Auf zu den Gletschern - Nationalpark Los Glaciares

Morgens ging es zu unserem nächsten Ziel am Lago Argentino, dem drittgrößte See Argentiniens. Super Asphaltstraße, leise, bequem, wunderbar leer, fast zum Einschlafen. Nicht lachen! Wenn Ihr mal Stunde um Stunde Pistenstraßen gefahren seid, dann wisst Ihr eine ordentliche Asphaltstraße zu schätzen! Beim Planen des Womos fand ich rückenschonende Autositze wichtig. Schwingsitze? Braucht man/frau sowas?? Jaaa, wir hier schon, denn die Stöße auf den Rücken sind nicht unerheblich. Jetzt könnt Ihr denken, dann fahrt doch langsamer oder nehmt Asphalt. Noch langsamer würde bedeuten, dass jede Welle ausgefahren wird, was sowieso immer wieder erforderlich ist. Wir haben aber festgestellt, dass das „etwas schneller fahren“ wie surfen über  Wellen ist und uns stückweise gut und ruhiger vorwärts bringt. Ich schätze, dass ca. 70% der Strassen nicht asphaltiert sind. Es wird allerdings viel gebaut. Wenn alle Strassen asphaltiert sind, werden die Massen zu den überragend schönen Teilen des Landes rauschen.

 

OK. El Calafate ist nur 220 km weit weg, so dass wir bald dort ankommen.

Und wir waren völlig überfordert von den Menschenmengen, die sich verkehrsmäßig und fußläufig dort bewegten. Allerdings war auch Feiertag. Das hatten wir schon lange nicht mehr. Wir kommen gefühlsmäßig aus dem Busch in die große weite Welt. Ha! Die Erinnerung an unser früheres, stadtnahes Leben (!!!) hilft uns bei der Orientierung einen Parkplatz, die Straße und die Hausnummer unseres Zieles zu finden. (Nebenher begrüßt uns ein begeisterter Esslinger: Das gibt es doch nicht, Ihr seid aus Esslingen! Wie geht das denn? ...)

Wir hatten im Reiseführer gelesen, dass am Lago Argentino die Estancia Cristina liegt, die nur per Boot erreichbar ist. Auf dem Weg dort hin wird das Gletschergebiet Upsala ( grösster Inlandgletscher ohne Grönland und Antarktis ) angefahren. Es gibt dort Übernachtungsmöglichkeiten, tagsüber verschiedene Aktivitäten, und den Alltag auf der Schaffarm.

 

Vorab noch zwei kurze Infos:

 

1. Estancia’s:

Sind große, nein riesige Rinder- oder Schaffarmen, die über das ganze Land verteilt sind. Die Häuser ähneln Herrenhäuser, deren Besitzer damit früher ihren Reichtum präsentierten. Nachdem die Preise für Rindfleisch  und Wolle weltweit  verfielen, mussten die Estanzieros über Alternativen nachdenken. So öffneten Sie ihre Häuser und Liegenschaften dem Tourismus. Man kann Tagesausflüge (Trekking, Reiten, Rafting, Wanderungen) machen, Essen, komfortabel Wohnen usw.

 

2. El Calafate:

War früher nur ein Versorgungszentrum der entlegenen Estancia’s der Umgebung. Das ehemalige Präsidentenehepaar Kirchner (er starb dort 2010) soll das Potential des Orts frühzeitig erkannt haben und maßgeblich an dem Aufschwung von El Calafate beteiligt gewesen sein. Binnen 15 Jahre hat sich die Einwohnerzahl auf mehr als 21 000 verdreifacht – vor allem nachdem ein Flughafen und eine Asphaltstraße gebaut wurden. Es soll eine halbe Million Touristen – vorwiegende in den Sommermonaten – dort verweilen. Besondere Attraktion ist der 80 km entfernet Gletscher „Glaciar Perito Moreno“, den wir auch besuchen wollen.

 

So, jetzt zurück zu meinem Text. Ich hoffe, Ihr versteht jetzt unser Erschrecken über die vielen Menschen in El Calafate und warum wir zu einer abgelegenen Estancia wollen.

Aber die Preise dorthin sind horrend. Wir hätten mit Bootstour, Vollverpflegung und exklusivem Wohnen und Essen für 1 Nacht und 2 Tage umgerechnet fast 1 000 Dollar bezahlt. Ich bin geistig vom Stuhl gefallen. Das ist uns zu teuer. Zumal wir selbst eine gute Übernachtungsmöglichkeit mit uns führen und Peter als Koch quasi unübertroffen ist.

Also werden wir übermorgen (8.12.15) eine vierstündige Bootsfahrt zur Estancia Cristina vornehmen. Das Boot soll uns bei der Hinfahrt ganz nahe an das Gletschereis bringen. Was dann dort noch geboten wird, können wir vor Ort entscheiden, abends bringt uns das Boot wieder zurück für immer noch stolze 360 Euro!

 

Wir verlassen die vom Fremdenverkehr pulsierende Stadt und gegeben uns zum 80 km entfernten Glaciar Perito Moreno. Wir kommen  dort gegen 18:30 h an. Es kommen uns eine Vielzahl von Autos und Bussen entgegen, so dass wir davon ausgehen, dass wir nicht mehr viele Menschen antreffen werden. Und so ist es auch... Eine unglaubliche Kulisse. Wir stehen ca. 300 m vor einem riesigen, 60 m hoch aufgetürmten, 5 km breiten und 14 km tiefen Eisfeld mit wunderbaren Formationen. Der Glaciar Perito Moreno ist nicht das Größte dieser Art. Die Besonderheit liegt darin, dass es regelmäßig weiter wächst und den See dicht macht. Die Eismassen werden vom dahinterliegenden Eisfeld vorwärts geschoben. Während wir uns das Schauspiel ansehen, kracht es innerhalb der Fläche und wir hören und sehen das sich lösende Eis in das Wasser platschen. Nicht immer an der Stelle, an der wir stehen. Aber es gibt ein paar gute Bilder von dem Gletscher, auch wenn wir eine ganze Weile auf die sich durch die Wolken brechende Sonne warten mussten.

