Kolumbien III

Liebe Mitreisende, liebe Freundinnen und Freunde,

 

wir sind jetzt schon einen Monat Zuhause. Ihre werdet es allmählich leid sein, dass der letzte Bericht immer noch nicht auf dem Blog steht. Wahrscheinlich schaut Ihr auch gar nicht mehr danach. Aber heute bemühen wir uns, das Versäumte nachzuholen, wenn es auch aus dem Gedächtnis mit einem zeitlichen Abstand von fast 2 ½ Monaten etwas schwieriger sein wird. Dafür hat sich Peter die Mühe gemacht ein kleines Video am Schluss anzuhängen.

Zur Erinnerung: Unser Sohn Norman begleitet uns 14 Tage in Kolumbien. Ihn interessiert das Land.  Vor allem will er unseren Reisealltag im Wohnmobil miterleben. Bedauerlicherweise hat er dafür nur etwas mehr als 14 Tagen Zeit. Wir freuen uns sehr auf ihn.

 

Es ist der letzte Bericht am Ende unseres 2. Reiseabschnitts. 

 

07.03.2017  

 

Nach einigen Tagen Ruhe auf dem Camp Los Angeles treibt es uns weiter. Der Himmel ist seit Tagen bewölkt, es regnet immer wieder. Eine Wetterbesserung ist nicht in Sicht. Wir reisen weiter Richtung Santa Marta, Barranquilla und stoppen in einer Bucht namens Puerto Velero, die menschenleer ist. Der Wind pfeift mächtig über die Hügel. Wir sehen eine Kitestation, parken dort und nehmen Kontakt mit den Betreibern auf. Peter will es wissen und steigt nach 5 Jahren zum ersten Mal wieder auf das Kitebrett. Und.. das Kiten klappt. Wenn es auch anstrengend und der Wind nicht konstant ist, düst er doch ganz schön schnell übers Wasser.

Nach 2 Nächten und weiterhin viel Wind bewegen wir uns weiter südlich Richtung Cartagena, denn – wie Ihr schon wisst – holen wir dort am 11.03. Norman am Flughafen ab.

Deshalb findet ein weiterer Kitestart von Peter am Strand von Manzanillo del Mar statt, ca. 20 km nördlich von Cartagena. Kurz vor Normans Ankunft fahren wir in die Stadt und stellen das Auto etwas außerhalb auf dem Parkplatz des Hotel Bellavista ab. Es ist sonnig, heiß, mit hoher Luftfeuchtigkeit.

 

Nach Normans Ankunft halten wir uns drei Tage in „Cartagena de Indias“ auf. Die Stadt beherbergt ca. 1 Million Einwohner und hat einen sehr schönen Altstadtkern, der zum Weltkulturerbe gehört. Um sie zu erleben und anzusehen wohnen wir in einem Gästehaus mitten im Zentrum unter der einheimischen Bevölkerung. Wir können alle Sehenswürdigkeiten zu Fuß erlaufen, kaufen kleine Andenken, Norman einen Hut zum Schutz vor der sengenden Sonne, gehen nachmittags zum Café und abends zum Essen aus. Wir genießen es mittendrin zu sein. Von dem Castillo „San Felipe de Barajas“ haben wir einen grandiosen Blick über die Altstadt. Die Altstadt ist von massiven Befestigungsmauern umgeben, den „Murallas“, auf denen wir entlangschlendern und beeindruckende Sonnenuntergänge sehen. Abends treiben wir durch die vollen Gassen, an Essens- und sonstigen Verkaufsständen vorbei. Alle sind draußen. Auf dem Plaza de la Trinidad wird Zumba getanzt und wir wippen mit! Nachts sind wir froh über die Klimaanlage im Zimmer.

Danach begeben wir uns zurück ins – vom heißen Klima - aufgeheizte Womo und wieder zurück an den Strand von Manzanillo, an dem nun auch Norman mit dem Kite über das Wasser rauscht. Da unser Ziel südwärts die Stadt Medellín ist, fahren wir nach einigen Tagen weiter an der Küste entlang zu dem kleinen Fischerort Santiago de Tolu. Ein sehr ursprüngliches Dorf mit frischem Fisch aus dem Pazifik. Peter bereitet ihn für uns auf leckerste Weise zu.

Über Córdoba und Antioquia führt uns unser weiterer Weg nach Medellín. Wir müssen unsere Zeit etwas enger einteilen, weil die 14 Tage Kolumbien für Norman wenig Zeit zum Kennenlernen des Landes lassen.

Der nächste Campingplatz, nass geregnet, liegt etwas außerhalb von Medellín. Hier nahe des Äquators herrschen auch Jahreszeiten. Diese finden aber nicht wie bei uns im Jahresverlauf, sondern in den Klimazonen der Berge und Täler statt.

Der Weg zur Stadt ist weit, aber interessant. Wir kommen aus der Kühle der Berge und schweben mit einer Seilbahn ca. 1000 m in die feuchtwarme Stadtmitte. Auch hier wird der grasse Gegensatz zwischen Arm und Reich deutlich. Medellín ist mit ca. 2,4 Millionen Einwohner die zweitgrößte Stadt Kolumbien (die größte Stadt ist Bogotá ca. 7 Millionen), mit Stadtzentrum auf einer Höhe von 1538 m Höhe.

