Titicacasee bis Nazca

Wir fahren nach Puno, um die KFZ – Versicherung für Peru abzuschließen. Dies läuft quasi reibungslos, denn wir müssen nur eine Stunde auf den zuständigen Herrn warten. Wir übernachten auf einem 24 h Stunden-Parkplatz. Und sind nicht bestohlen worden, obwohl wir einige Beispiele gehört haben.

Wir wollen in den Colca Canyon, eine tiefe Schlucht, die vom gleichnamigen Fluss in Jahrmillionen geformt wurde.

Aber: wir haben kein Bargeld mehr und müssen deshalb bis Arequipa fahren, denn nur dort gibt es Kartenautomaten. Der Weg führ uns durch das Hochland (ca. 4500 m). Die Stadt Arequipa liegt auf ca. 2300 m, in dem fruchtbaren Tal des Rio Chili, in dem Landwirtschaft und Viehzucht betrieben wird. Die Stadt beherbergt fast eine Million Menschen. Es ist Freitagabend und wir tauchen in den quirligen Alltag der Stadt ein (inklusive dem lebhaften Verkehr, der allerdings mit dem von La Paz nicht mithalten kann).

Wir schauen uns den schönen Stadtkern an, mit Kirchen, Klöster, Kolonialbauten, die meist aus hellem Tuffstein gebaut sind. Arequipa hat den Beinamen „Ciudad blanca“ (die weiße Stadt).  Am Plaza de Armas, der mit der Kathedrale das innerstädtische Zentrum bilden, besteigen wir die Dachterrasse eines Hotels, essen eine Kleinigkeit und haben einen schönen Ausblick über Teile der Stadt!

 

 

Wir haben wieder Geld, die Stadt gesehen, Wäsche gewaschen, eingekauft..., also fahren wir zurück zu unserem ursprünglichen Ziel: Colca-Canyon, an dessen Beginn der Ort Chivay das Eingangstor bildet.

Lt. Reiseführer (Reise know how, Peru/Bolivien, 8. Ausgabe 2014) soll die Schlucht noch gewaltiger sein, als der Gran Canyon (USA). Außerdem sollen Anden-Kondore und Riesenkolibris – neben weiteren 170 Vogelarten – in ihrer natürlichen Umgebung – zu sehen sein.

Die Einfahrt in das Tal, die zum Colca Canyon führt ist atemberaubend schön – trotz des bewölkten Himmel. Die Hänge des Canyons sind mit Terrassenanlagen (andenes) überzogen, die größtenteils bepflanzt sind. Schon zu Zeiten der frühen Inkas wuchsen dort Mais, Kartoffeln, Bohnen und weitere Obst- und Gemüsesorten.

Wir kommen gegen Abend am „Mirador Cruz del Cóndor“ an und stellen uns zum Übernachten auf den danebenliegenden Parkplatz. Morgens sind dann gleich „am Puls der Zeit“ – vor den vielen Touristenbusse. Peter begibt sich gegen 5:30 h zum Mirador. Ich folge ihm etwas später mit belegten Brötchen... und die Warterei geht los.

 Infos zu dem Kondor (Vultur gryphus): Er gehört zur Gruppe der Geier; wird bis zu 70 Jahre alt, hat eine Flügelspannweite bis zu 3,20 m und ist damit einer der größten Raubtiere der Welt. Kondore bleiben ihren Partnern treu. Sie werden mit 12 Jahren geschlechtsreif und die Weibchen legen nur alle drei Jahre ein Ei.

Wir stehen also da, blicken in ca. 1200 m Tiefe ca. 5000 m Höhe und warten auf vorbei-fliegende Kondore. Der Zauber der Bergwelt bei Sonnenaufgang ist unbeschreiblich.

Die Busse treffen nach und nach ein und die Aussichtsplattformen füllen sich mit Touristen. Wolken ziehen auf und die Kondore lassen auf sich warten. Wir hören, dass sie bei schlechtem Wetter nicht – oder später - fliegen. Gegen 9:00 h geben wir auf! Kein Kondor gesehen, dafür jede Menge Leute. Wir können den Verlust verschmerzen, weil wir bereits in Argentinien und Chile Kondore gesehen und fotografiert haben.

