Kolumbien II

Wisst Ihr das?

Kolumbien hat eine Fläche von 1,14 Millionen Quadratkilometer und ist damit ca. 3 x so groß wie Deutschland. Das Land hat ca. 48 Millionen Einwohner. Geografisch besteht Kolumbien aus der Küstenebene, dem Hochgebirge und dem Dschungel.

Wir bewegen uns derzeit im zentralen Hochland von Antioquia, das gesäumt ist von unzähligen glänzenden Kaffeebüschen. Es gibt eine überwältigende schöne Berglandschaft. Trotz Sonne hat das Hochland eine erfrischende Kühle und nachts kann es ziemlich kalt sein. Im Tiefland hingegen herrscht drückende Schwüle und nachts schwimmt man im Bett.

Bevor es mit dem Reisebericht weiter geht möchte ich Euch mitteilen, dass wir seit drei Tagen in Trauer sind. Eine Reisende, die mit auf Galapagos war und wir gemocht und geschätzt haben, ist einem plötzlichen Tod erlegen. Wir sind immer noch geschockt deswegen. Sie ist inzwischen zur Beisetzung auf dem Weg nach Deutschland.

Auch Reisen ist nicht problemlos. Und wir werden wieder auf das reduziert, was das Leben ausmacht: Gesundheit, bewusstes Leben, versuchen mit sich selbst im Reinen zu sein (Zufriedenheit), Familie genießen, Freundschaften pflegen ...

Nun zur Weiterreise.

 

Wir verlassen die prähistorische Stätte um San Augustin und bewegen uns weiter nördlich über Neiva in die Tatakoa-Wüste, zu der auf der Landkarte „Pittoreskes Landcape“ vermerkt ist. Das war die Anfahrt allerdings weniger. Ihr wisst schon Gravelroute, rauf runter, viele Kurven, auf die Dauer anstrengend für Mensch und Auto. Da könntet Ihr euch fragen, wieso wir diese Straßen nutzen? Denn das Straßennetz insgesamt ist gut ausgebaut (dafür wird aus unserer Sicht auch kräftig Straßengebühren kassiert). Aber wir fahren immer gerne von den Hauptstraßen ab, weil wir dort besser die Schönheit des Landes und das Leben der Bevölkerung sehen. Und manche Straßen sind gut befahrbar, aber diese nun mal wieder nicht. Es ist deshalb schon dunkel, als wir ankommen, so dass wir die „pittoreske“ Landschaft erst am nächsten Tag sehen. Das Klima ist heiß und drückend und ich verstehe, dass die meisten Leute nachts draußen in der Hängematte schlafen. Tagsüber sollen 47 Grad gewesen sein!! Puh.

Morgens muss ich meine recht einfache Vorstellung von „Wüste“ revidieren. Ich denke dabei an Sand und sonst nix, Peter denkt an Steine und sonst nix. Hier gibt es zwar Sand und Gestein, aber auch Grünzeug in Form von verschiedensten Kakteenarten, kargem Gebüsch und Bäume. Wir schauen uns um und entdecken einen Minivan, den wir schon 4 Mal zufällig getroffen haben. Sara und Nicolas steigen aus. Wir freuen uns, stöhnen über die Hitze am Morgen und verabreden uns zur Mittagszeit. Hier muss man einfach die Siesta einhalten. Nachmittags kommt ein starker Regen und sofort ist der Lehm/Sandboden aufgeweicht und es wird schwierig zu fahren. Peter und ich haben vormittags den idealen Übernachtungsplatz gesehen. Dort wollen wir mit Sara und Nicolas hin, gemeinsam kochen und ruhig schlafen.

Aber: der Regen hat die Wege aufgeweicht und die nicht aufzuhaltenden Kolumbianer setzten einer nach dem anderen ihre Autos in den Schlamm. Die bis tief in die Nacht röhren die Autos bei ihren Anfahrtsversuchen. Mensch und Auto sahen fürchterlich aus: von unten bis oben mit Matsche verspritzt. Was die Räder eben so von sich geben, wenn sie durchdrehen.

Wir bleiben auf einem anderen Platz stehen, der noch einigermaßen trocken und gut erreichbar ist. Trotzdem ist es insgesamt eine riesige Sauerei. Die Flipflops bleiben im Matsch stecken. Nicola läuft nur noch barfuß. Allerdings trocknet bis zum nächsten Morgen die Landschaft und wir können weiter fahren.

 

Es heißt wieder Abschied nehmen. Nicola und Sara wollen nach Bogotá und zur Küste, wir nach Salento und ins Valle del Cocora.

Auf dem Weg dorthin legen wir einen Stopp in Calarcá ein. Dort soll der schönste botanische Garten Kolumbiens sein - „Jardin Botánico del Quinido“. Als wir abends dort ankommen mit der Absicht auf dem Parkplatz zu übernachten, lässt uns ein Mitarbeiter ohne viel Worte in den Hof des Nebengebäudes hineinfahren. So sind wir für die Nacht sicher und wohlbehütet durch ein Tor und mehrere Hunde.

Und der botanischer Garten ist wunderschön; ein Hochland-Regenwald. Der Spaziergang mit Führung dauert ca. 2 ½ Stunden, die sich sehr gelohnt haben.

 

Am Abend kommen wir in der kleinen, schönen Stadt Salento an und verbleiben im Garten eines Hostels mit toller Aussicht. Die Landschaft ist beeindruckend: grün mit prallen duftende Blüten. Im nahen Valle de Cocora gehen wir wandern. Da die Sonne meist am frühen Morgen scheint und sich später der Himmel bewölkt, brechen wir kurz vor 8:00 h zu einer fünfstündigen Wanderung auf. Wir sind ca. 10 km mit einem Höhenunterschied von 600 m gelaufen. Das ist moderat, war aber auch ausreichend - und wie immer in Kolumbien ist die Natur wunderbar.

