Argentinien wie es leibt und lebt...

Viele von Euch wissen um meine Vorbehalte oder auch Ängste vor dieser Reise. Ich war sehr, sehr zwiespältig. Aber auch uninformiert. Ich hatte in den letzten Monaten vor der Reise die meisten Vorbereitungen Peter überlassen. Noch im April 2015 war es mir ein Rätsel, wie ich mich von meinem Arbeitsleben und besonders von der Zentralen Frauenberatung lösen sollte. Also habe ich mich über den Sommer hin auch nicht so richtig um Südamerika gekümmert. Nach dem aktiven Arbeitsende wollte ich mich endlich informieren, um festzustellen, dass Peter alle  relevanten Reiseführer mit auf’s Schiff genommen hat. Na toll. Nachdem die Ausbeute in der Bücherei nicht super war, habe ich mir wenigstens ein Argentinienbuch gekauft, um mich einzustimmen. Das ist mir im Flieger gelungen!!! Peter meint, der neue Reiseführer (Loose Verlag) ist ein Glücksgriff und eine hervorragende Ergänzung.

 Was mich in hier beeindruckt:

 

·      Argentinien ist groß, 8 x so groß wie Deutschland mit einer Fläche von 2 780 400 qkm

·      In Buenos Aires sollen ca. 14 Millionen Menschen leben, in Argentinien insgesamt 43 Mill. (2014), in Deutschland  81 Mill. (2014).

·      Bevölkerungsdichte 15 Einwohner pro qkm, in Deutschland 231 Einwohner pro qkm

·      Die Vielseitigkeit des Landes mit den Anden, dem Flachland (Pampa), dem feuchten Norden, Patagonien, Berge, Inseln, Flüsse und Seen ist beeindruckend. Bisher haben wir nur einen kleinen Teil des Landes gesehen (Feuerland, Patagonien, Santa Cruz, Chubut und Provinz Buenos Aires) und sind zeitweise völlig hin und weg von der Schönheit des Landes.

·      Über 90 % der argentinischen Bevölkerung sind europäischer Abstammung. Die meisten Einwandernde kamen aus Italien und Spanien; größere Gruppen aus Irland, Deutschland, Armenien, Polen... Das ist der Grund, weshalb mir Vieles hier – zumindest im Südteil des Landes – überhaupt nicht fremd vorkommt.

·      Viele argentinische Bürger fühlen sich ihren europäischen Wurzeln sehr verbunden. Wir werden oft gefragt, woher wir kommen. „Ah Alemàn...“  dann wird uns beispielsweise gesagt, dass die Großmutter „Elisabeth Lamm“ heißt und er selbst den Namen Lamm trägt, oder dass ein Ranger „Schneider“ heißt usw...! Vereinzelt wird auch Deutsch gesprochen.

·      90% der Bevölkerung gehören der katholischen Kirche an.

·      Alle Menschen die wir treffen sind freundlich, interessiert, hilfs- und gesprächsbereit.

·      Argentinische Männer, Frauen, Kinder verbringen ihre gemeinsamen Abende meist bis spät in die Nacht. Dabei werden  riesige Fleischstücke gegrillt, Bier oder Wein getrunken, gequatscht, gekickt, laut Musik gehört ...

(Peter und ich sind wirklich sprachlos, wenn wir beim Einkauf an der Fleischtheke stehen und zusehen, welche Mengen Fleisch gekauft werden. Dafür ist der Fleischverkäufer sprachlos und enttäuscht, wenn er unsere 2 (2 cm dicke) Steaks und ggf. Rinderhack einpackt!

·      Das ganze Land ist mit Grillplätzen (Fogon) überzogen – und egal wie das Wetter ist, am Wochenende wird gegrillt. Auf Campingplätzen werden die Fogons angeworfen und Autos, Zelte der Familienzahl entsprechend aufgestellt.

 

 

Mit dem unterhaltungsintensiven nächtlichen Feiern habe ich immer wieder Schwierigkeiten.