Die Gletscherzunge hat ca. 250 Quadratkilometer. Gigantisch!!!

 

Inzwischen ist es spät und wir werden von dem Parkpersonal darauf hingewiesen, dass wir in diesem Teil des Parks, wir sind im südlichen Teil des Parque Nacional del Glaciares, nicht übernachten dürfen. Das war wir in allen bisherigen Teilen der Parks möglich – oft meist kostenlos. Also hoppeln wir in einbrechender Dunkelheit 30 km weit zum wunderschönen aber teurem Campingplatz La Roca.

Ja, spätestens da hätte uns auffallen müssen, dass das Abblendlicht des Autos nicht funktionierte. Allerdings hatten wir sämtliche Zusatzscheinwerfern brennen

 

Dazu 2 Dinge:

 

1. Daumen hoch!!!

Ihr kennt das? Eine Sache ist super: Daumen hoch, ganz super: beide Daumen hoch. Das kann ich inzwischen auch und komme mir nicht mehr lächerlich dabei vor, weil es mit einem Lachen gezeigt wird. Wir üben das nach unserer Rückkehr mit Euch, falls Ihr das nicht könnt.

Die Argentinier machen das ständig. Sie sehen unser Auto und es geht ein (oder zwei) Daumen hoch. Nach einer Unterhaltung: Daumen hoch. Fehler am Auto gefunden: Daumen hoch. Repariert: Daumen hoch. Und immer so weiter. Für mich, die nur spanische Wörter stammeln kann, eine prima Möglichkeit meinen Dank oder Wertschätzung zu zeigen: Also Daumen hoch!

 

2. Lichthupe:

Das Nächste ist die Lichthuperei entgegen kommender Autos. Wir werden ziemlich häufig angeblinkt und der Daumen geht hoch. Das heißt: super Motorhome – oder „hola que tal“ !

 

Letzteres war in letzter Zeit ausgesprochen häufig der Fall. Allerdings hatten wir auf dem Weg nach El Calafate ein verstärktes Verkehrsaufkommen. Also dachten wir uns nicht viel dabei. Unser Auto lief störungsfrei - keine Warnanzeige im Display zu sehen.

 

Nach unserer späten Fahrt zum La Roca Campingplatz stellten wir fest, dass das Blinken diesmal nicht nur dem Womo galt, sondern insbesondere dem fehlenden Abblendlicht. Es muss auch tagsüber an sein! Auf der nächtlichen Suche nach einem Stellplatz auf dem Camping stellen wir fest, wir sehen ohne Fernlicht nichts!

Wir sind aber zu müde um uns noch zu kümmern, außerdem scheint der Campingplatz voll mit grillenden Einheimischen, so dass wir erst mal schlafen gehen.

 

Das Auto will ständig Zuwendung!!!

 

Das Pflegeprogramm des Autos beginnt nach dem Frühstück! Maria - vors Auto, Licht überprüfen. Das Abblendlicht will nicht angehen. Wie kann es sein, dass ohne Meldung beide Lichter ausfallen? Bordhandbuch: Sicherungen? Relay? Birnen? Alles kontrolliert. Nebenbei irgend einen Filter mit Druckluft gesäubert. Ergebnis: es sind beiden Birnen des Abblendlichtes kaputt. Ich sage nur: Schotterpisten. Gewechselt: Daumen hoch!! Wir fahren weiter.

Wir fahren noch einmal in dem Nationalpark Los Glaciares und hoffen auf besseres Wetter zum Fotografieren. Aus meiner Sicht hat sich der Gletscher deutlich verändert. Es sind überall Abbruchstellen und Eisberge treiben im Lago Argentino. Wir bleiben bis zum Abend und suchen uns einen Schlafplatz in der Punta Bandera, denn von dort aus soll morgens um 8:00 h das Boot zur Estanzia Cristina starten.

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Kommentare: 2
  • #1

    Frank (Montag, 14 Dezember 2015 19:42)

    Hallo Ihr zwei :-) ja den Tipp , wie man eine Schotterpiste richtig fährt, hätte ich euch auch geben können, denn ich komme aus der Region der Schlaglöcher und Schotterpisten und weiß wie man da Drüber gleitet :-)

  • #2

    Renate (Mittwoch, 16 Dezember 2015)

    Hallo ihr Schlaglochsucher,
    ich könnte mich mal wieder wegwerfen über den Reisebericht von Euch. Daumen hoch!!
    Super geschrieben. Einfach wieder schön zu lesen Eure nun ja fast tägliche Abenteuererlebnisse.
    Die Bilder vom Gletscher sind ja einfach gigantisch. Wenn man dies auch noch hautnah miterlebt, wie
    die Eisbrocken ins Wasser stürzen - beeindruckend.
    Doch ein Bild gefällt mir besonders gut. Peter mit dem Lama schmusend. Ich hoffe Ihr habe es einfach
    mal für mich eingepackt.
    Nur noch sieben Wochen und ich kann für Maria auch das Bordbuch halten. Damit Maria nun auch ein
    bischen Urlaub machen kann.
    Wenn ich jedoch Eure Fotos sehe, weis ich wirklich nicht, was ich da einpacken soll. Von T-Shirt bis
    Winterjacke ist da ja alles dabei.
    Liebe Grüße an Euch aus dem Regenländle.

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