Mein Seetagebuch ( in 3 Akten für Leseratten)

1 Tage der Ruhe

2 Tage des Wartens

3 Südamerika wir kommen

Tage der Ruhe

Sa 19.09.15

Spaziergang im Hafengelände, Verhaftung und Rausschmiss, Rückkehr rechtzeitig zum Einschiffen des Fahrzeugs, Stauen des Womo, Radio-/Navi und Rückfahrkamera ausgebaut, Fächer geleert, Kabinensicherungen entnommen Lade-/Spannungswandler ausgeschaltet, Hauptsicherungen der Aufbaubatterie abgeschaltet, Fenster geschlossen und verdunkelt, Kabinentürriegel von innen gesichert, Durchgang doppelt verschlossen, Hauptschalter der Starterbatterie in Betrieb belassen, Fahrzeug verschlossen und alle Türen Klappen nochmals kontrolliert.

Frühstück-/Mittag und Abendessen an Bord, Gepäck in Kabine verbracht und eingerichtet, Barmittel gesichert

Pass und Impfpass verbleiben in Verwahrung der San Paolo.

Passagiere: Hans und Sirgrid, Manfred und Gabi und ich

 

So 20.09.15

Bordroutine setzt ein. Obwohl Sontag im Hafenbereich ein vergleichsweiser ruhiger Tag ist, gibt es doch einiges beim Beladen zu beobachten. Schiffe laufen ein und aus, werden versorgt. Der Tagesablauf und natürlich der Speiseplan wird studiert. Die Möglichkeiten an Bord erkundet: Messe, Küche, Aufenthaltsraum, Bewegungsräume im und an Deck werden erkundet, Waschküche, Gymnastikraum

 

Mo 21.09.15

Heute nimmt die Hektik spürbar zu. Weitere Passagiere kommen an Bord. Passagiere: Dirk und Francoise, Thierry und Eriq und Tiboult.

Am Abend soll das Schiff abfahrtsbereit sein und das klappt tatsächlich, gegen 19:00 werden die Zugänge geschlossen und gegen 22.30 heißt es Leinen los. Gegen 02:00 werden wir durch die Schleuse auf die Schelde entlassen.

 

Di 22.09.15

Heute steht uns für alle ein unruhiger Tag auf dem Kanal von Dover bevor. Es gibt Starkwind und die See im vergleichsweise niedrigen Fahrwasser geht hoch so dass das Schiff ordentlich schwankt. Es machen sich erste Bedenken breit aber außer der Freundin des Kapitäns (Frauen an Bord!?) bestehen alle die erste Prüfung mit Bravour.

Bei meinem Besuch auf der Brücke erfahre ich, dass das Schiff nicht wie angekündigt nach Dakar durchfährt, sondern wegen technischer Probleme erst nach Le Havre geht um Ersatzteile auf zunehmen. Das dauert wieder bis zum nächsten Morgen.

 

Mi 23.09.15

Jetzt scheint es aber richtig loszugehen. Zumindest werden wir vom ersten Offizier an Bord mit dem Verhaltenskodex auf dem Cargoschiff vertraut gemacht. Alle anderen Offiziere halten sich bedeckt (man spricht Italienisch und sehr eingeschränkt Englisch). Niemand scheint an einer gegenseitigen Begrüßung und Vorstellung interessiert. Passgiere spielen hier eine Nebenrolle und müssen sich an die Erfordernisse eines Cargoschiffes anapassen. An erster Stelle steht die Fracht. Ansonsten lässt man uns gewähren.

Tatsächlich konnte ich erst gegen Ende der Reise den Namen unseres Kaptäns anhand einer Crewliste in Erfahrung bringen. (und gleich wieder vergessen)

Unsere Koch Nicola und sein Steward laufen noch holprigem Beginn zu ihrer tatsächlichen, guten Form auf. Die Verpflegung ist sehr gut und üppig. Keiner klagt und ist von der Qualität überrascht. So kann das weitergehen

 

Do 24.09.15

Lesen, Ruhe Spanisch lerne (soweit das geht). Erste Tischtennisturniere finden statt.

Es gibt zwar in jedem Zimmer TV aber kein Programm ist zu empfangen. Nur Videos sind möglich. Die ersten 2 Folgen von Games of Thron sind abgehackt.

 

Fr 25.09.15

Heute war ein warmer Sonnentag, wie überhaupt es langsam, auch in der Nacht, wärmer wird. Wir befinden uns im Moment auf der Höhe von Lisbon. Obwohl kaum Wind zu verspüren ist (bläst mit Schiffsgeschwidigkeit von hinten) steht doch eine alte Dünung aus dem Atlantik auf den Kontinentalshelf auf und die Grundseen bringen das Schiff deutlich zum schwanken. Uns Seebären kann das nichts anhaben!

Nach den bislang aufregenden Tagen, auch verursacht aus dem Wunsch zur Abfahrt und der Spannung auf kommende Tage, stellt sich langsam der Bordalltag ein. Dieser kreist um Kulminaionspunkte zu den Essenszeiten und der Bettruhe.

 

Sa 26.09.15

Wir fahren entlang der marokkanischen Küste, Casablanca, Rabatt ...

Bordroutine stellt sich ein. Die Zeit wurde um eine Stunde zurückgestell. Aufstehen um 07:15 danach Frühstück bis 08:30. Meine Vorräte aus dem Womo gehen zur Neige! 11:00 Mittagessen, etwas zu früh aber die Offiziere (2 – 4 Mann/Frau) wünschen um 12:00 in Ruhe zu speisen und wir müssen die Messe räumen. 18:00 Abendessen mit dem gleichen Ritual. Die Mannschaft hat getrennte Räume und wie beschrieben die Offiziere sind freundlich distanziert.

