La Paz bis zum Titicaca

Leider sind uns durch eine Entladung der Computerbatterien/Absturz viele Bilder verloren gegangen. Die waren dann wohl nicht für uns gedacht.

 

 

Das Wichtigste zuerst: Wassernotstand in La Paz.

 

Wir sind in La Paz, 1,1 Mio. Einwohner, die höchstgelegene Großstadt der Erde, 3450 – 4100 m hoch. Sie liegt in einem windgeschützten Talkessel, umgeben von der Cordillera Real mit dem Hausberg Nevado Illimani, der 6439 hoch ist. Die Luft ist dünn und wir kommen schnell ins Schnaufen. Alles geht nur langsam.
Dichte Bebauung mit Hochhäuser, Backsteinhäuser und Wellblechhütten. Sie schlängeln sich aus dem Zentrum in Täler und den Berg hinauf. Die Höhenunterschiede der Stadtteile sind bis zu 650 m.

Die Stadt ist voller Kontraste. Es wimmelt von traditionelle gekleideten Frauen und Männer, aber auch modisch angezogene Menschen, vor allem Jugendliche. Die Stadt ist voll, voll, voll. Es gibt unzählige Kleinbusse (Collectivos), Busse und Taxis. Sie fahren dicht an dich mit Millimeter Distanz. Es wir gehupt, geblockt, gedrängelt. Da das allgemeine Praxis ist, regt sich darüber niemand auf. Undenkbar in Europa.

Wir lassen das Womo im Hof des Hotel Oberland stehen und fahren mit einem Collektivos in die Stadt.

In La Paz gibt es momentan drei Seilbahnen, die von der österreichischen Fa. Doppelmayr gebaut wurden. Weitere sind in Planung und Bau. Sie sollen die Bevölkerung schnell von A nach B bzw. über die Höhen bringen und den dichten Verkehr in der City entlasten – sehr zum Ärger der Collectivofahrer wegen der fehlenden Einnahmequelle (Kosten der Fahrt umgerechnet in Euro: zwischen 30-35 Cent!). Für uns Touris ist die Fahrt mit der Bahn über den Häusern sehr beeindruckend.

Oberhalb La Paz liegt der Ort El Alto (ca. 4100 m) auf dem kalten und windigen Altiplano. Dort wurden und werden die Landflüchtlinge aufgenommen, weil in La Paz kein Platz mehr ist. Inzwischen leben dort oben 1,8 Millionen – vor allem ärmere - Menschen. Viele verdienen sich ihr Brot tagsüber in La Paz.

Wir haben uns in das Getümmel gestürzt, die Altstadt begangen, kleine Geschenkle gekauft... Am folgenden Tag sind wir Seilbahn gefahren: mit der Grünen, der Gelben und der Blauen; eine Strecke kostet 3 Bolivianos ca. 0,50 €.

Am 4. Tag reisen wir ab. Die Fahrt durch die Stadt ist die Hölle. Wegen einer Demonstration (Wasserknappheit) ist die Innenstadt gesperrt, so dass der gesamte Verkehr über kleine Nebenstraßen umgeleitet wird. Es sind ziemliche Steilstrecken zu bewältigen. Es wird sehr eng gefahren (es geht um Millimeter), Rot oder Grün spielt keine Rolle mehr, Kreuzungen stehen zu, so dass sich zeitweise nichts bewegt. Für ein Teilstück von ca. 400 m über 2 Kreuzungen benötigen wir mehr als 1 Stunde. Die Fahrgäste steigen aus sämtlichen Taxis und Busse aus, weil Laufen schneller ist. Und sie schlängeln sich mit allem was sie dabei haben zwischen den wartenden Autos durch. Wenn es dann wirklich 2 m weiter geht, muss aufgepasst werden, dass die kreuzenden Menschen nicht unters Auto kommen. 2 ½ h dauert es, bis wir endlich aus den Umleitungen heraus sind. Unser Ziel ist Copacabana am Titicacasee.

