Bolivien

Wir haben es tatsächlich geschafft... nicht Montag, aber Dienstag... und sind endlich in Bolivien eingereist.

Landschaftlich noch vergleichbar mit der des Moto Grosso: sehr grün, flächendeckend Fazendas (Landgüter) mit den schon beschriebenen Zebu-Rinder in großer Zahl auf riesigen Weiden. Aber auch Sumpfgebiete und Seen, die sich jetzt mit beginnender Regenzeit füllen werden.

 

Und wieder steigt die Temperatur bis 38 Grad. Aus diversen Kommentaren zu unseren vorherigen Beiträgen sind die Meisten von Euch froh in Deutschland bei Temperaturen zwischen 10 und 5 Grad zu sein. Das ist super nachzuvollziehen. Und wir stöhnen ja auch in unseren Texten ausgiebig über das feucht/heiße Klima. Aber ... wir möchten auch die dazugehörigen Naturwunder hier nicht missen; damit meine ich nicht die Moskitos... Eine Auswahl der Fauna des freilaufenden Getiers konntet ihr ja schon im Blog bewundern.

Den Ausreisestempel in unsere Pässe hatten wir Cáseres schnell bekommen, nicht aber später - direkt an der Grenze - das Papier für die Ausreise des Autos. Wir hatten schon diverse Papiere bei Aus- und Einreise bekommen. Und nun dachten wir, dass unser letztes Formular bei „Salida“ abgestempelt wird und alles ist gut! Nix war gut, denn ‚es das falsche Papier’! Was dann kommt ist nix gegen deutsche Beamte. Der Herr, der tollerweise sogar rudimentär Englisch spricht, liest erst mal im PC sämtliche Handlungsanweisungen für unseren Fall nach. Sein Boss kommt nicht an die Strippe, weil längst Mittagspause ist. Peter wartet darauf, dass der Herr auf gibt! Es dauert seine Zeit bis er uns mitteilt, dass ein anderes Formular das Richtige sei. Quälend langsam tippt er Buchstabe für Buchstabe in das Formular. Man möchte ihm helfen....  Nach einer Stunde steigen wir in unser sackheißes Auto und fahren endlich weiter.

 

Wir reisen über San Matias nach Bolivien ein und werden sofort vom Militär unter Waffen in Empfang genommen. Das kann ja heiter werden. Zudem wechselt die Asphaltstraße in Wellblech- und alsbald in Matschpiste. Es fängt an zu regnen!

In San Matias suchen wir 1. die Migration für unsere Einreise und 2. die Aduana zur Einreise des Autos. Die Stempel für unsere Pässe haben wir wieder schnell, deshalb auf zur Aduana. Nachdem wir zunächst am Busbahnhof gelandet sind und für viel Aufregung mit unserem Erscheinen  gesorgt haben, finden wir die Aduana, aber es ist Mittag und wir sollen 14:30 h wieder kommen. Wir essen kurz etwas und sind pünktlich zurück, um die Info zu bekommen, dass die Zeit in Bolivien 1 h zurückgestellt ist. Also nochmals bei brütender Hitze warten. Ich bin in der Krise. Mir ist es draußen zu heiß und zu schwül (38 Grad), das WOMO ist ein Brutkasten, mir geht’s nicht gut und ich will weiter fahren.... Peter sucht einen Schattenplatz für das Auto, dann nötigt er mich zum Hinlegen und schaltet alle Ventilatoren ein. Zu guter Letzt reicht er mir ein nasses Tuch zur Abkühlung. Ist das nicht schön? Ich döse vor mich hin, kann etwas abkühlen und bin bereit für einen weiteren Besuch der Aduana.

Das übliche Procedere beginnt, aber dieser Herr will mehrere Kopien unserer Papiere. Das hatten wir noch nicht. Keine Ahnung an welcher Hütte wir Fotokopien machen lassen können. Nun kommt Peter ins Spiel: Wir haben einen Kopierer dabei. Stellt euch das vor! Hatte dies vollkommen vergessen. Und er funktioniert sogar – trotz dem vielen Gehoppel und der Hitze, die ja manches kaputt macht. Also alles kein Problem wir graben den Kopierer aus und wir sind schnell fertig.

Nix wie los Richtung San Ignacio. Nach Umstellung der Uhr wird es eine Stunde früher dunkel, so dass wir unterwegs bei einer Militärkontrolle gefragt haben, ob wir auf der Wiese nebenan übernachten können. Die Militärjungs nicken ab.

