Auf dem Weg zum Äquator

Wir feiern ein schönes, interessantes, internationales Weihnachtsfest (Peru, Schweiz, Belgien, Frankreich, Deutschland) bei unseren Gastgebern Melba und Jaques. Alle tragen etwas zum Essen bei und so entsteht ein üppiges Mahl. Es wird gegessen, geredet und sogar getanzt. Um 24 h stoßen wir mit heißem Kakao und Panetone an und die fröhliche Umarmungsrunde mit Feliz Navidad in den verschiedenen Sprachen beginnt. Nachbarn schießen Feuerwerksköper in die Luft... für uns ungewohnt, aber sehr schön.

 

 

Am 26.12.16 gehen wir bei Tumbes über die Grenze nach Ecuador. Die Einreise mit dem Auto dauert seine Zeit, aber irgendwann ist alles erledigt. Unser Ziel ist die Stadt Cuenca. Wir sind wieder einmal spät dran. Obwohl wir genügend Erfahrungen mit Verzögerungen haben (Wartezeit an der Grenze, schlechte Straßen, ansteigende und kurvige Straßen, Umleitungen, an Baustellen warten bis zu 2 h, irgend ein Problem mit dem Auto, das Navi schickt falsch usw.), kalkulieren wir immer wieder zu wenig Zeit ein.

 

Wir schaffen es nicht vor der Dunkelheit bis Cuenca. Es stellt sich die Übernachtungsfrage? Wir finden in der Nähe auf unserem Weg das „Santuario Hibiscus“ (www.santuariohibicus.com; eine Gästehaus mit Stellplatzmöglichkeit), allerdings mit Anmeldung. Das können wir nicht, also riskieren wir die Anfahrt. Es geht richtig in die Berge, die Landschaft es ist wundervoll grün und die Früchte an den Bäumen sind voll und reif. Nach einem heißen Tag atmen wir die duftende kühle Luft mit Wonne ein.

Wir stehen vor dem Tor und wummern mit Hilfe eines Nachbarn am Tor bis Dan und Franziska, die Eigentümer, auf uns aufmerksam werden. Sie sind total freundlich und lassen uns in ihren Hof. Der Garten um uns herum steht in voller Blüte. Wir fühlen uns sehr wohl und genießen die ruhige, kühle Nacht. Am Mittag, nach guten gemeinsamen Gesprächen, fahren wir weiter und erreichen am Abend Cuenca, eine Stadt mit ca. 350 000 Einwohner. Wir stellen das Auto auf einem 24 h-Parkplatz ab und schauen uns die Stadt an. Wir kaufen uns Hüte: Peter einen original Panamahut und ich einen Panamahut im Borsalinostyle!!! Wenn es heiß ist, weiß man einen Hut zum Schutz vor der Sonne zu schätzen. Die Nacht verbringen wir auf dem Parkplatz, der am Rand eines Parks liegt. Wir haben bereits mittags mitbekommen, dass eine Bühne aufgebaut und die Technik überprüft wird. Laut! Schon beim Zurücklaufen gegen Abend begleiten uns (trotz strömenden Regens) junge Leute in Richtung Park. Habe ich erwähnt, dass der Parkplatz direkt an den Park angrenzt? Lange Rede kurzer Sinn: Wir kommen in den Genuss eines Heavy Metal-Konzert bis 24:00 h. Sehr, sehr laut - mit viel Gewummere, das Auto schwingt mit! Die Nacht macht mich fertig! Ich will schlafen...

Peter geht zum Veranstaltungsort, aber es ist zu laut, zu nass, so dass er bald wieder kommt. Auch dort vibriert der Boden.

Vulkane - Wir befinden uns weiterhin im Feuergürtel Südamerikas.

Wenn ich im Reiseführer über den Vulkanismus Ecuadors lese, frage ich mich, wer dort leben will? Und hoffe, alle aktiven Vulkane bleiben schön still wenn wir in der Gegend sind, denn die Folgen der Ausbrüche sind verheerend.

(Meine Infos sind u.a. aus dem Reiseführer Ecuador, Volker Feser, Michael Müller Verlag, Ausg. 2013)

Ich erfahre, dass es im Pazifik verschieden Platten gibt - die Karibische Platte, Cocosplatte, Nazcaplatte und Antarktische Platte - und unter dem Festland befindet sich die Südamerikanische Platte. Diese Platten schieben sich jährlich aufeinander zu: 9 cm vom Atlantik, 5 cm vom Festland her. Da kann man sich vorstellen, dass es immer wieder zu Kollisionen kommt.