Wir fahren aus dem Tal hinaus und freuen uns an der schönen Landschaft. Und was wären die Anden ohne Lamas?? Lamas, Alpakas, Guanakos und Vicuñas gehören zur Familie der Andenkamele. Sie liefern Fleisch, Wolle und dienen als Transportmittel. Die Tiere sind anspruchslos und können in Höhen von 2500 m bis 5000 m gut leben.

Guanakos und Vicuñias haben wir bereits in großen Herden in Argentinien und Chile gesehen. Lamas und Alpakas eher hier im Hochland und ich finde sie besonders drollig. Vor allem wenn sie in Peru mit bunten Bändern geschmückt werden. So erkennen die Besitzer ihre Tiere in einer Herde.

Unser Weg führt uns weiter durch das Hochland Richtung Cusco, der berühmten Inkastadt. Wir erreichen wieder Höhen bis 5000 m und erleben sogar Schneefall. Ob wir vorher abbiegen um die Rainbow Mountains zu ersteigen machen wir vom Wetter abhängig. Das Wetter hält sch, also biegen wir vor Cusco in ein Tal ab in die Bergwelt des Nevada de Ausangate, der mit seinen 6384 m und weißem Gipfel alle Blicke auf sich zieht. Wir durchfahren eine wunderschöne Bergwelt, und immer noch sehen wir Dörfer, Menschen in bunten Trachten und Tiere, die dort leben (von was eigentlich?) Am Ende unseres Zieles treffen wir auf eine bunte Vielfalt von Einheimischen, die Ware anbieten, bunt gesattelte Pferde, Autos, Lastwagen, Touristenbusse... Wir werden sofort angesprochen, ob wir Begleitung zu den Rainbow Mountains benötigen, denn um diese Berge sehen zu können, müssen wir weitere 6,5 km in die Bergwelt aufsteigen - bis auf 5000 m hoch. Uns wird die Luft zeitweise jetzt schon zu knapp!!

Es ist Mittag und wir entscheiden, dass wir an Ort und Stelle übernachten und gleich morgens früh am folgenden Tag zu den Rainbow Moutains aufsteigen. Aber – da ich nicht weiß, ob ich bis 5000 m hoch laufen kann – machen wir dies per Pferd. ( Mutig, denke ich hinterher und überlege, wann ich je auf einem Pferd geritten bin? Als Kind auf einem Ackergaul! Oh je, schlaflos mache ich mir Sorgen, wie das gehen soll ). Nachts ist es eher kalt und es graupelt. Morgens um 5:00 h, es wird hell, geht es los. Na ja, eher 5:30 h bis alles beisammen: 2 Pferde, 2 Führer und vereinbarter Preis.

Zuerst müssen wir eine steile, rutschige Stelle ca. 150 Höhenmeter ohne Pferd (weil zu gefährlich) erklimmen. Danach bin ich völlig außer Atem. Als der Boden fester wird sind die Pferde dran. Ich steige auf: die große Maria, das kleine Pferd!! Mir tut es echt leid. Die Einheimischen sind alle klein! Peter, der in früheren Zeiten ein Pferd hatte, gibt mir Anregungen, wie ich das Pferd entlasten kann. Ich versuche Ihnen nachzukommen, was mich aber völlig verkrampft. 2 ½ Stunden dauert der Aufstieg: gute Strecken per Pferd, schlechte, steinige wieder zu Fuß. Kurz vorm Gipfel (auf 4800 m) ist das Pferd erlöst, wir jedoch sollen noch auf 5000 m (sehr steil) zum Aussichtspunkt aufsteigen. Ich gebe auf! Mensch, ich werde demnächst 65! Peter geht alleine, schwer atmend und keuchend und macht dort oben wundervolle Fotos!

Gegen 9:00 h beginnt der Abstieg; längere Zeit zu Fuß und das ist mir gerade recht. Jetzt kommen uns vermehrt Touristen und Einheimische mit Pferden entgegen und je weiter wir runter kommen, umso mehr sind es. Wir sind sehr froh, uns für den frühen Aufbruch entschieden zu haben, denn die Sonne verschwindet hinter den Wolken und es regnet zeitweise.

