Bogota nordwärts zur Karibik

Wir verlassen Bogota schneller als gedacht. Nach dem letzten Blog-Eintrag kommt von der Mercedeswerkstatt die Order, dass sie mit uns sprechen müssen. Also fahren wir mit der TransMilenio ratz fatz zur Werkstatt. Die Gelenkbusse der TransMilenio haben eine eigene Busspur und verkehren auf 8 Hauptstrecken. Durch die eigene Busspur ist man in der vom Verkehrschaos gebeutelten Stadt schnell von A nach B. Die Fahrt kostet pro Person 2 000 Pesos (3 000 P. sind ca. 1 Euro) und berechtigt zu Fahrten für den ganzen Tag.

 

In der Werkstatt werden diverse Vorgehensweisen diskutiert, die Bremsbelege hinten erneuert, diverse Öle ersetzt ... und was die beunruhigende Geräusche anbelangt, gibt es auch hier keine Lösung. Wir werden auf Deutschland verwiesen!!! Na toll. Anschließend überlegen wir, ob wir über Cartagena zurück nach Deutschland verschiffen sollen oder das Risiko der Weiterfahrt eingehen. Nach diversen Abwägungen und Rücksprachen fahren wir weiter. Alles tranquillo und möglichst wenige Berghöhen. Letzteres ist in Kolumbien nicht gerade einfach.

 

Raus aus der riesigen Stadt Bogotá geht es nordwärts, vorbei an der schönen Laguna de Guatavita nach Villa de Leyva. Wir übernachten an der Lagune, bei kühlem Wetter und wolkenverhangenem Himmel.

In Villa de Leyva ist das Wetter sehr viel besser und wir fühlen uns dort sehr wohl. Die hübsche Kolonialstadt wurde 1572 gegründet und 1954 zum Nationaldenkmal erklärt. Die Stadt ist in Gänze erhalten, hat steingepflasterte Straßen, weiße gepflegte Häuser, rote Ziegeldächer und meist grüne Balkone, alles mit sehr viel blühenden Pflanzen geschmückt. Es ist ein Vergnügen, sich durch die Straßen treiben zu lassen, Kaffee trinken, Leute anschauen, Brautpaare auf dem Plaza Mayor zu bewundern. Wir sitzen auf dem großen Plaza Mayor in bester Unterhaltung mit Ilka und Günther, die wir auf dem Stellplatz getroffen haben. Wir verbringen drei Tage dort; regeln den Alltag im Womo, waschen, kaufen ein ... aber das kennt ihr ja alles schon.

Unser nächstes Ziel ist eine ebenso schöne Stadt Barichara. Sie ist ebenfalls seit 1978 zum Nationaldenkmal erklärt und seit 1714 perfekt erhalten. Die Stadt liegt auf einem Hang und „on top“ hat man einen grandiosen weiten Blick über die Berge und die davor liegende Ebene. Die kleine Stadt ist Zentrum des Kunsthandwerkes. Das spiegelt sich in den vielen Geschenkboutiquen wieder. Die Straßen sind mit alten Steinplatten gepflastert. Die weiß getünchten Häuser bestehen aus Schlamm und Stroh. Lt. Reiseführer werden aufgrund der schönen und gepflegten Lage in Barichara öfters Telenovelas gedreht.

 

Dass Kolumbien in seiner Vielfalt ein wunderschönes Land, habe ich schon mehrfach geschrieben. Wir genießen die Weiterfahrt Richtung Ocana, unser Ziel ist die Aréa National Unica Los Estoraques. Wir kommen nur langsam vorwärts, auch wegen der unzähligen LKWs, die überholt werden wollen/müssen und inzwischen ist es tagsüber heiß. Die über Stunden andauernde Anfahren, Abbremsen, gefährliche Überholmanöver zehren an den Nerven und ich bekomme Rückenschmerzen. Außerdem heult das Auto wieder bedrohlich, was uns unruhig werden lässt. Nach einer unruhigen, heißen Nacht neben einer Straßenzahlstelle, die durchgehend frequentiert wird – nach den Geräuschen zu urteilen ausschließlich von Lkws - entscheiden wir, dass wir den Park nicht weiter anfahren. Wir verpassen die grandiosen Sandsteinformationen, aber das ist uns egal.