 

Da das Auto wieder einmal Geräusche von sich gibt (ebbes isch emmer), die wir für bedenklich halten, aber nicht zuordnen können, gibt es eine Konflikthotline zu Frank nach Deutschland. Nach längerem Ge-whatsapp-e und Einkreisen der evtl. möglichen Störungen steht der Beschluss, eine Mercedeswerkstatt aufzusuchen. Ferndiagnosen sind einfach schwierig. Wir finden im Internet die nächste Niederlassung in Manizales und machen uns auf den Weg dorthin. Ihr wisst: bergauf, bergab... Die Stadt ist sehr steil und mittendrin die Daimlervertretung, jedoch nicht die Werkstatt. Peter bleibt direkt davor stehen. Wir stehen so schräg, dass der Wasserauffangbehälter des Kühlschranks überläuft und ich hektisch am Wischen bin. Peter kommt zurück mit der Info, dass wir 60 km den gleichen Weg zurück müssen, zur Stadt Pereira, in der wir mittags 1 h im Stau standen, dort ist die Werkstatt. Peter ist sauer und fährt so schnell als möglich zurück. Wir kommen mal wieder in der Nacht an und stellen das Auto am hinteren Zugang ab. Dort verbringen wir die Nacht.

Am nächsten Tag werden wir freundlich begrüßt und Peter erklärt nach und nach 5 Personen die Probleme am Auto, fährt den Berg mehrmals an um das Schleifen und Knacken zu demonstrieren. Irgendwann ist uns klar, dass die Probleme nicht zugeordnet werden können. Sie kennen einfach das Auto in dieser Ausführung nicht. Abends um 17 h dann die Info, dass nichts gefunden werden kann. Wir sollen sicherheitshalber nach Bogota in die Werkstatt gehen, weil von dort aus evtl. mit Daimler Deutschland konferiert werden kann.

Alle waren freundlich, keiner wollte Geld... Und so lernt man Land und Leute auch kennen, beim Mittagessen, in den Pausen, beim Fachsimpeln...

Wir machen uns also Freitagabend auf in Richtung Bogotá. Dort haben wir montags um 8:00 h einen Termin. Für diese lächerliche Strecke von ca. 180 KM benötigen wir 2 Tage!

Übernachten können wir auf einem Parkplatz, der tagsüber zu einem Aussichtspunkt gehört. Der Nachtwächter öffnet uns extra die Abschrankung. Da die Hügel und Berge um uns herum mit Kaffeepflanzen bestückt sind, entschließen wir uns am nächsten Morgen zu einer nahe gelegenen Kaffeefinca zu fahren. Sie liegt traumhaft. Wir werden dort freundlich aufgenommen und von Filipe Schritt für Schritt in die Abläufe des Kaffeeanbaus eingeführt. Dafür wandern wir ca. 2 h durch die Kaffeeplantagen und verdienen uns den anschließenden Kaffee durch Pflücken der roten oder gelben Beeren. Anschließend gab es ein super Essen und danach Theorie und Verkostungen. Gegen 15 h sind wir als gut geschulte Kaffeekenner*in weiter gefahren. Der kolumbianische Kaffee, von Hand gepflückt, ist der Beste!

 

Samstagnacht übernachten wir in einem Park in Facatativa, morgens um 6:00 h brechen wir auf in das ca. 30 km entfernte Bogota und kommen völlig entnervt gegen 8:30 h beim Mercedes an!

Entnervt weil...

Die Kolumbianer sind beim Autofahren kompromisslos. Nach dem Motte „Wer bremst verliert“! Sie fahren in die kleinste Lücke, kommen von allen Seiten, bremsen aus, kreuzen von rechts nach links und umgekehrt. Daneben gibt es unzählige Moped/Motorradfahrer, die ebenfalls die kleinste Lücke nutzen. Alles eng und gefährlich. In engsten Kurven überholen sie sich gegenseitig und drängeln sich notfalls zwischen die Autos, falls es doch zu eng wird. Man braucht alle Sinne, um nicht aufzufahren oder angefahren zu werden. Der Verkehr in Bogota (6,8 Millionen Einwohner) ist besonders dicht.

 

 

Nun sind wir voraussichtlich 3 Tage in Bogota, das Auto ist in der Werkstatt und wir im Hotel. Wir schauen uns die Stadt an. Bisher haben wir einen Stadtrundgang gemacht und die Altstadt „La Candaleria“ besucht, das Museo de Oro (Goldmuseum), und das Museum Botero gesehen. Trotz aller Gefahrenhinweise und der allgegenwärtigen Präsenz von Bewachungsfirmen, Polizei und Militär fühlen wir uns sehr sicher. Schauen wir mal, wie es weiter geht.    

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Kommentare: 2
  • #1

    Sohn (Samstag, 18 Februar 2017)

    Auf de, ersten Bild läuft ja einer mit einem Deutschland-Trikot durch �
    War das gewollt?

    Grüße

  • #2

    Andre Jaeger (Sonntag, 05 März 2017 22:58)

    Hallo ihr Zwei, nun seit ihr also in meinem südamerikanischen Lieblingsland unterwegs. Salento und das Valle de Cocora fand ich auch super. Schön zu lesen, das es euch gut geht. Auto wieder fit? Wann gehts zurück nach Deutschland? Wo beendet ihr diese Etappe? Kommt ihr noch bis Cartagena? Oh man, so viele Fragen. Wünsche euch erst mal weiterhin ne tolle Zeit. Diesen Sommer schaffe ich es ganz bestimmt euch in Deutschland zu besuchen. Gute Fahrt ... Andre

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