Nach 2 Stunden entlohnen wir unsere Führer und steigen den Rest des steilen Berges alleine runter.

Ziemlich geschafft, trotzdem zufrieden und glücklich erreichen wir das Womo. Wir haben eine wunderbare Bergwelt genossen und hatten Begegnungen mit Menschen die in einer Einfachheit leben, die wir nicht nachvollziehen können.

Und wie das mit dem zu erwartenden Muskelkater wird, zeigt sich Morgen.

Peter will keine lange Pause einlegen, sondern wegen des schlechten Wetters zügig nach Cusco weiterfahren.

Wir kommen gegen Abend in Cusco an. Wir wollen zu einem Wohnmobilstellplatz und müssen dafür die Stadt durchqueren Richtung  Sacsayhumàn. Wie immer: die Stadt ist voller Autos, mit engen, teilweise steile Straßen. Und wie immer: Millimeterarbeit... Das Navi bietet uns die kürzesten Wege an, weiß aber nicht, wie groß das Womo ist und wie eng die Straßen!!! Wir lernen, dem Navi nicht immer zu gehorchen und Hauptstraßen zu befahren und alles Enge und Steile zu meiden.

Am Morgen nach der Ankunft legt sich Peter unters Auto, kontrolliert, zieht Schrauben an, sprüht ein und repariert. Das zieht sich bis in den Mittag hin. Ich versuche derweil den feinen, überall sitzenden Staub aus dem Auto und dem Womo zu vertreiben. Im Klartext: ich putze.

Mittags gehen wir zum naheliegenden Sacsayhuamán, einer Festung der Inka. Besonders beeindruckend sind passgenauen Steinarbeiten. Es soll 50 Jahre gedauert haben, bis die Festung mit all ihren Mauern, Türme unterirdische Gänge usw... errichtet waren. Es sollen 5 000 Soldaten stationiert gewesen sein.  Später trugen die Spanier Stein für Stein ab, um damit die Stadt Cusco aufzubauen.

Cusco, das ehemalige Herz des inkareichs liegt auf 3430 m Höhe und hat ca. 350 000 Einwohner. Cusco gehört zu den schönsten Städten Perus und ist sehr touristisch ausgerichtet. Uns wird der Trubel schnell zu viel. Wir schauen uns die schöne, überschaubare Altstadt an mit den kolonialen Gebäuden, Kirchen und öffentlichen Gebäude/Museen. Besonders interessant war für uns der Stadtteil San Blas, einer der ältesten und urigsten Stadtteile von Cusco. Dort finden wir ein Lokal der deutschen Küche „Granja Heidi“, wo wir vor allem die Spätzle genießen (dir ja Peter selbst gut kann, aber im Womo!!).

Nachdem wir die Inkaruinen rund um Cusco angeschaut haben, sind wir weiter ins Valle Sagrado de los Incas, das „Heilige Tal der Inka“, das landwirtschaftliche Produktionszentrum mit dessen Erzeugnisse die Bevölkerung von Cusco beliefert wurde. Noch heute ernähren sich die Bauern vom Anbau traditioneller Grundnahrungsmittel wie Quinoa, Kartoffeln, Mais und Bohnen. In tiefer liegenden und wärmeren Regionen wird Obst angebaut. Wir begehen u.a. die Inkastädte Pisaq und Ollantaytambo und entschädigen uns für das viel zu teure und zeitlich aufwendige Machu Pichu.