Das Auto fährt gut, trotz schlechtem bolivanischem Diesel und der dünnen Luft. Allerdings heult der Turbo bei jedem Gas geben und einige Male können wir nur mit Getriebeuntersetzung am Berg anfahren. Wir leiden mit dem Auto und unsere Nerven sind zum Zerreisen gespannt. Peter mischt den brasilianischen mit dem bolivianischen Diesel in der Hoffnung, dass die Einspritzdüsen durch geringere Schwefelanteile weniger belastet werden. Deutlich verändert sich unser Abgas zu schwarzem Russ. In Peru soll der Diesel einen geringeren Schwefelgehalt besitzen. Dort möchten wir so schnell wie möglich hin. Also und trotzdem bewundern wir den Titicacasee, dessen südlicher Teil noch zu Bolivien gehört und an dessen Ufer Copacabana liegt. Der Titicacasee liegt auf einer Höhe von fast 4000 m und ist der größte See Südamerikas überhaupt (15 x so groß wie der Bodensee lt. Loose-Reise). Der Weg nach Copacabana führt uns unerwartet aus der Hochlandebene über schwindelnde Berghöhen, weit über 4200 m, mit schönen Aussichten über bergige Graslandschaften und blaues Wasser. Die Temperaturen liegen bei 11 Grad und die Luft ist sehr trocken.

Kein Wasser mehr! Das ganze Gebiet um La Paz ohne Wasser!

La Paz hat einen Stausee, der für das Wasser der Stadt sorgen soll. Aufgrund der Trockenheit (Klimaerwärmung, Gletscherschwund) und Misswirtschaft ist dieses Reservoir ausgeschöpft. Wir sind auf einem Platz, der einem Hotel angeschlossen ist. Auch dort gibt es so gut wie kein Wasser mehr und wir werden angehalten, so wenig wie möglich zu verbrauchen. Es ist zeitweise abgestellt; nur morgens können wir für eine Stunde Wasser abfüllen. Der Besitzer, eine Schweizer, hat einen Tanklaster voll geordert, aber er weiß nicht, ob der Transport das Ziel rechtzeitig erreicht. Nicht selten wird ein Wassertanklastzug blockiert und von notleidenden Menschen um Wasser „erleichtert“. Die Fahrer leisten da keinen Widerstand, denn sie sind selbst Betroffene, und die Polizei schreitet selten ein.

Wir kommen von unserer Seilbahntour zurück und wundern uns über einen Tanklaster und der Traube von Menschen davor, die dort mit allen möglichen Gefäßen versuchen Wasser abzufüllen. So was sehen wir zum ersten Mal. Ich bin immer noch sehr berührt von der Wassernot, die wir ja in Deutschland nicht kennen.

Am nächsten Tag wird das Wasser komplett abgestellt: keine Dusche, keine Toilettenspülung, kein Wasser zum Kochen usw.. Gott sei Dank sind unsere Tanks noch ¾ voll.

Wie wir inzwischen gehört haben, war der Wassernotstand in La Paz und El Alto in einer deutschen Fernsehsendung und in den Nachrichten thematisiert!

