.10. gehts dann nach hause (ist halt nur ein 3 wöchiger Urlaub)
    Gruß an euch

  • #2

    Wolfe (Freitag, 29 September 2017 23:13)

    Hi ihr 2, es ist schön dass ihr wieder so unterwegs seid und euch wie zu hause fühlt, das ist doch toll, geniesst es. Seit heute ist mein Pony Car verkauft. Es gibt Menschen die bezahlen für einen Schrotthaufen noch viel Geld. So ohne Fahrzeug ist das auf Dauer schwierig , deshalb hoffe ich, dass ich bis nächste Woche ein Fahrzeug von einem Freuns von Walter kaufen kann. Ganz liebe Grüße, Wolfe

  • #3

    Petra&Thomas (Sonntag, 01 Oktober 2017 15:36)

    Hallo Ihr Lieben,
    wie schön, mit euch wieder zu "reisen". Die Fotos und besonders das Video sind toll...Maria strahlend am Steuer :-). Wir sind gespannt auf Panama.
    Wir sind seit gestern wieder im Lande, sind mit dem Busle nach Dubrovnik und dann in Abschnitten die dalmatinische Küste Kroatiens wieder zurück gefahren (traumhaft).
    Alles Liebe, passt auf euch auf!
    Petra u. Thomas

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