Wir verlassen die Welt der Inkas. Unsere weitere Reise führt uns durch die Berge mit dem Ziel Nazca, das ca. 700 km Richtung West/Pazifik liegt. Die Fahrt ist interessant und unterhaltsam. Wir lieben die Berge in ihrer Vielfalt. Die Strasse führt und durch grüne Täler, riesige Bergketten, von 3000 m auf über 4800 m, hoch und runter. Wir überwinden die Cordillere Oriental und Occidental. Nach zwei Tagen sind wir in Nazca angekommen. Diese Stadt ist voller Staub und Dreck. Hier liegt im außerstädtischen Bereich rechts und links der Strasse der Müll in allen Varianten herum. Hinzu kommt, dass es hier sehr trocken ist. Alles ziemlich trostlos. Wir wollen uns die Geoglyphen von Nazca ansehen, gigantische Bodenzeichnungen in Form von Tieren, Menschen, Pflanzen und geometrische Muster. Das Ganze aus der Luft. Man nimmt an, dass die Zeichnungen zwischen 300 v. Chr. und 700 n. Chr. entstanden sind.Wir kommen gegen 18 h in Nazca an und Peter fährt direkt zum Flughafen. Wir dürfen dort übernachten. Das hatten wir noch nie, obwohl wir schon an undenkbaren Orten übernachtete haben.

Morgens um 6 geht der Motorenlärm los: die Maschinen werden überprüft... Gegen ½ 7 h kommt ein Mensch zu  uns und bietet uns einen Flug an. Um ½ 9 geht es los! Ich muss mich auf die Waage stellen!  So was; aber verständlich denn die Maschine ist Mini und begrenzt. Wir quetschen uns zu sechst hinein: ein holländisches Paar, wir und 2 Piloten. Im Geiste wünsche ich unsern Kiddys alles Gute, falls wir runter fallen. Wir kreisen ca. 20 km von der Stadt entfernt und haben die Gelegenheit, klare Muster und Zeichnungen zu bewundern und zu fotografieren. Durch das Hin und Hergefliege wird mir doch etwas schlecht. Aber ich überstehe das Ganze und wir landen nach 35 Minuten wieder sicher auf dem Boden. Den Mitfliegenden geht es gut und insgesamt sind alle sehr beeindruckt.

 

 

 

Jetzt sitzen auf Einladung des Flughafenmitarbeiters von heute Morgen an einem Hotelpool. Wir können kostenlos auf dem Gelände stehen, lassen unsere Wäsche waschen und genießen das Essen. Und das Internet, um Euch zu schreiben und Fotos zu senden.

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Kommentare: 2
  • #1

    Roland (Sonntag, 11 Dezember 2016 18:44)

    Hatte gerade mal wieder an euch gedacht, tolle Bilder und schöne Erlebnisse, toll das ihr das so erleben könnt
    Lieben Gruß Roland

  • #2

    Andre (Donnerstag, 29 Dezember 2016 12:55)

    Hallo ihr zwei WOMO Abenteurer, als ich am 23.12. in Stuttgart gelandet bin um Weihnachten bei meinen Eltern in ihrer neuen Heimat dem Schwarzwald zu verbringen musste ich unweigerlich an euch denken (hab euch ja dann auch gleich geschrieben). Nun lese ich mal wieder euren Blog und es macht mir noch mehr Spass als im letzten Jahr, da ihr nun Orte abklappert, in denen ich vor fast genau einem Jahr selber unterwegs war. Arrequipa zum Beispiel fand ich die schönste Stadt Perus. Eine 3 tägige Wanderung durch das Valle de Colca war atemberaubend, ausser das ich am letzten Tag den steilen 3 stündigen Aufstieg in 5 Stunden bei 38,5° Fieber gemacht habe und auf die anschliesende 6 stündige Busfahrt zurück nach Arrequipa mit Fieber hätte gerne verzichten können. Cusco war spannend aber zu voll. Im Granja Heidi war ich auch und geschlafen habe ich im Bed&Bakery (Hostel mit eigener tollen Bäckerei) nur 30 sekunden vom Plaza San Blas entfernt. Ollantaytambo war im Heiligen Tal mein absoluter Lieblingsort, da bin ich 2 Nächte weblieben bevor es nach Machu Piccu ging. Habt ihr untem am Bahnhof Alpaca Steak gegessen (grandios)!
    Bin mal gespannt wie es bei euch weiter geht ... wir sehen uns dann hoffentlich im Sommer wenn ich mal wieder bei euch auf der Ecke (Stuttgart, nicht Südamerika) bin :)
    Gruss aus dem heute sonnigen Hamburg, André

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