Wir umgehen weitere Berge und fahren auf fast ebenen Straßen an die karibische Küste. Unser letzter Übernachtungsstop ist die große Stadt Valledupar. Dort stehen wir am Stadtrand auf dem Parkplatz eines Freizeitzentrums, direkt neben dem Polizeiposten und haben eine ruhige Nacht.

Wir fahren weiter Richtung Küste. Aus dem wasserreichen Schwemmland des Rio Magdalena, der uns schon lange begleitet, verändert sich an der Nordostküste die Landschaft deutlich in eine Art Steppe, die Berge gehen zurück. Wir kommen in die Guajira, einer Wüstenlandschaft und mit der ärmste Teil Kolumbiens an der Grenze zu Venezuela.

 

Es ist heiß; tagsüber mindestens 35 Grad. Die Häuser und Hütten werden ärmlicher; alle leben sowieso im Freien. Vor fast jeder Behausung stehen alte Tische, versehen mit diversen Kanistern. Hier könnten wir tanken! Billigen Sprit aus Venezuela. Geschmuggelt? Billig gekauft und nun wieder verkauft? Auf jeden Fall scheint es den Lebensunterhalt dürftig zu finanzieren. Wir hüten uns meist vor Lebensmittel und Säften, die auf den Straßen verkauft werden, um nicht krank zu werden. Und jetzt schützen wir das Auto vor diesem Sprit, damit es schön weiter fährt.

 

Seit 2 Tagen stehen wir am Strand von Camarones, neben der Laguna Grande. Ein Paradies mit Palmen. Allerdings wird das Paradies bei näherem Hinsehen zum Schmutzstrand. Wir hatten bereits in Bolivien und Peru unsere Probleme mit den Abfallbergen rechts und links von den Straßen. In Kolumbien ist uns das Abfallproblem erst zuletzt wieder aufgefallen. Und hier sind wir wieder damit konfrontiert, dass alles fallen gelassen wird: Papier, Glas, Plastik in allen Variationen, Babywindeln, Essensreste, Notdurft, volle Müllbeutel usw.  Wenn der Wind nachlässt, stinkt es! Wir haben vor unserm Stellplatz 2 große Mülltüten voll mit Abfall aufgesammelt, damit wir einigermaßen angenehm stehen können.

Die Kidies haben zur Zeit wegen Fasching Ferien und kommen regelmäßig vorbei um zu sehen, ob es was Neues gibt. Sie bieten handgemachte Armbänder und von ihren Müttern hergestellte Umhängebeutel zum Verkauf an. Teilweise schenken sie uns Armbändchen oder stellen welche für uns mit unseren Namen her. Sie sind total neugierig und befühlen alles Mögliche. Zeitweise sitzen 6-12 Kinder vor dem Womo. Wir weisen sie immer wieder in ihre Grenzen. 

Wir essen zum Abendessen einen Fisch, mit Reis, Bananen und Salat. Dazu sitzen wir am Strand und genießen die langsam untergehende Abendsonne. Drei Mädchen (zwischen 7 und 9 Jahren) gesellen sich zu uns und schauen uns interessiert beim Essen zu. Es ist ziemlich schnell klar, dass sie warten bis wir fertig gegessen haben und was dann für sie abfällt. Kein wirklich entspannter Essensgenuss! Peter entfernt das Grätengerippe vom Fisch und legt es auf die Seite. Sofort nimmt es eines der Mädchen, um noch letzte Fischreste heraus zu pulen. Der übrig gebliebene Fischkopf wird durch drei Teile geteilt und ebenfalls von ihnen gegessen. Wir bieten ihnen die restliche Limone dazu an. Sie knacken alles. Lange Rede kurzer Sinn: alles was von uns übrig bleibt wird rein geschlappert. Dann werden die Teller in den Sand geputzt, wo sich die Hunde die Reste der Reste holen. Es bleibt nichts übrig und es gibt keinen Müll!!!

Wir werden immer wieder um Geld angebettelt, vom alten Fischer, der Brot wollte und es auch von uns bekommen hat, was aber nicht genügte.., von Kindern, von Erwachsenen.. Wir weigern uns, Geld zu geben. Andererseits schenken uns die Kinder Armbänder die sie mit unseren Namen bestücken. Wir bedanken uns mit einem kleinen Geschenk.

