Tal des Rio Bio Bio – Ralco –Los Angeles – Salto de Laja – Pelluhue (Pazifik) – Dunas de Putú – zwischen San Clemente und Vilches

Wer wenig hat, gibt viel....

 

Wir wollen in das Tal des Rio Bio Bio. Die Straßenverhältnisse dorthin sind schwierig: Schotter, nur eine Seite frei, lange Warteschlangen. Es wird spät und wir bekommen ein Übernachtungsproblem Der Strasse entlang gibt es keinen öffentlichen Abzweig. In unserer Ratlosigkeit fragen wir kurz vorm Dunkelwerden an einem Minimarket (wir brauchten auch Brot), ob wir über Nacht auf dem Parkplatz vorm Haus stehen können. Die Frau des Hauses stimmt dem zu. Wir sind sehr froh darüber und Peter gibt ihr etwas Geld und ich den Kinder Stabilostifte. Am nächsten Morgen ist ihr Mann da, der eine deutliche indianische Abstammung vorweist. Es ist auch total freundlich. Wir kaufen noch ein paar Lebensmittel ein und bedanken uns für die Übernachtungsmöglichkeit. Kurz bevor wir abfahren kommt er angesprungen und schenkt uns 1 kg wunderbaren Honig. Wir bedanken uns sehr und ich greife noch einmal in unsere Geschenkekiste um uns zu revanchieren.

 

Wir fahren durch das schöne Tal des Rio Bio Bio. Der Fluss ist in den 90iger Jahren für 2 Wasserkraftwerke aufgestaut worden. Für den oberen Teil wurden riesige Flächen der Gemeinden der Pehuenche-Indianer überflutet. Umweltaktivisten und Pehuenche-Ureinwohner haben einen erbitterten Kampf gegen den Energiekonzern und die Regierung geführt. Ihr könnt Euch denken, wer sich durchgesetzt hat! Die Indianergemeinden wurden umgesiedelt und bekamen anderweitig Land zugewiesen. Die Gemeine Alto Bio Bio ist eine der ärmsten des Landes.

Trotzdem sind die grün bewaldeten Berge mit dem grünblauen See bzw. Fluss wunderschön anzuschauen. Über allem erhebt sich der Vulkan Callaqui (3164 m) hoch. Allerdings befindet sich seine Spitze meist in den Wolken.

 

Der nächste Weg geht über Los Angeles zum Salto de Laja , er ist der größte Wasserfall Chile’s mit einer etwa 100 m breiten Wasserwand die ca. 40-55 m tief in eine enge Schlucht stürzt. Als wir da ankommen bekommen wir einen Schreck und fahren an allem vorbei. Der Wasserfall führt kaum Wasser und sieht schmutzig aus. Es herrscht ein riesiger Touristenrummel; unüberschaubare Mengen von geparkten Autos, Imbissbuden, sonstige Verkaufsbuden und sich durch die Straßen schiebende Menschen. Das sind wir nicht mehr gewöhnt.

Wir haben ein Problem, denn inzwischen sind wir in Mittelchile, dem am dichtesten besiedelten Teil Chile’s. Wir müssen uns also umstellen!!!

 

Da das Wetter schön ist suchen wir uns einen Weg an die Küste des Pazifiks. Mediterranes Klima und fruchtbaren Boden bieten alles was das Herz begehrt: jede Menge frisches Obst und Gemüse und Weine. Später sehen wir vorwiegend Holzindustrie und Backsteinherstellung aus Lehm. Wir kommen nach Pelluhue in ein Stadtfest und lassen uns mit hineinziehen. Pferde, Cowboys, jede Menge Vergnügungsangebote, heimische Produkte, Essen und Trinken. Das ganze wird umrahmt mit Vorstellungen und einem Zirkusbesuch. Wir lassen uns eine Weile treiben und fahren dann weiter, um uns die Dunas de Putú, einen großen Sandstrand am Meer anzusehen.

Wir kommen an und suchen einen Zugang zu den Dünen und damit auch zum Meer. Wir hoffen, dass wir einen dort einen Übernachtungsplatz dort finden. Letztlich verlassen wir uns einen Tipp anderer Reisenden und biegen in einen Weg Richtung Meer ein. Dort erwarten uns zwei Jungs. Offensichtlich leben sie an dem Ort und möchten von uns für den Zugang ans Meer einen Obolus. Wir zahlen ihnen umgerechnet 1,80 € und dürfen dafür die Tor passieren und weiter zu den Dünen fahren. Wir kochen erst mal und übernachten dort. Morgens laufen wir über die Dünen ca. 1 km ans Meer. Lange Zeit begleitet uns nur der weiße Hund, der es sich am Abend zuvor schon neben dem WOMO gemütlich gemacht hat. Wahrscheinlich vor allem deshalb, weil er auch Fleischreste abbekommen hat. Später kommen Leute mit Motocrossmaschinen und  springen und jagen über die Dünen. Sie haben offensichtlich ihren Spaß. Frank, das wäre auch Dein Ding gewesen!!! Aber vielleicht hätten noch mehr Leserinnen und Leser Lust dazu gehabt.

Gegen Mittag fahren wir von der Küste über Talca nach San Clemente und weiter nach Los Montes ins Hostal Maravilla. Dort betreibt Marion einen Bekannte von Lissi ihr Hostal. Sie nimmt uns freundlich und herzlich als ihre Gäste auf. Die Anlage ist wunderschön und wir können unser WOMO hinter Marions Haus abstellen. Ein schöner Ort inmitten von Blumen. Nun genießen wir hier die Tage, leben bei bestem Essen, Gesprächen und Wetter vor uns hin. Nebenher bringen wir das WOMo auf Vordermann, denn am Donnerstag geht es nach Santiago und Samstag holen wir Renate vom Flieger aus Deutschland ab.

 

So geht’s auch...

Auf den Autobahnen Chile’s gibt es eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 120 km/h. Die Meisten fahren etwas schneller. 120 km/h ist .E. schon ganz schön schnell... für Fußgänger, die die Fahrbahn überqueren oder entlang gehen, für Pferde mit Reiter, für Radfahrer am Seitenrand – vor allem wenn Lastwagen an ihnen vorbeirauschen, für Familien, die seitliche Einkaufsmöglichkeiten nutzen, für Traktoren, für den Linienbus, der Leute ein und aussteigen lässt...

Ich sehe alte Leute mit Krücken, die kaum die Beine über die Fahrbahnbegrenzung bekommen, um auf die andere Seite der Autobahn zu wechseln, oder Leute, die ihre Fahrräder über die Abschrankungen hieven und dann weiter die Autobahn entlang fahren. Leichtsinn? Unbefangenheit? Alltag? In Deutschland nicht denkbar.

 

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