Von Lima bis Nordperu

Die Küste entlang zwischen Nazca und Lima: Sand, Wind, Trockenheit und heiß! Müll überall... Der Wind wirbelt den Sand auf, Plastikteile verteilen sich bleiben überall hängen. Nicht schön... scheinbar nur für uns. Die Bürger Perus leben mittendrin.

Heute übernachten wir am Strand, wir sind ca. 100 km vor Lima. Neben uns hält ein Van und eine große Familie die offensichtlich den Tag am Strand verbracht hat, steigt mit viel Palaver ein und fährt weg. Zurück bleiben 2 große Mülltüten! 5 m weiter ein Mülleimer!!! Die stehen jetzt auf dem Parkplatz und warten auf Entsorgung. Nachts werden sie sicherlich von Hunden durchwühlt und der Rest wird verteilt....

 

Wenn wir momentan tanken, bekommen wir Geschenke. So wurden uns einmal 3 Toilettenpapierrollen und 4 Kekspäckchen und ein anderes Mal 2 Flaschen Wasser geschenkt.

 

 

Morgens geht es weiter nach Lima. Der Verkehr wird dichter und vor Lima ist alles zu. Unser Ziel ist der Stadtteil Miraflores, denn dort gibt es ein Hostal namens Hitchhikers, die Stellplätze im Innenhof anbieten. Bereits in La Paz wurde uns eine telefonische Anmeldung empfohlen, aber wir haben trotz aller Mühen keine Telefonnummer gefunden, so dass wir jetzt einfach hinfahren und unser Glück versuchen. Wir sehen schon bei der Anfahrt, dass der Hof mit vier Campern voll ist. Auf Nachfrage erfahren wir, dass wir am kommenden Tag einen Stellplatz haben können. Peter reserviert für drei Nächte. Ja, aber wohin die eine Nacht? Wir finden auch im Internet keine Möglichkeit, sodass wir erst einmal an der Uferpromenade von Miraflores parken und uns dort umschauen. Dort vielfältige Freizeitaktivitäten und wir sitzen auf einer Bank und schauen zu. Vor uns ist ein Paraglider-Startplatz. Zum Starten ist er ganz gut, denn es geht steil runter zum Meer. Es können Tandem-Flüge gebucht werden, was an diesem Nachmittag ausgiebig genutzt wird. Für uns ein interessantes Schauspiel und Peter, der in einem früheren Leben Drachen geflogen ist, erklärt mir die Winde und Steuerungsmöglichkeiten usw... Später, mit Hunger im Bauch, besuchen wir den Stadtteil: gepflegte Wohnhäuser, teilweise ziemlich hoch, wohlhabender Stadtteil!

Abends beschließen wir, auf dem Parkplatz zu schlafen. Das gelingt bis 24 h, dann wird geklopft. Vor uns steht die „Stadtteilpolizei“ und will wissen, ob wir eine Toilette im Womo haben? Peter zeigt sie Ihnen und nach viel Palaver kehrt Ruhe ein. Nach ½ h kommen neue Polizisten, die uns auffordern den Platz zu räumen. Inzwischen ist uns aufgefallen, dass noch ein 2. Campingauto (ebenfalls Deutsche) vor uns steht. Auch sie sollen verschwinden. Wir wollen wissen, wohin wir können. Das ist der Polizei egal, Hauptsache weg. Parken darf man, aber nicht übernachten. Peter ist sauer, dreht den Schlüssel ab und geht weg. Er parkt! Die Polizei fotografiert unsere Autos, stehen rum und telefonieren. Nach einer Weile kommt Peter wieder und es wird angeboten, dass die Polizei uns zu einem Parkplatz an einer Schule fährt, damit wir den Rest der Nacht dort verbringen können. Ok. Ein Konvoi mit blinkendem Polizeiauto fährt zur Schule. Morgens gegen 7:00 h wieder energisches Klopfen gegen das Auto: Wir müssen weg, weil wir auf dem Lehrerparkplatz stehen. Ok, das machen wir und suchen den Biobäcker, der einige Straßen weiter „gescheites“ Brot verkauft. Wir finden einen Parkplatz und frühstücken erst einmal. Später kaufen wir uns super gutes Biobrot und Brötchen.