Wir wandern durch die Stadt und schauen uns verschiedene Sehenswürdigkeiten an wie z.B. die Catedral Metropolitana de Medellín, den Jardin Botanico, die Skulpturen Botero’s...

In Medellín ist der Maler und Künstler Botero auf den Plätzen mit seinen Skulpturen sehr präsent. Er ist einer der bekanntesten Künstler Lateinamerikas; geb. 1932 in Medellín. In Bogota hatten wir ihn vor allem als Maler bestaunt, nun sehen wir uns die Vielzahl der überlebensgroßen Skulpturen an, deren Proportionen meist überzeichnet sind.

Am Nachmittag sind wir müde; ein weiterer Regenguss verdirbt uns die Lust an weiteren Besichtigungen, so dass wir uns wieder in die Seilbahn setzen und in die Höhe, zurück zum Womo, schweben.

Unser nächstes Ziel ist Guatapé, ca. 50 km von Medellín entfernt. Neben den dortigen Sehenswürdigkeiten freuen wir uns auf einen Besuch bei den erwachsenen Kindern eines Stuttgarter Freundes. Sie haben sich dort niedergelassen und betreiben vorübergehend einen gut florierenden Motorradverleih (www.guatape-motos.com). Wir können direkt vor dem Haus parken und verbringen so drei Tage mit Ihnen – vorwiegend auf Mopeds, mit denen wir die Umgebung erkunden. Es ist eine schöne Zeit.

So schön, dass wir uns zu Ostern in Stuttgart zu einem gemeinsamen Essen verabreden. Denn Charlotte kommt mit James für vier Wochen nach Deutschland.

Kurze Info zu Guatapé: Der Ort ist auf 1880 m Höhe gelegen, mit ca. 6000 Einwohner, einer wunderbaren Seenlandschaft, einer schönen Inglesia del Municipio de Guatapé, dem La Piedra Del Peñol ein 200 Meter hoher Granit-Monolith mit 659 Stufen zur Spitze, den farbigen Häusern mit lustig bemalten Friesen. Auch einige Hinterlassenschaften aus der unrühmlichen Drogenzeit sind hier zu finden. Die Chefs der Clans wussten das gesunde Klima zu schätzen, wenngleich es zum Ende hin ziemlich bleihaltig wurde.

Von Guatape führt uns der weitere Weg zum Rio Claro. Hier ändert sich wieder die Klimazone: Er liegt auf 350 m NN und das Klima ist tropisch und schwül-heiß. Wir fahren in den Park, weil uns der davor zugewiesene Platz nicht gefällt. Wir haben genug laute Nächte hinter uns. Am Ende des Fahrweges angekommen, spricht uns der Leiter des Parks an und verweist uns an eine Stelle etwas abseits direkt am Fluss. Ein sehr schöner Platz. Von dort aus unternehmen wir einige Aktivitäten; u.a. beteiligen sich Peter und Norman an einer Höhlentour, die größtenteils durch’s Wasser führt. Ich nutze die Zeit derweil, um Fotos von der wunderbaren Vegetation aufzunehmen.

 

Nach 2 Nächten und Tagen wird es Zeit wieder Richtung Medellín zu fahren, denn von dort fliegt Norman sonntags in aller Herrgottsfrühe nach Bogotá. Dort wird er einen Tag verbringen und abends über Paris nach Hause fliegen.

Wir schlafen auf einem Parkplatz kurz vor dem Flughafen, so dass wir Norman direkt dort absetzen können. Der Abschied ist nicht dramatisch, denn 3 Wochen später werden wir uns gen Deutschland aufmachen, um alle unsere Lieben wieder zu treffen.

Da unsere Autoversicherung für Kolumbien ausgelaufen ist, fahren wir bei wechselhaftem Wetter und später in strömendem Regen zügig weiter – über Manizales, Cali, Popayán, Tulcan zur Grenze nach Ecuador. Nach unsere Ankunft in Ibarra hören wir, dass zeitgleich nur 100 km über einen Bergrücken entfernt in Mocoa eine verheerende Naturkatastrophe hereinbrach. Drei Flüsse sind über die Ufer getreten und die Schlamm- und Wassermassen haben Häuser, Autos, Menschen mitgerissen. Es wird von über 200 Toten gesprochen. In dieser Stadt haben wir sechs Wochen zuvor übernachtet.