Es gibt in Ecuador fast 70 Vulkane. Davon werden 18 als aktiv oder potentiell aktiv angesehen. Seit 1999 sind vier davon wiederholt ausgebrochen. Deshalb versucht man durch ein Netz an Überwachungsstationen Daten zu sammeln und gfls. mit Aktivitäten anhand von Messungen und Gasuntersuchungen der Gefahr zu begegnen.

Fünf besonders aktive Vulkane werden genauer überwacht. Das sind allen voran der Tungurahua, aber auch der Reventador der Cayambe, der Guagua Pichina und der Cotopaxi.

Mich ängstigt die Gefahr der Vulkanausbrüche und Erdbeben doch sehr. Über Generationen wurden Städte und Dörfer zerstört, neu aufgebaut und dort weiter gelebt. Sprechen wir betroffene Menschen darauf an so stellen wir fest, dass sie gelernt haben, mit der Gefahr zu leben. Es wird Vorsorge getroffe indem z.B. potentielle Vulkane zentral überwacht werden. Unterwegs begegnen uns ausgeschilderte Fluchtwege und Anzeigetafeln (grüne, orange und rote Markierungen! Pfeil auf Grün ist prima!).

Auf unserem Weg nach Norden Richtung Quito, auf der Strasse der Vulkane, sind wir durch satt grüne und fruchtbare Landschaften gefahren. Das sei ein Nebeneffekt der vulkanischen Aktivitäten! Vulkanisches Material ist sehr mineralreich und enthält Magnesium, Kalzium, Phosphor und Schwefel; alle gut für das Wachstum von Pflanzen. Ascheregen zerstört Ernten usw., hat aber in den Folgejahren einen massiv düngenden Effekt.

Wenn Ihr mehr wissen wollt – und es gibt sehr viel zu erfahren: Reiseführer/Internet.

Die weitere Fahrt:

Wir bewegen uns von Cuenca über Ambato auf Quito zu, weichen immer wieder von der Hauptroute, der Panamericana Sur, rechts und links in Nationalparks mit den Vulkanen - Chimborazo und Cotopaxi - ab. Und wir machen die Quilotoa Rundfahrt, die uns zur gleichnamigen Lagune bringt.  Abseits von der Panamericana kommen wir in die landschaftlich schöne und grüne Westkordilliere, durch einige sehr ursprünglich indianische Dörfer zur 3900 m hoch gelegenen und grün schimmernden Lagune Quilotoa. Der Strand liegt 400 m unter dem Kraterrand.

Mir geht es dort in der Höhe nicht gut; ich habe schon tags zuvor rasende Kopfschmerzen. Eigentlich fühle ich mich in den Bergen wohl und wir haben uns nicht selten über zu 5000 m Höhe aufhalten können. Doch in Ecuador ist es anders. Man kann auf einem Weg bis zu 2500 m hoch oder runter fahren. Vielleicht liegt es an den schnellen Abfolgen der Höhenunterschiede.

Wir haben aufgrund meines Befindens darauf verzichtet, die Lagune auf der Kraterspitzen zu umwandern (5 h). Es ist auch ziemlich kalt, nebelig und der Wind pfeift saukalt um die Ohren. Nachts beträgt die Temperatur 4 Grad und das in der Nähe vom Äquator! Wir übernachten auf dem Besucherparkplatz.

Am kommenden Tag, es ist der 31.12., wollen wir in Ruhe die Silvesternacht verbringen und fahren den Nationalpark Cotopaxi an. Wir haben schon auf der Hinfahrt zur Lagune einige Straßensperren aus Seilen oder Holzbalken zu bewältigen. Mit dem Ruf „Colaboration“ werden wir aufgehalten. Das ist lustig und interessant. Meist halten uns maskierte Kinder oder Jugendliche an. Sie tanzen für uns, zeigen Bein und haben ihren Spaß. Manche sind etwas gewaltmäßig maskiert und halten uns mit einer Knarre an. Sie lassen uns erst weiter fahren, wenn wir ihnen Geld oder ein Geschenk geben. Insgesamt bereitet sich die Bevölkerung auf ein Fest zum Jahresende vor; es werden Musikboxen aufgestellt, Straßen geschmückt und vor den Häuser sitzen ein oder mehrere lebensgroße Stoffpuppen. Autos werden mit kleineren Versionen bestückt, auf Stoßstangen oder Dachgepäckträger...

Wir hatten uns bereits unterwegs über die vielen am Straßenrand sitzenden und zum Verkauf angebotenen, menschengroße Puppen gewundert. Uns wurde berichtet, dass diese Puppen den Ballast des alten Jahres symbolisieren und sie in der Neujahrsnacht angezündet oder in die Luft gejagt werden. Das alte Jahr wird damit abgeschlossen, ein neues beginnt. Dazu gehört auch die Colaboration!