Als wir im Hostal ankommen, ist der Platz für uns frei, aber der Platz reicht nicht, um das Tor zu schließen. Der Camper vor uns hat ausladend Fahrräder hinten drauf. Sie sind nicht da, so dass das Auto nicht bewegt werden kann. Wir versuchen die Räder abzunehmen, aber eine Kette  verhindert das. Wir polstern unsere Motorhaube so dick wie möglich und Peter fährt so weit es geht vor. Das Tor geht zu! Die Nächte sind laut, aber wir sind gut untergebracht!

 

Am nächsten Tag geht es mit dem Taxi in die Innenstadt von Lima. Der Taxifahrer fährt uns vorab schon mal an einigen Sehenswürdigkeiten vorbei. Mir gefällt die Stadt sehr.

Vorab einige Daten zu Lima:

Lima, am Pazifik gelegen, ist die zweitgrößte Wüstenstadt (nach Kairo) der Erde. Sie liegt 154 m über dem Meeresspiegel und bedeckt ca. 70 qkm Fläche in einer Oase der Küstenwüste. Es leben ca. Zehn-Millionen-Einwohner in der Stadt und täglich kommen mehr dazu. Während die wohlhabende Oberschicht Limas in prachtvollen Wohnvierteln mit gepflegten Rasenflächen und Dienstpersonal lebt, siedeln sich die Armen immer weiter in der Wüste an, in Wellblechhütten ohne Wasser und Strom.

Unser Stadtgang beginnt auf dem zentralen Platz, dem Plaza Mayor. Hier pulsierte das Leben. Rund um den Platz sind drei wichtige Gebäude: der Regierungspalast, die Kathedrale und das Rathaus. Wir sind noch dabei  zu überlegen, wie wir das Ganze angehen, da werde ich von einer Frau angesprochen, deren Schüler und Schülerinnen ein paar Fragen in Englisch an uns stellen wollen. Sie sind in einer Abschlussklasse des Colegio. Das Frage- und Antwortspiel beginnt ... über uns, unsere Reise über Deutschland ... und nach anfänglicher Zurückhaltung wird der Austausch immer lebhafter. Ein Schüler nimmt das Ganze mit den Handy auf. Das Ende mündet in ein Fotoshooting in verschiedenen Gruppenkonstellationen. Peter und ich erhalten einen peruanischen Schlüsselanhänger als Dankeschön. Das ist mal ein nettes Zwischenspiel!

Wir bewegen uns an den Sehenswürdigkeiten entlang und gehen durch die Fußgängerzone zum alten Bahnhof, der inzwischen nicht mehr in Betrieb und eine Bücherei untergebracht ist. Es ist ein neoklassizistisches Gebäude aus dem Jahr 1908 und hat wunderschöne Glasdecken. Peter, der vor 40 Jahren in Peru und auch in Lima war, ist damals noch mit dem Zug aus Huancayo angekommen.

Unser nächstes Ziel ist die Kirche San Francisco; übrigens die zweite Kirche in der gerade eine Trauung stattfindet – das soll uns später noch mehrmals passieren.

Wir gehen in das nebenliegende Museum und lassen uns durch das Konvent führen. Neben beeindruckenden Statuen, Holzarbeiten und venezianischen Malereien, sehen wir Werke von Rubens und Van Dyk. Heute leben noch ca. 50 Franziskanermönche dort.

Die Katakomben des Konvents wurden 1951 entdeckt. Sie dienten der Stadt Lima bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts als Friedhof. So konnten wir jede Menge Knochen und Totenköpfe besichtigen. Angeblich sollen sie von ca. 70 000 Verstorbenen stammen. Während unseres makabreren unterirdischen Rundgangs kamen wir an Treppen, die direkt in das Gotteshaus führten, allerdings mit einem Gitter verschlossen waren. Der gerade stattfindende Traugottesdienst konnte dort gut mitverfolgt werden.

Wir wandern weiter und bewundern die vielen an den Häusern schwebenden Holzbalkone. Der älteste Balkon stammt aus dem 17. Jahrhundert.

Am Mercado Central stossen wir auf die riesige Markthallen und hier ist der Teufel los. Wir treiben durch die Verkaufsreihen. Es gibt alles!!!

Neben dem Markt beginnt das Chinesenviertel, deutlich erkennbar an einem Torbogen. Wir schieben uns durch das Getümmel der Calle Capón und der Hunger treibt uns in ein Lokal zum Mittagessen.

Es sollen rund 300 000 Chinesen in Lima leben. 

