Wind, Heuschrecken und Naturpark

Kennt Ihr das? Sich nachts Sorgen machen, statt zu schlafen?

Ich bin sehr gut im Sorgen-machen!

Gestern hatte mir Peter die Windfähnchen auf der Wetterkarte erklärt, kleine harmlose Piktogramme, die Windstärke 7-8, böig, zunehmend und gegen Morgen abfallend verheißen. Aber davon habe ich bereits geschrieben. Nun ist es 2:30 h und ich sitze hier und passe auf, dass nichts passiert. Ich kann nicht schlafen, weil der Wind immer stärker ums WOMO pfeift, es zum Schwanken bringt und die Wellen des See’s gegen das nahe Ufer klatschen. Jetzt ist die Idylle hin.

Wir sind zum Schlafen schon umgezogen, vom erhöhten Alkovenbett in die Sitzecke, denn hier ist es ruhiger. Aber für mich es nicht ruhig genug! Ich habe den Impuls mich anzuziehen und... Ja was denn? Was könnte ich denn machen? Wir haben es gestern kaum geschafft, die Türe zu öffnen und wieder zu schließen.

Peter schläft neben mir und macht sich keine Sorgen. Ja, das sei schon ein Sturm, aber so schlimm sei es auch nicht und das WOMO habe etwas dagegen zu setzen mit seinen 5 Tonnen. Aber hat man nicht schon oft gehört und mindestens im Fernsehen gesehen, dass der Sturm Dächer abträgt und Autos durch die Gegend wirbelt? Und wenn nun die Kiste umkippt?

Die Winde, es gibt verschiedene, sind für Patagonien bekannt. Aber – ich habe mich bisher noch nicht damit auseinander gesetzt bzw. kundig gemacht und das ärgert mich jetzt.

Als wir abends das Auto abstellten, hatten wir schon Vorsorge getroffen: in den Wind stellen, Hintern zum See, Schnauze zum Land, ein kleiner bewachsener Sandhügel zum Schutz...

Ich höre weiter das An- und Abschwellen des Windes und Peter’s friedliche Schlafgeräusche neben mir.

Was kann uns passieren, wenn der Kasten kippt?

Niemand in dieser menschenleere Gegend weiß wo wir sind; ein Handynetz gibt es nicht. Mir fällt ein, dass Peter für „die Not“ eine Leuchtrakete hat. Wo ist die überhaupt und wie lässt man so was los gehen?

Unwissenheit macht Angst! (na ja, Wissen kann das auch).

Gestern sagt zu mir ein Reisender, dass er sich um die Probleme kümmere, wenn sie entstünden. Da ging es um nicht ausgebaute Dieselpartikelfilter die sich in Höhen um 4 000 m (z.B. in den Anden) verstopfen könnten. Da dachte ich noch, dass ich diese Einstellung etwas leichtsinnig finde, denn wenn das Auto in dieser Höhe mit wenigen oder gar keinen menschlichen Kontakten im Ausland stehen bleibt, dann ist das keine kleine Sache.

Ich bin sehr froh darüber, dass sich Peter sehr gründlich auf diese Reise vorbereitet und fast alles bedacht hat. Aber alles geht eben nicht. Und wo bleibt das Abenteuer, das ich gar nicht suche?

Vielleicht sollte ich mehr Vertrauen haben und aufhören, mir irgendwelche Katastrophen vorzustellen. Und wärend ich schreibe kommt es mir doch tatsächlich vor, als würde der Wind ein kleines bisschen weniger blasen.

Und der aufwachende Peter meint, ich solle mich hinlegen und endlich schlafen – und das versuche ich jetzt!

 

Soweit meine „Zustände“ in der Nacht und ich habe tatsächlich eine Zeit geschlafen. Morgens war die Situation mit dem Wind die Gleiche, aber es war hell und die Welt sah anders aus. Während des Frühstückens haben Peter und ich noch einmal über meine Ängste gesprochen und Fakten gesammelt. Ich bin jetzt ruhiger und habe Vertrauen aufgebaut. Immerhin hat sich das WOMO gut gehalten und wir sind nicht zu Schaden gekommen.

 Und jetzt komme ich zu den Heuschrecken...