 

In Ibarra, zurück auf der Finca Sommerwind, richten wir unser Auto für die Sommerpause. Es wird gewaschen, geputzt, repariert (weil ebbes isch emmer), aussortiert und das Leben auf der Finca mit vielen anderen Reisenden und den Betreibern Patricia und Hans genossen. Zum Ende hin entschließen wir uns mit Hans und anderen Gästen einen dreitägigen Ausflug an die Küste unterhalb der kolumbianischen Grenze, auf die Isla San Pedro zu machen. Wir landen wieder in tropischem Klima, mit teils heftige Regenschauer. Zum letzten Mal baden wir im Meer. In der letzten Nacht liege ich im Bett und höre dem starken Regen zu. Ich befürchte, dass wir evtl. Probleme bei der Rückfahrt bekommen, denn wir haben ja von Schlammlawinen und überschwemmten Straßen gehört. Morgens auf dem Weg zum Frühstück sind wir in Kürze völlig durchnässt. Die Flip Flops bleiben im Schlamm stecken. Wir begeben uns auf die Heimreise und lassen letztlich wegen des Regens die Kakaoplantage aus. Aber!!! Das Wetter bessert sich, der Regen hört auf und die Sonne wagt erste Versuche. Unserer Zugfahrt in den Dschungel steht nichts mehr im Wege. Auf einer alten, marode Bahnstrecke verkehrt ein in Eigenregie gebauter Zug, eine Draisine, aber eigentlich nur die Reste eines Toyota, um Leute zu versorgen die weitab von den Verkehrswegen im Dschungel leben.

Also das ist ein Erlebnis der besonderen Art! Gegen gutes Geld, dass den Menschen vor Ort zugute kommt, werden wir ca. 20 km in den Dschungel gefahren der teilweise undurchdringbar scheint. Und es passiert, was bei der unbefestigten und ungeraden Schienenlegung zu erwarten ist, der Zug springt aus den Schienen. Alle steigen aus und die Männer heben auf Kommando den Zug auf die Schienen zurück und weiter geht es. Wir fahren über Brücken, die abenteuerlich gebaut und völlig verrostet sind und den Blick direkt durch die Bohlen auf den Grund frei geben. Irgendwo auf der einspurigen Strecke hält der Zug und wir kämpfen uns  schlingernd durch Matsch zu einem Wasserfall. Das Baden ist für die, die es schaffen ihre verschlammten Klamotten und Schuhe abzustreifen ein wunderbares, abkühlendes Erlebnis. Auf dem Rückweg sacke ich bis zum Knie in ein Schlammloch und habe große Mühe, den Fuß mit meinen Wanderstiefeln befreien zu können. So eine Sauerei! Mein T-Shirt habe ich nach Ankunft beim Auto direkt in den Müll geschmissen.

Zunächst aber muss der Zug für die Rückreise vorbereitet werden. Einfach Rückwärtsgang einlegen – nein, die Fahrt würde zu lange dauern und irgendwann kommt ja auch der Gegenzug! Die spannende Frage ist, wie das geschehen soll. Das können wir direkt live erleben. Der Zugführer und sein Gehilfe bringen unter einer mittig angebrachten Traverse einen hydraulischen Wagenheber an. Mit diesem heben sie das komplette Gefährt an. Zügig aber mit Vorsicht und unter Stauen und Beifall wird es um 180 Grad gedreht und sanft auf den Schienen abgelassen.

- Alles einsteigen! - die Rückfahrt kann beginnen.

Und sag einer etwas über die Pünktlichkeit der Bahn. Da kann die Deutsche Bahn noch lernen. Rechtzeig erreichen wir das Ausweichgleis und der Gegenzug rauscht vorbei. Gute Fahrt!

Voll von unseren Erlebnissen kommen wir gegen Abend gesund und müde in die Finca zurück. Keine überschlammten Straßen, alles gut.

 

Und dennoch auch aus Peru hören wir von Überschwemmungen der Straßen und weggerissenen Brücken. Der Staat ist in einem Ausnahmezustand. Reisende, die durch Peru fahren wollen, kommen zurück nach Ecuador.

Uns bleiben noch 2 Tage bis zum Abflug. Das Auto bleibt in Ecuador. Wir nehmen Abschied von uns lieb gewordenen Menschen und hoffen, Sie zukünftig erneut zu treffen.

Am 14. April 2017 steigen wir in Quito in den Flieger nach Frankfurt und freuen uns auf Familie, Freundinnen und Freunde und einen super Sommer.

Im September 2017 geht es weiter.

 

(Zwischenbericht für die mitreisenden Fahrer/innen:

 

 

Unsere Bedenken bezüglich eines zu erwartenden Getriebeschadens wurden nach einem intensiven Gespräch beim Hersteller des Fahrzeugs ausgeräumt. Die von mir beschriebenen Geräusche bei Lastwechsel bzw. Last- und Schubbetrieb seinen bekannt und unbedenklich. Einer Weiterfahrt steht nichts im Wege.)    

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Kommentare: 3
  • #1

    Detlev (Freitag, 07 Juli 2017 10:35)

    Schön, Euch wieder zu lesen!
    Wir freuen uns auf die Fortsetzung.
    Herzliche Grüße
    E&D

  • #2

    Wolfe (Dienstag, 25 Juli 2017 23:59)

    Ich kanns gar nicht glauben dass es bei euch in 6 Wochen schon wieder los geht, aber ich weiß ihr freut euch drauf. Lg Wolfe

  • #3

    Wolfe (Montag, 11 September 2017 23:35)

    Wir hoffen es geht euch gut und ihr seid gut unterwegs ihr lieben , Wolfe und Lioba

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