Wir erfreuen uns an schönen Gebäuden, an weiteren Kirchen, an unzähligen Geschäften mit stark glitzernden, blinkenden und leuchtenden Weihnachtsachen und genießen den Großstadtflair. Bis unsere Füße müde werden und das Womo ruft.

 

Nach vier Tagen Lima und Umgebung fahren wir weiter. Aber aus dem dichten Verkehr von Lima raus zu kommen ist nicht einfach, denn die Stadt hat eine Ausdehnung von 70 Km (also ungefähr so weit wie Stuttgart – Heilbronn). Es geht Richtung Norden, am Pazifik entlang bis Paramonga und dann in die Berge. Ziel ist der Nationalpark Huascarán.

In Huaraz (3053; ca. 115 000 Einwohner) übernachten wir. Bereits die Anfahrt ist trotz Bewölkung sehr schön, denn wir kommen immer weiter  die Berge der Cordillera Negra und Cordillera Blanca, Riesen, mit Höhen bis zu 6800 m. Ungeheuer beeindruckend. Das Wetter ist leider nicht ideal zum Fotografieren. Wir genießen trotzdem den Anblick und das Anfahren der Pässe. Diesmal sind zunächst die Straßen ganz gut zu befahren; später werden sie immer rubbeliger, enger, ausgefahrener, haarnadelkurviger, Schotter, Steine... Peter hat seine Mühen das Auto zu beherrschen, damit das Womo nicht zu sehr ins Schwanken gerät. Auf längere Zeit ist das „Mit“fahren auch ganz schön anstrengend. Meist versuche ich vorauszuschauen und Peter über kommenden Gegenverkehr zu informieren, denn es gibt jede Menge unübersichtliche Kurven und schnellfahrende Busse, PKWs und Lastwagen. Hier aneinander vorbeizufahren ist echt ein Erlebnis, Millimeterarbeit, und ich sitze meist auf der Seite an der die Piste, ungesichert steil nach unten abfällt.

Wir erreichen den Nationalpark Huascarán, der ein Traum für Wanderungen und Bergbesteigungen sein soll. Unserer ist es nicht, vor allem weil das Wetter bescheiden: Nebel, Regen; Schnee... Es ist insgesamt verboten, ohne Guide unterwegs zu sein.

Wir überqueren zwei Pässe, genießen die Landschaft, kommen in schwindelnden Höhen immer noch durch Bergdörfer, deren Bewohner und Bewohnerinnen uns anschauen, als kämen wir vom Mond. Es kommt eben nicht alle Tage so ein Womo vorbei. Nach der ersten Überraschung wird gewunken und gelacht. Baustellen zwingen uns zum Warten (1-2 h) und Umleitungen führen uns zu abenteuerlichen Ortsdurchfahrten. Das Auto schnauft und fiept, alles im ersten Gang! Wir übernachten auf einer Wiese, weil die Fahrt länger dauert als gedacht. Es ist + 4 Grad. Am nächsten Morgen treffen wir ein motoradfahrendes Paar aus der Schweiz und es werden in strömendem Regen Neuigkeiten ausgetauscht. Wir fragen, ob sie ins Womo kommen wollen und bereite Ihnen einen heißen Tee und ein Frühstück dazu. Sie sind schon vor 7:00 h losgefahren. Nach einer ausgiebigen Pause trennen sich die Wege und wir setzen unseren beschwerlichen Weg zum nächsten Pass weiter fort. Wir erklimmen die Höhe von 4 800 m und befinden uns in dichtem Nebel und Schneetreiben. (Schaut Euch die Fotos an). Abends landen wir in Caraz. Dort scheint die Sonne wieder und wir bleiben 2 Tage, nicht zuletzt, weil das Auto in die Werkstatt muss, damit der Radstand neue justiert wird, denn die neuen Reifen sind vorne sehr unregelmäßig abgefahren. Zudem treffen wir noch nette Reisende aus Holland, Kalifornien und Deutschland! Die Zeit vergeht schnell.