Und wir haben viele nette Kontakte mit den Menschen hier und dass sie neugierig sind und jede Menge Fragen stellen, macht uns nichts aus, schließlich sind wir in ihrem Land und wir bringen Unbekanntes mit. Na ja, wenn sie mit mir reden, ist das Gespräch mangels Spanischkentnisse bald zu Ende... Allerdings üben die Kinder mit mir englische Wörter. Bis zwanzig können sie meist super zählen. „Danke“ in Deutsch gelingt auch ganz gut!

Das Wasserproblem und die ständigen Besuche der Einheimischen lassen uns weiter fahren.

Unser Wasser geht trotz sparsamer Handhabung zur Neige. Wir brauchen Trinkwasser, aber auch einigermaßen sauberes Wasser zum Waschen und Spülen. Bei einem Spaziergang morgens früh mit Salin, der uns die Vogelwelt der Umgebung zeigen will, sehen wir, aus welchem Wasserloch  die hiesige Bevölkerung ihr Wasser in Kanistern und Eimern holt. Wir würden davon krank werden.

Wir kommen durch ein Indianerdorf und sehen eine Indianerschule, die allerdings wegen der Ferien verwaist ist. Ich habe ja immer Probleme mit solchen Besichtigungstouren, aber das Gelände ist so weit, dass bei mir nicht das Gefühl entsteht die Menschen in ihrem Ablauf zu stören.

Die Fahrt geht weiter die Küste entlang, ca. 160 km Richtung Santa Marta, zu einem Platz namens Los Angeles. Dort hoffen wir auf Dusche und Wasserversorgung und das bekommen wir! Ein Traum: kalte Dusche mit ausreichend fließendem Wasser. Wir sind wieder mal richtig sauber. Und frische Bettwäsche und gewaschene Klamotten...

Leider gibt es so gut wie keinen elektronischen Kontakt zur Außenwelt. Egal. Dafür Strand, Palmen, Kokosnüsse (die uns gfls. auf den Kopf fallen), Wasser, Wind und Sonne. Wir treffen andere Reisende wie Mary und Renzo aus der Schweiz, die in umgekehrter Richtung fahren, als von Alaska nach Feuerland. Es werden Empfehlungen ausgetauscht. Abends kommt ein kolumbianischer Bus, dem 3 Leute aus Heimsheim (bei Stuttgart) entsteigen. Sie sind bei der Schwester, die hier lebt, zu Besuch und 3 Wochen mit deren Bus durch das Land gefahren.

 

 

Wir bleiben einige Tage, denn wir warten auf den 11.03., an dem einer unserer Söhne uns besuchen wird. Kurz vor dem Termin werden wir uns auf den Weg nach Cartagena machen und von dort aus 14 Tage gemeinsam mit ihm reisen. Darauf freuen wir uns.

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Kommentare: 2
  • #1

    Eckus (Dienstag, 07 März 2017 18:21)

    Hallo ihr Beiden,

    bin einer der Heimsheimer von Los Angeles und stöbere durch Eure Seite. Sehr interessant für mich, da wir verschiedene Sehenswürdigkeiten auch schon besucht hatten. Wir sind nun wieder in Cali und morgen geht es leider schon wieder nach Hause. Wünsche Euch noch eine gute Weiterfahrt ohne Pannen..

  • #2

    Andre Jaeger (Samstag, 08 April 2017 10:37)

    Hallo ihr Zwei, ich hoffe das Auto ist noch fit und ihr natürlich auch. So ein bisschen karibikstrand kolumbiens konnte ich auch gerade gebrauchen. Heute ist es in Hamburg kühl und bewölkt aber morgen erwartet der Wetterbericht 20 grad. Vor 2 Wochen war ich mit einem Freund für eine Woche in Jordanien unterwegs. Tolles Land und super nette Menschen. Schade das zur Zeit kaum jemand dort hin reist, haben alle zu viel Angst vor Jordaniens Nachbarn Syrien und Irak. Baden im Toten Meer ist witzig und die Felsenstadt Petra hat mich sehr beeindruckt. Wann kommt ihr zurück nach Deutschland? Ich bin wahrscheinlich Anfang Mai wieder mal bei den Eltern im Schwarzwald, ggf das WE vor dem 09.05. (Muttis Geburtstag). Vielleicht klappt es ja mit einem Treffen bei euch ...

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