Morgens früh geht es weiter. Wir werden 9 x vom Militär und der Polizei kontrolliert: Pass, Auto, Straßengebühr... Aber alle freundlich und neugierig. Wir erklären uns diese Kontrollen mit der Nähe der brasilianischen Grenze.

Jetzt am Abend – nach Schotter -, Matschpiste und asphaltierten Straßen in allen möglichen Baustufen, sind wir in Conceptión gelandet, eine der vielen Jesuitenreduktionen dieser Gegend, die wir uns ansehen möchten.

 

Dazu ein paar Worte:

Im 17. Jahrhundert gründeten Jesuiten Missionsdörfer „Reduktionen“, in denen sie mit der indigenen Bevölkerung lebten. Es sollte ein Ort des Glauben sein, die ideale Form gemeinschaftlichen Lebens, in denen die Indigenas ihre traditionelle Lebensweise behalten konnten und  gleichzeitig von den Jesuiten zum Christentum bekehrt wurden. Es lebten in einer Reduktion ca. 2000 bis 3000 Indigenas, die von zwei oder drei Padres angeleitet und beaufsichtigt wurden.

Die Versorgung war autark durch Landwirtschaft und Viehzucht, aber auch durch das Vorhandensein handwerklicher Berufe.

Die Missionsstationen gab es in Uruguay (die erste 1609), in Argentinien und Chile. Aber davon habe ich bereits berichtet. Allerdings sind die Missionsstationen hier in Bolivien sehr gut restauriert.

1991 erhob die UNESCO die bolivianischen Reduktionen Conceptión, Santa Ana, San Francisco Javier, San Miguel und San Rafael zum Weltkulturerbe der Menschheit. Die Restaurierungsarbeiten wurden größtenteils mit Spendengeldern aus Deutschland und der Schweiz finanziert und überwiegend unter Leitung eines Schweizer Architekten Hans Roth ( verst. 1999) durchgeführt. In den Museen wird er mit der Darstellung seiner Arbeiten geehrt.

Wir fahren weiter durch das Tiefland Richtung Cochabamba, der viertgrößten Stadt Boliviens mit ca. 620 000 Einwohner. Sie liegt auf einer für bolivianische Verhältnisse „niedrigen“ Höhe von 2558 m und istideal, um sich höhenmäßig zu akklimatisieren. Zunächst aber führt uns der Weg über Montero nach Buena Vista, wo wir übernachten, morgens den Markt besuchen und das Nötigste einkaufen. Aus den Augenwinkel sehe ich beim Weiterfahren ein „Queso Suizo“. Wir sind im Einkaufsrausch: Joghurt Natural (lecker), Emmentalerkäse, Schnittkäse, Helmuts Fleischkäse im Vakuum...  Und wir trinken einen super guten Kaffee. So gestärkt treten wir eine 11 stündige Fahrt nach Cochabamba an. Der Wetterwechsel ist nicht unerheblich: von schwülen 35 Grad zu regnerischen 20/25 Grad und wieder 30 Grad. Unterwegs sehen wir die Armut bzw. Einfachheit der Menschen. Es gibt Behausungen, deren Schlichtheit ich kaum beschreiben kann: alte Planen mit Matratzen, Bretterbuden mit gefundenen Materialien stabilisiert, verdreckte Garagen als Wohnraum, alles offen, Backsteinhäuser, die nie fertig gebaut sind oder auf ihre Fertigstellung warten, keine Türen, Bruchbuden mit alten Lappen verhängt. Es gibt natürlich auch gepflegte Häuser, aber vergleichsweise wenige.

Ungefähr nach halber Strecke kurz vorm Rio Tutimayu, endet die Strasse. Wir sehen eine lange Brücke über den Fluss, allerdings im Bau und offensichtlich nicht befahrbar. Der Feldweg vor uns sieht gruselig aus und wir wissen nicht weiter. In einem Bretterverschlag sitzen ein paar Männer und sie bedeuten auf Peters Nachfrage, dass wir weiter fahren sollen. Wieder mal Abenteuer pur! Als wir glauben, dass wir keinen Zugang zur Durchfahren des Flusses finden kommt plötzlich ein Platz mit jede Menge Männer, die auf uns zukommen und auf ein Holzgestell winken. Wir versuchen zu erfahren, was die Überfahrt kosten soll? Es gibt keine Klärung nur viel Palaver und als wir schließlich auf den schwimmenden Pontons stehen sollen wir zahlen: 200 bolivianische Pesos, das sind ca. 20 €. Das halten wir für unverschämt und schließlich werden es 100 BOB – und wahrscheinlich ist das noch zu viel. Anschließend durchfahren wir auf abenteuerliche Weise das sandige Flussbett. Peter schaltet den Allrad hinzu, surfen durch den Sand und bekommen durch das offene Fenster selbst eine Ladung ab.