 

Unsere Weiterfahrt führt uns von Caraz in die „Entenschlucht“, dem Cañón del Pato. Andere Reisende hatten uns bereits davon erzählt. Sie sei spektakulär zu Fahren, besonders dem Ende zu... So ist es. Die steil aufragende Berge rücken bis zu beindruckende 15 m zueinander. Nur ein Spalt trennen die beiden Cordillieren Negra und Blanca. Die Strasse ist einspurig, hat starke Überhänge und enge Kurven und 35 Tunnel sind zu passieren. Nicht immer ist klar, ob wir mit dem Womo überhaupt durch die Tunnels kommen. Aber die Felsenlandschaft ist beeindrucken. Das Flusswasser wird in ein großes Wasserkraftwerk geleitet. Gegen Ende des Cañóns sehen wir wieder Wasser im Fluss und vor uns öffnet sich ein grünes Tal, bepflanzt mit Reis und Trauben. Es ist eine Wohltat für die Augen das Grün zu sehen, nachdem Kilometerweit Stein, Geröll und vegetationslose Berge uns begleiten.

Die Fahrt geht nun weiter an der Küste entlang Richtung Ecuador. Wir wollen dort unbedingt bis 22.12. sein, denn dann läuft unsere KFZ-Versicherung ab! Der Weg führt uns die Panamerika Norte entlang durch Sand, Wind und verwehten Plastiktüten.

Am 20.12. abends stellen wir uns auf einen Platz unter franko-schweizerischer Regie (Swiss Wassi), direkt am Meer mit Palmen und Kokosnüssen. Nach langem Hin und Her entscheiden wir, dass wir Weihnachten hier feiern. Damit riskieren wir evtl. einen Anschiss wegen der Versicherung. Es sind noch 50 km bis zur Grenze ... und das werden wir ja unfallfrei schaffen!

 

So, jetzt bleibt uns nur noch Euch ALLEN ein schönes und friedliche Weihnachtsfest zu wünschen und für das Jahr 2017 das Beste, vor allem Gesundheit. Freunde und Freundinnen, die gesundheitlich leiden, wünschen wir Mut und Hoffnung, aber auch Unterstützung und Verständnis. Denjenigen die Kinder haben wünschen wir schöne und sorglose Stunden und Freude am Kinderlachen...

Wir sind privilegiert! Wir haben  ALLES – gemessen an dem was wir in Bolivien und Peru gesehen haben. Dafür sollten wir dankbar sein. Vielleicht gelingt es uns, unwichtige Dinge weniger wichtig zu nehmen und nicht daran zu zermürben.

 

Wir freuen uns, wenn wir Euch wiedersehen. In Gedanken sind wir beisammen.    

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Kommentare: 1
  • #1

    Andre (Donnerstag, 29 Dezember 2016 13:18)

    Auch wenn Weihnachten schon hinter uns liegt, so wünsche ich euch trotzdem "Frohe Weihnachten", denn das muss in eurem Blog ja dokumentiert werden. In Lima war ich eine Woche und hatte dort sehr netten Anschluss gefunden, welcher mir sehr viel von seiner Heimatstadt gezeigt hat (danke dafür Franco). Franco lebt jetzt übrigens in Berlin (hat sich verliebt und ist kurz davor zu heiraten). in Huaraz war ich Anfang Januar, also nur 1-2 Wochen nach euch und trotzdem hatte ich ganz anderes Wetter (El Nino sei dank) ... es war sonnig und warm und ich konnte dank der netten Guides des Alkipo Hostals grandiose Wanderungen machen. Am Pastoruri Gletscher mit 5150m Höhe hatte ich meinen höchsten Punkt der Reise und auch meinen bisher höchsten Punkt meines Lebens ... mal schauen wann und wo ich das noch toppen werde.
    Wo wollt ihr denn ins neue Jahr 2017 rutschen? Seit ihr dann schon in Ecuador? Schafft ihr es bis Cuenca ... eine sehr schöne Stadt in Ecuador. Wollt ihr auf die Galapagos? Ich wünsche euch auf alle Fälle einen Guten Rutsch ins neue Jahr und weiterhin ganz viele tolle Erlebnisse auf eurer Tour!

    Den folgenden Satz aus eurem Blog finde ich sehr schön, es liegt soviel Wahrheit darin und man muss sich das immer wieder ins Gedächtnis rufen. Das habe ich vor 4 Wochen im Mumbai bei einer tour durch den 1 Million Einwohner Slum Dharavi gemacht wo die Menschen in erbärmlichsten Verhältnissen leben und arbeiten!

    "Wir sind privilegiert! Wir haben ALLES – gemessen an dem was wir in Bolivien und Peru gesehen haben. Dafür sollten wir dankbar sein. Vielleicht gelingt es uns, unwichtige Dinge weniger wichtig zu nehmen und nicht daran zu zermürben. "

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