Wir übernachten am Strand von Copacabana. Die Nacht ist absolut ruhig. Wir fahren mit einer abenteuerlichen Fähre über den See. Der Weg zur Grenze ist kurz und die Bolivianer fertigen uns schnell ab. Ebenso schnell haben wir in Peru unsere Einreisestempel im Pass. Aber das Auto darf nicht einreisen, da wir keine Versicherung vorweisen können. Diese wollten wir an der Grenze abschließen. Der Zöllner will uns erst nach Puno (150 km einfach) mit dem Bus oder Taxi schicken, erinnert sich aber dann (!), dass es die Versicherung auch in der nahe gelegenen Grenzstadt Yunguyo geben soll. Dort sprechen wir an verschiedenen Stellen, auch Banken, vor. Nada!
Anmerkung: Beim Betreten der Bank muss die Kopfbedeckung abgenommen werden. Amen
Es kann keine Versicherung abgeschlossen werden. Wir werden immer weiter geschickt. Alle Leute sind interessiert, freundlich und hilfsbereit, aber kein Ergebnis. Eine Möglichkeit gibt es noch, aber die betreffende Person ist heute in Bolivien, morgen wieder da (vielleicht). Wir geben auf und gehen erst mal in ein Internetcafé um unsere familiären und freundschaftlichen Kontakte zu pflegen. Dann geht es mit dem Taxi zurück zur Grenze an der unser Auto immer noch zwischen den Schlagbäumen steht. Warten wir ab, was geschieht... Entweder wir dürfen ohne Versicherung bis Puno fahren, um sie dort abzuschließen, oder wir warten vor der Grenze bis Madame aus Bolivien zurück ist und uns dann hoffentlich die richtige Versicherung verkauft. Alternativ wir fahren wieder zurück nach Bolivien und versuchen einen anderen Grenzübergang.

Und ???

Alles löst sich in Wohlgefallen auf. Der nun anwesende Beamte der Aduana nimmt sich unserem Versicherungsproblem an und gibt uns nach viel Palaver und Franz Beckenbauer und Fragen nach der Familie das Einreisepapier für das Auto. Er verlässt sich darauf, dass wir uns in Puno eine Peru-Autoversicherung beschaffen. Das ist ja auch in unserem Interesse. Gott sei Dank - wir können fahren.
Zum guten Schluss erfahren wir, dass die Straße nach Puno von heute an bis morgen Abend blockiert ist. Wegen der Wasser“miss“wirtschaft, die Regionalregierung verkauft wohl Wasser in andere Landesteile - und Strommangel wird gestreikt. Wir beschließen, uns das aus der Nähe anzusehen. Peter, der Optimist, fährt los und nach 20 km erleben wir die Strassenblockade hautnah. Ca. 20 engagierte Frauen und Männer versuchen uns lebhaft den Grund der Blockade zu erklären und fordern uns freundlich aber bestimmt zum Umkehren auf. Dies tun wir auch. Auf der Suche nach einem Abstellplatz versucht Peter noch an anderer Stelle zur Strasse zu gelangen, was aber immer an einer Absperrung/Kette endet. Wir finden doch noch einen Stellplatz für das Womo und stehen nun am Ufer des Titicacasees. Eigentlich ein schöner Platz wenn da nicht der viele Unrat wäre. Mañana/Morgen nach 16:00 h soll die Sperre wieder aufgehoben werden.

Die gute Nachricht, gleich hinter der Grenze finden wir eine Tankstelle mit Diesel B5-S50. Lt. Sprinter-Betriebsanleitung ist dieser Schwefelgehalt für uns wenn auch nicht optimal so doch verwendbar.

 

Na, alles wunderbar!

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Renate (Samstag, 03 Dezember 2016 19:57)

    Hallo Ihr lieben,
    alles sehr abenteuerlich. Ich denke Ihr habt Dir wohl alles mitgebucht.
    Über diesen See sind wir damals auch mit dem Bus gefahren, doch nur der Bus durfte ohne uns auf die vertrauenserweckende Bretter fahren. Wir mussten dann alle in ein kleines Boot einsteigen um auf die andere Seite zu kommen. Schön dass Ihr mit Wowo gut angekommen seid.
    Weiter gute Begegnungen in dem schönen Peru.
    Liebe Grüße
    Renate

  • #2

    Wolfe (Mittwoch, 07 Dezember 2016 23:22)

    Das ist schon sehr eindrucksvoll und macht verglichen mit unseren alltagsthemen schon betroffen , but anyway ihr macht eine sagenhafte Erfahrung, das bleibt und prägt. Wir fiebern mit euch , lg Lion und Wolfe

Besucherzaehler

Besuche