Wir sind auf dem Weg zum Naturpark Perito Moreno. Vor uns mondähnliche Landschaften mit ausgetrockneten Flussfeldern und fast ohne Vegetation. Plötzlich fallen Peter Tiere auf der Schotterpiste auf. Große Ameisen? Nein Heuschrecken, Tausende? - nein Millionen! Alles voll. Ich weigere mich auszusteigen, um ein Foto zu machen. Peter juckt es hinterher die ganze Zeit, obwohl er nicht mit ihnen in Berührung kam. Das ging Kilometer um Kilometer so, ganze Heuschreckenstrasse haben sich formiert. Später wollte Peter ein Foto von den eisbedeckten Bergen machen und ich sollte auf der Wiese mit der Hand hinweisen. Das habe ich voller Ekel durch die hüpfenden Heuschrecken gemacht und wenn Ihr die Bilder anschaut, seht ihr mich mit großen Sprüngen zurück zum Auto rennen.

Auf dem Weg sahen wir einen Schwarm Möwen (!), die sich die Heuschrecken zum Essen geschnappt haben. Aber diese unglaubliche Menge zu vertilgen, dürfte nicht gelingen. Zudem sahen wir wieder viele Guanakos und endlich unser erstes Gürteltier.

 

Gegen 19:00 h kamen wir im Nationalpark an. Bei strahlendem Sonnenschein, leider etwas kühler Wind aber absolute Stille richten wir uns im Park für die Nacht ein. Heute gehe ich früh ins Bett.

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Kommentare: 3
  • #1

    Petra (Dienstag, 01 Dezember 2015 20:28)

    Liebe Maria,
    ich habe dein Bericht mit Mitgefühl gelesen und kann dich soooo gut verstehen.
    Meine Oma hatte einen tollen Spruch für den nächtlichen Gedankenandrang, die Sorgen und Ängste, die einem den Schlaf rauben: "Nachts sind alle Katzen grau!"
    Wenn es wieder hell, wird sieht die Welt schon anders aus.
    Vielen Dank an die mutigen Fotografin für die tollen Bilder. Das Futter für die Möwen gruselt mich, in Scharen möchte ich diese Viecher nicht um mich haben.
    Liebe Grüße an Peter
    Petra

  • #2

    Wolfe (Dienstag, 01 Dezember 2015 22:55)

    Hi ihr lieben es ist nichts so schlimm dass ihr es nicht bewaeltigen koennt, ihr habt euch und das ist das wichtigste. Dinge gemeinsam anzugehen und meistern ist doch schon die halbe Miete. Was ich zwischen euren zeilen lese: es ist anders, ungewohnt, neu und gewoehnungsbeduerftig...... Aber schoen.... Und das ist die Hauptsache. Ganz liebe gruesse aus rohrbronn.

  • #3

    Renate (Donnerstag, 03 Dezember 2015 21:31)

    Hallo Ihr Weltenbummler,
    Maria, es kann doch gar nichts passieren, da Ihr ja Euren Schutzengel bei Euch habt. Oder glaubst Du der
    lässt sich mit dem Womo flach legen? NEIN ! Doch das Bild, als du den Viechern davon rennst ist super.
    Sehr sportlicher Einsatz.
    Wird da schon mal meine Schlafecke getestet? Oh ja das sieht sehr kuschelig aus !!!
    Gestern habe ich spanisch bei Frank in der neuen Wohnung gelernt. Ist richtig toll geworden.
    Ja und dann habe ich noch leckern Dresdner Stollen verdrückt. Peter erinnerst Du Dich noch an die
    kleine Bäckerei an Franks Heimatort? Ja, da war er her.
    Soll ich Euch einen Stollen schicken? So irgendwo Postlagernd? Ja mitbringen lohnt sich ja nicht, da dann
    Weihnachten schon vorbei ist.
    Aber ich kann ja mal ein Stück mehr für Euch essen. Ich weis die Welt ist nicht gerecht.
    Doch wir haben es kalt und Dresdner Stollen und Ihr habt Sonne (manchmal auch ein bischen Wind) und Urlaub.
    Für heute gaaaaaaaaaaaanz liebe Grüße Renate

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