Carretera Austral und Mate

Den Mittwochvormittag haben wir damit verbracht, im eiskalten Internetcafé zu sitzen und unsere Bilder und weitere Texte auf www.kraus-on-tour.de einzustellen. Hoffentlich hatte Ihr alle Eure Freude damit. Seither sind wir ca. 90 km Schotterpiste gefahren, um zum nächsten Nationalpark zu kommen. Das waren nicht etwa eine kleine Strasse, sondern die „Carretera Austral“, die zwar ausgebaut wird, aber –zumindest teilweise – extrem verfahren (Wellblechpiste) und gelöchert ist. Wir hüpfen und schlingern im Auto herum, die Backen schwingen und das Geschirr klirrt. Alle muss ordentlich verstaut und zu sein, sonst geht gar nichts.

Die Fahrt ging von Fortuleufu weiter in den Süden. Nach stundenlangem Regen ist mittags die Sonne durchgebrochen, so dass wir eine Pause an einem wilden Fluss einlegten. In Puerto Puyuhuapi haben wir versucht auf einem Campingplatz unterzukommen. Diese waren entweder geschlossen oder so mini, dass man höchstens mit Fahrrad und 2-Mann-Zelt unterkommen kann. Mit unserem doch recht hohen WOMO hatten wir keine Chance. Wir fragten um Erlaubnis und durfte uns auf den Parkplatz vorm Haus zum Übernachten stellen – und haben somit das pralle Familienleben mitbekommen.

Puerto Puyuhuapi  liegt am Nordufer eines Fjords und ist erst 1935 von vier sudetendeutschen Junggesellen gegründet worden. So begegnen uns beim Durschlaufen des kleinen Dorfes jede Menge deutscher Namen: Ludwig, Otto, Hosteria Alemana, Cafe Rossbach und den Namen einer der Gründer Walter Hoppendietzel.

Am nächsten Tag, es regnet weiter, setzen wir unseren Weg Richtung Coihaique, einer recht großen Stadt mit 500 000 Einwohnern fort. Unterwegs fahren wir durch riesige Flächen von Farn- und Lianen in rechts und links undurchdringbarem Urwald. Später wechselt die Landschaft in sattes Grün mit Unmengen von blühenden Butterblumen, Fuchsien, Bambus und der Nalca-Pflanzen, deren Blätter wie riesige Rhabarber aussehen, aber keine sind. Rot blühende Feuerbäumen ziehen sich über ganze Berghänge – und wenn es nicht zu sehr geregnet hätte, könntet ihr Fotos bewundern; das Licht war leider zu schlecht. Die Landschaft ähnelt zeitweise dem Allgäu, nur dass waschechte Gauchos die Rinder mit ihren Pferden in die Gehege treiben (Das zu gibt es Fotos).

Gegen Abend haben wir ca. 30 km vor Coihaique einen Campingplatz gefunden, der das Angebot des Wäschewaschens, heissen Duschen und selbstgebackenes Brot hat, das wir unbedingt nutzen wollen. Wir stehen auf einer grünen Wiese, unweit von Kühen und Schafen in absoluter Ruhe. Peter hat sich bereits als Gaucho beim Schafetreiben bewährt. Zwei Lämmer werden zur Parilla (Grill) verkauft.

 

Heute, Freitag, den 20.11.15,

zeigt uns Nacho, der Farmer und Campingplatzbetreiber, seinen kleinen organischen Betrieb und schenkt uns abschließend einen Salat. Später werden wir aufgefordert, mit ihn einen Yerba Mate (Matetee) zu trinken.

Wir erhalten von unserem chilenischen Gastgeber, Nacho und seiner Frau Sandra, eine Mateschulung. Und wenn Ihr die letzten Bilder anschaut, dann könnt ihre Peter mateteetrinkenderweise am Steuer sitzen sehen. Heute stellen wir die Bilder von unserer „Schulung“ mit ein.

 

Yerba Mate ist mit der Stechpalme verwandt und als paraquayischer Tee bekannt. Er wird in Paraguay, Argentinien und Süd-Chile getrunken. Das sieht so aus, dass die Leute überall (im Auto, im Laden auf der Theke usw.) diese Kürbisbecher (Kalebasse) mit metallenem Saugröhrchen (bombilla) stehen haben und immer wieder daran schlürfen. In die Kalebasse kommt Matetee und sie wird dann mit warmem Wasser aufgefüllt. Der erste Sud wird weggeschüttet. Getrunken mit heissem aber nicht kochendem Wasser wird er etwas bitter. Er hat muntermachende Wirkung. Der Genuss ist eine geheiligte Zeremonie und wird zumeist mit Freunden getrunken. Der cebador reicht die Kalebasse rechts herum von Gast zu Gast und füllt immer wieder frisches Wasser nach. Bedankt man sich, ist für denjenigen das Trinken beendet. Alle anderen „genießen“ den Tee weiter. Man sollte nicht zu lange trinken, etwa knapp eine Minute, es ist auch wenig Tee in der Kalebasse enthalten. Länger gilt als unhöflich und wird mit einem Spruch, aber niemals direkt an die Person, kommentiert. „Da schwimmt aber viel Holz im Fluss“ Wir werden euch in Deutschland damit verwöhnen !?!

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