Wie die Meisten von Euch wissen bin ich gerne früh im Bett, denn ich bin auch früh wieder wach. Etwas haben sich die Zeiten allerdings seit unserer Reise verschoben. Trotzdem – gemessen an den Leuten hier bin ich immer früh dran. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass ich Schwierigkeiten habe mit dem „bis in die Puppen feiern“. Einerseits ist es total liebenswert, wie auf argentinisch gefestet wird, andererseits kann es für jemanden wie mich anstrengend sein. Ein Beispiel: Campingplatz Rada Tilly. Peter und ich haben einen schönen ruhigen Abend. Der Platz hat sich nach dem Neujahrstag menschenmäßig ziemlich geleert. Kurz vor 24 h, ich bin auf dem Weg ins Bett, kommen 3 Autos - links neben uns und rechts ein weiteres Auto. In der Folge sind jede Menge Kinder (ab 3 Jahre aufwärts) und Erwachsene mit Zeltaufbau beschäftigt. Alles ziemlich turbulent. Ok. Zeltaufbauen endet ja irgendwann. Ich lege mich hundemüde ins Bett, komme aber wegen des Lärms nicht zur Ruhe. Peter ist anfangs noch amüsiert, als aber um 2 h nachts immer vorm WOMO (aufs Auto) gekickt, gequatscht, Musik und Kindergeplärre statt findet, werden wir beide sauer.

Wir sind Gäste in diesem Land!

Was machen wir in so einer Situation? Sind wir zu deutsch, zu verbissen? Müssen wir den Lärm ertragen? Sollen wir sagen, dass wir Ruhe wollen?

Wir versuchen locker zu bleiben. Letztlich halten wir still. Um 3 h schlafen die Kinder und die Erwachsenen unterhalten sich bei leiser Musik. Jetzt könnten wir schlafen. Uns nun kommt’s:

Um 3:15 h (Nacht von Samstag auf Sonntag) fährt mit lautem Getöse die Müllabfuhr auf das Gelände des Campingplatzes und leert einen großen Müllcontainer mit viel Radau. Ja, ich bin irgendwie falsch gepolt!

 

 

 

 

Sauberes WASSER... ein Problem?

 

Kaum habe ich Teresa - und den anderen Mitreisenden - unser Verhalten bei der WOMO-Wasserversorgung beschrieben, bekommen wir ein Wasserproblem. Auf dem Campingplatz in Rada Tilly wird uns der falsche Wasserhahn zum Tanken von Trinkwasser gezeigt. Dass wir nicht mehrmals nachfragen, ob das Wasser auch in Ordnung ist, liegt auch daran, dass wir müde sind, es heiß ist, der Campingplatz rappelvoll und wir sowieso ein Hindernis beim Tanken sind. Peter bemerkt, dass das Wasser nicht läuft, sucht den Grund und nimmt schließlich die Filter auseinander. Wir erschrecken, denn in den Behältern hat sich eine braune Schlammbrühe gesammelt und der eigentliche Filter ist völlig überzogen von braunem Schmand. Das Wasser muss raus und die Filter gereinigt werden. Das ist eine ziemliche Sauerei und um uns tobt der Bär.

Tank versaut? Wie wird er wieder sauber? Wir tanken am nächsten Wasserhahn der Trinkwasser enthalten soll. Und sind verunsichert, aber es bleibt uns keine Wahl. Also Tank gut durchspülen und erneut auftanken. Es dauert Stunden bis das Procedere einigermaßen beendet ist. Peter ergreift weitere Maßnahmen und gibt Zusätze in den Tank zur Desinfizierung was er eigentlich vermeiden wollte. Das Wasser schmeckt metallisch und damit sind wir nicht zufrieden.

Am nächsten Tag wird der Campingplatz von einem anderen Menschen betreut. Er zeigt uns eine weitere Wasserquelle, von der wir das Trinkwasser nehmen sollen, mit der Bemerkung, dass alle andere Hähne nicht geeignet seinen. Frust. Komplett das Wasser wieder ablassen, Tank ausgiebig durchspülen und erneut Trinkwasser zufließen lassen! Mangels Druck dauerte dies 3 h.

Nachdem wir diesen Campingplatz verlassen haben fahren wir - wie bereits am berichtet - eine lange Strecke nach Norden und finden bei Trevelin den für uns schönsten Motorhome Campingplatz Argentiniens. Dort sind wir seit drei Tagen. Wir können bestes Mineralwasser aus dem Bergen tanken und sind darüber sehr froh. Aber wieder das Procedere: Tank leeren, ausspülen, noch einmal Filtersystem reinigen, frisches Wasser einfüllen!