Weil wir kein Kleingeld und keine Lust mehr haben weiter Geld zu verschenken, kaufen wir vor der Weiterfahrt jede Menge Bonbons und Lutscher ein. Außerdem habe ich noch Kleinigkeiten in unserer Geschenkekiste. Aber am 31.12. wird der Weg zunehmend für uns zur Tortur: Eine Wegsperrung nach der anderen, manchmal schon nach 100 m. Es wird getanzt und anschließend die Hand aufgehalten... Peter ist irgendwann genervt und wir kommen nicht weiter, denn das ständige Bremsen und am-Berg-anfahren ist mit dem ohnehin schweren Auto kein Spaß. Aber es ist ein großes Schauspiel für alle Beteiligten und wir versuchen die Sache mit Humor zu nehmen. Oft stehen ganze Generationen um die Sperren herum und freuen sich über die Geschenke, bedanken sich, winken und wünschen ein gutes neues Jahr. Es gibt aber auch Sperren, an denen Dollars von uns verlangt werden; darauf haben wir keine Lust.

Wir verschenken Vieles, Luftballons, schöne Stifte, Malstifte, Süßigkeiten, kleine Münzen, zuletzt noch unser bunten Weihnachtsketten aus Peru, die ich mangels Alternative jemanden um den Hals wickle.

Bei aller Freude und Herzlichkeit, sind wir froh, dass wir schließlich im Nationalpark ankommen und dort absolute Ruhe einkehrt - wenn der Vulkan Cotopaxi dies wünscht. Dass er zu den aktiven Vulkanen gehört, wird mir erst am nächsten Tag so richtig klar Er bleibt ruhig! Der Cotopaxi ist der höchste aktive Vulkankegel der Erde (5897 m) und seine Ausbrüche in der Vergangenheit (zuletzt am 26. Juni 1877) hatten katastrophale Folgen. Im Nachhinein haben wir gehört, dass er doch erst kürzlich „gespuckt“ hat (2014), allerdings nur Ascheregen!

Wir verfolgen weiter unseren Weg nach Quito halten an, um ca. 3 h zu einem Wasserfall zu wandern. Wir haben eine ruhige Nacht auf dem Waldpark und setzten am nächsten Tag unsere Reise fort. Das Auto macht komische Geräusche, die wir erst auf Asphalt richtig hören! Die Rundumkontrolle ergibt: ein dicker Stein hat sich zwischen den Reifen verklemmt! Wir stehen am Straßenrand, Peter legt sich unter das Auto und beginnt mit großem Werkzeug zu klopfen. Nix bewegt sich, also muss ich die Luft aus einem Reifen lassen. Nach anstrengender weiterer Klopferei löst sich der Stein. Gott sei Dank ist es ein runder glatter...

Eine im Jeep vorbeifahrende Frau bleibt stehen. Sie sieht Peter mit dem Kompressor die fehlende Luft in den Reifen pumpen und fragt, ob wir ihren vorderen linken Reifen auch aufpumpen können. Darin haben wir inzwischen Übung, denn wir werden eigentlich immer gefragt, sobald der Kompressor sichtbar ist. Nach einer Stunde fahren wir weiter, um endlich in die 2,5 Millionen große Stadt Quito zu kommen.

In den folgenden 2 Tagen schauen wir uns die Stadt an und besuchen den ca. 25 km entfernten Äquator. Wir waren sozusagen am Nullpunkt!

Und wir gehen in Quito in ein Reisebüro. Peter’s Traum soll sich erfüllen den er vor 40 Jahren während seiner Südamerikareise nicht realisieren konnte: ein Besuch der Galapagosinseln. Davon werden wir euch im nächsten Beitrag berichten!!! 

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Kommentare: 1
  • #1

    Andre (Samstag, 11 Februar 2017 23:40)

    Hallo ihr zwei Weltenbummler, ich hänge beim lesen eurer Einträge mal wieder ein wenig hinterher. Als ich im Oktober 2015 in ecuador war, konnte ich leider nicht zum Cotopaxi. Der gesamte NP war gesperrt und in Quito waren sich alle einig, vor Weihnachten (2015) wird der Vulkan ausbrechen. Wo habt ihr euer Wohnmobil in Quito geparkt? Cuenca fand ich auch sehr toll. Ach Mensch, ich beneide euch sehr um eure Tour. Bin übrigens gerade mal wieder im Schwarzwald. Letzte Woche war ich mit Freunden in Sölden zum Skilaufen und auf der Rücktour hat mich ein Freund heute bei meinen Eltern abgesetzt. Morgen ist mein Geburtstag, den ich dann dieses Jahr mal im Schwarzwald begehen werde (letztes Jahr zum 40ten war ich ja in La Paz) ...
    Weiterhin viel Spaß
    Gruß André

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