 

Auf der Hauptroute, die wir befahren, liegt rechts und links von der Strasse massenweise Müll. Irgendwie gibt es hier andere Vorstellungen von „sauber“.

Wir nähern uns der andinen Bergwelt. Die letzten 150 km schrauben wir uns zusammen schwer beladenen Trucks und PKWs die kurvigen Straßen bergauf bis 3600 m hoch. Es regnet und ist sehr nebelig. So gut wie keine Sicht. Schade, denn die Landschaft ist tropisch grün und wunderschön.

Trotz der schlechten Sicht überholen Busse, PKW und LKW sich gegenseitig und uns, kurz vor und in den Kurven. Da es noch nicht dunkel ist, fahren viele Autos ohne Licht. Man glaubt der Verbrauch von Strom schädige die Batterie (!)
Das Ganze ist nicht ungefährlich und Peter muss sehr konzentriert fahren. Die Temperatur sinkt bis auf 9 Grad. Noch 40 km bis Cochabamba und wir hoffen, dass das Auto mitmacht, denn die Fahr- und Motorgeräusche haben sich bedenklich verändert. In der Dunkelheit erreichen wir den Übernachtungsplatz eines Hostels und treffen weitere Reisende an, u.a. Elisabeth und Otto, die wir schon in Argentinien und Chile getroffen hatten. Todmüde fallen wir ins Bett.

Wegen des Autos und der Geräusche legt Peter per whatsapp eine Krisenhotline zu Frank und versucht mit ihm zusammen evtl. Fehlerquellen zu finden. Per Handys werden Überlegungen, Fotos und Ratschläge ausgetauscht... Peter baut aus, löst und prüft, löst Kabel, zieht Schrauben an und Schläuche fest usw. Schließlich fügt er wieder alle Teile zusammen und wir begeben uns auf Probefahrt. Uns scheint, dass das Geräusch weg ist. Abschließend wird noch der Luftfilter erneuert.

 

Seit drei Tagen sind wir in Cochabamba, schauen uns die Stadt mit ihren verschiedenen Attraktionen, die Menschen und vor allem den alles überragenden „Cristo de la Concordia“ an. Aber wir genießen auch den Internetzugang und den dadurch möglichen Kontakt mit der Familie und Freunden und bereiten uns in Ruhe auf die weitere Reise vor.

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Kommentare: 2
  • #1

    Andre Jaeger (Mittwoch, 23 November 2016 19:38)

    Hallo ihr zwei, ich lese immer wieder sehr gerne eure Beiträge und beneide euch um diese Tour. An vielen Stellen musste ich schmunzeln, andere Passagen erinnern mich sehr an meine 4 Wochen im Februar diesen Jahres in Bolivien. Ich hab den wohl langsamsten Grenzer an der bolivianisch chilenischen Grenze kennen gelernt. Ich fand Bolivien sehr spannend. Hatte meinen 40. Geburtstag im höchsten Regierungssitz der Welt (La Paz) und bin im Lago Titicaca geschwommen. Hab die Mienen in Potosi besucht und hab die Jeep Tour zu den Lagunen und in die Salar de Uyuni gemacht. War in Sucre (kann ich sehr empfehlen). Eure Bilder sind toll und mit dem eigenen Auto unterwegs zu sein hat den Charme, das man überall anhalten kann. Das konnte ich auf meiner Rucksack Tour leider nicht. Ihr habt mich inspiriert und wer weiß, vielleicht mache ich in 20-25 Jahren auch so eine Tour. Euch wünsche ich weiterhin alles gute, bleibt gesund und nehmt 1000 Eindrücke mit nach Hause. Hoffe wir sehen uns nächstes Jahr, wenn ihr wieder zu Hause seit und ich meine Eltern im Schwarzwald besuche. Gruß aus Hamburg, André

  • #2

    Wolfe (Samstag, 03 Dezember 2016 22:58)

    Das ist ja alles sehr spannend, und wir hoffen das ihr das alles gut hinbekommt und auch einen erholungseffekt noch dabei habt. Die bilder sprechen für sich.
    Wir planen das Kontrastprogramm, wir fliegen am 23.12 nach Canada und sind in den Rockies zum Skifahren ..... und ich freu mich drauf, das ist mein Wunsch seit 25 Jahren ....... wir treffen auch Lena sie macht work &travel für ein halbes Jahr.


    Sooooo nun bleibt gesund und munter und habt Spaß und Freude auf diesem Abschnitt eurer reise , ganz liebe Grüße Li und Lou

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