 

 

Wir machen Urlaub von der Reise... (oh-Ton Don Pedro)

 

Jetzt genießen wir den schönen Platz hier. Es ist eine Idylle. Zwischen 18 h und 24 h kann geduscht werden. Dazu wird ein Ofen mit Holz angeheizt. Es sind schöne Grillplätze vorhanden und ein Pizzaofen ist im Bau. Es gibt Biogemüse, Weine, lecker selbst hergestellte Marmelade, Öle und Käse.

Anfangs waren 5 Motorhome am Platz, inzwischen sind wir alleine. Zwei argentinische junge Männer, die mit einem Sprinter unterwegs sind und auf einem Anhänger einen Quad mit sich führten, haben uns beeindruckt. Sie haben für den Transport ihrer Kanus eine Konstruktion auf den Quad gebaut, um diese befestigen zu können. Eine abenteuerliche Konstruktion (siehe Fotos). Sonst passiert hier nichts.

 

Halt – ebbes isch emer !!!! Bei der Fahrt nach Trevelin (Einkaufen) knallt auf die Frontscheibe des Autos ein Stein und schlägt ein Loch in die Scheibe. Das muss jetzt irgendwo (papa-) repariert  werden!!! MIST!

 

Frank wie geht das? 

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Kommentare: 3
  • #1

    Hermine (Sonntag, 10 Januar 2016 13:39)

    Liebe Maria und Peter,
    endlich habe ich auch meine dauernde Frage beantwortet bekommen, dass Patagonien zu Argentinien gehört. Ja ich hätte schon ewig googeln können aber Maria kennt mich ja (nur wenn es absolut sein muss). Toll dass es Euch so gut geht, gesundheitlich scheint ihr das Klima doch gut zu vertragen und die doch auch manchmal anstrengende Reise. Ja Urlaub von der Reise, das kenne ich auch. Stefan Loose hat für die ganze Welt supertolle Reiseführer gemacht, die hatten wir auch für Nepal, Indien, zuletzt Korsika sogar und immer supi. Schön, dass es auch wieder warm ist bei Euch jetzt, so haben wir hier gebliebenen uns das schließlich auch vorgestellt. Hier ist etwas trostloses Wetter, so grau in grau...Wir selbst waren mit der Großfamilie auf der Alb, hatten ein schönes Haus gemietet für alle und eines Morgens sogar etwas Schnee gehabt, damit Noah endlich seinen Weihnachtsschlitten mal ausprobieren kann. Hier hilft nur Sauna und da gehe ich jetzt auch hin. Ganz viele liebe Grüße, macht weiter so! Eure Hermine

  • #2

    Renate (Sonntag, 10 Januar 2016 23:00)

    Ja mit Steine und Wasser habt Ihr ja nicht so viel Glück in Argentinien und Chile.
    Ich glaube ich packe da mal ein Reparierset für die Scheibe ein. schmunzel.

  • #3

    Franky (Dienstag, 12 Januar 2016 08:16)

    Hallo Ihr zwei Lieben, na das klingt ja toll was Ihr über Argentinien schreibt. Glaube ihr habe mein Interesse für dieses Land geweckt. :-) vor allem wegen der selbstgemachten Marmelade. Maria ein Tipp für Dich auch wenn es schwerfällt aber wenn Nachts der Nachbar feiert und Du nicht schlafen kannst hilft nur meckern oder mitfeiern. :-)
    Der Müllfahrer war bestimmt deutscher Abstammung denn wer fährt denn sonst 3 Uhr mit dem Müllwagen rum.
    Also wegen dem Schaden an der Frontscheibe müsstest Ihr mir mal ein Bild senden. Ich kann mir kaum vorstellen das ein Loch in der Frontscheibe ist denn es ist Verbundglas. Sicher habt Ihr einen Steinschlag mit Rissbildung auf der äußeren Glasschicht. Wie gesagt sendet mir mal ein Bild. Als erstes könnt Ihr den Steinschlag mal abkleben (Folie, Aufkleber oder Klebeband) damit kein Schmutz in den Steinschlag eindringt.
    Erstmals gute Fahrt euch und weiherhin schöne Eindrücke und Begegnungen.

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