Gestern Abend hatten wir einen Spieleabend mit Phase 10 und Romeè. Wird wohl heute ebenso sein.

Der Fahrplan hat sich geändert: Antwerpen (B), Dakar (Senegal), Banjul (Gambia), Conakry (Guniea), Freetown (Sierra Leone), Vitoria (Bra), Rio de Janero (Bra), Santos (Bra), Montevideo (Uruguay, Zarate (Argentinien)

Bislang 3 Tage Verspätung! Ankunft ca. 19.10.15

 

So 27.09.15

Ein Tag auf See mit Lesen, etwas Lernen, natürlich Essen. Am Abend gab es dann doch noch eine kleine Überraschung – eine Barbeque. Am Nachmittag begannen 2 Filipinos 3 Tische aus grobem Holz zu fertigen. Diese wurden im Außenbereich aufgestellt und gegen Abend ein Holzgrill angeworfen. Das darauf gegrillte Huhn- Schweine- und Rindfleisch war nach Entfernen der schwarzen Teile ganz ok. Am Besten war jedoch die Torte die sich zu bereiten Nicola unser Koch nicht nehmen lassen wollte.

Gegen 20:00 zog sich die Mannschaft zurück und wir Passagiere hörten noch etwas Musik und genossen auf dem Oberdeck noch die laue Nacht und den Vollmond.

Unsere französischen Mitreisenden hatten am Nachmittag wohl bereits getrunken und waren am Abend entsprechend heiter und dabei hat wohl auch etwas Kif dazu beigetragen.

 

Mo 28.09.15

Heute Mittag wurde es dann beim Mittagessen etwas unangenehm. Es hatte sich ja bereits abgezeichnet. Ein Paar, ansonsten sehr zurückgezogen, ist beim Essen ausgesprochen mitteilsam.

Das für sich wäre nicht schlimm, wir anderen sprechen ja auch miteinander. Jedoch bei jeder (un-)passenden Gelegenheit das Wort zu übernehmen, dass es da und dort in der von ihnen bereisten Welt besser, schlechter oder auch imposanter ist strengt an.

Hinzu kommen noch Erklärungen, dass man sich bei Tisch eben wie zu Hause verhalte und dies zu respektieren sei.

Heute war für mich genug. Nach ein paar geschmacklosen Einlassungen  stand ich auf und bin gegangen! Später durfte ich noch erfahren, ich könne mich ja an den anderen Tisch setzen, wenn es mir nicht passe.

 

Di 29.09.15

Heute ist Ruhe. Man schweigt weitestgehend. Das war und ist zwar nicht Sinn der Übung, immerhin müssen wir noch 3 Wochen zusammen auf dem Schiff reisen.

Ich werde versuchen etwas auf Distanz gehen und einen Weg zu finden, das Beste daraus zu machen. Wir werden sehen.

Heute Abend sind wir in Dakar gelandet. Es ist schwülwarm, bedeckt und gewittrig. Eine sehr große Stadt mit monströsem Denkmal am Kap und einer Hochhausszenerie in der City. Leider liegen wir erst mal vor Anker auf Reede und warten auf die Einfahrt in den Hafen.

 

Mi 30.09.15

Immer noch auf Reede und die befürchte die Stadt wird bei Tageslicht und einem kommenden Besuch in der City nicht schöner.

In der Nacht gibt es Maschinengräusche. Ich glaube wir laufen ein.

Auf den Oberdecks werden aus Crewmitgliedern Wachen aufgestellt. Angeblich um Piraten (!) abzuwehren, ich denke die sind hier um Das Eindringen von Flüchtlingen zu verhindern.

 

Do 01.10.15

Tatsächlich wir liegen im Hafen Dakar. Es beginnt das Prozedere des Ent- und Beladens.

Wir ( Gabi, Manfred und ich ) beschließen beim Frühstück eine Spaziergang in die Stadt. Nachdem uns die Permits mit Kopien der Ausweise und Batches überreicht wurden, können wir nach Abmeldung das Schiff verlassen. Die Abmeldung ist erforderlich den die Personenzugänge sind mit Gittern verschlossen. Beim Verlassen de Schiffes werden wir nochmals eindringlich ermahnt vorsichtig zu sein und keinesfalls geforderte Preise zu akzeptieren. Eine Warnung die sich noch bewahrheiten sollte.

Guten Mutes verlassen wir den Hafenbereich. Für unsere Papiere interessiert sich kaum einer. Nur am Hafenausgang muss ich für alle meine Kopien abgeben, damit bei der Rückkehr eine Liste der Personen vorliegt. Also auf geht’ ohne Papiere durch Dakar.

Nach Aussagen Dritter die schönste Stadt Afrikas. Ich denke, die wollten danach keine andere mehr besuchen.

Wir sind in 2 Etappen zu Fuß durch die Innenstadt gegangen und legten bestimmt knapp 20 Kilometer zurück. Wir haben viel gesehen Wir fanden Konditoren mit wunderbaren, französischen Backwaren, Supermärkte feine Cafés auf der Rue Elysee, den Präsidentenpalastes, Beamtenschikeria. Quirliges Treiben auf afrikanischen Märkten, Schwarze Frauen in bunten Gewändern und allseits „hilfsbereite“ Senegalesen. Es gibt sie – aber vorsicht!

Das ist die eine Hälfte der Wahrheit die andere ist desillusionierender. Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft oft gepaart mit dem unverhohlenen Wunsch des Schleppers an dein Geld zu kommen. Ein freundliches Dankeschön und man möge einen nun Frieden lassen wird penetrant ignoriert. Und schon steht der Nächste bereit, der den Ersten als schlechten Menschen diffamiert und sich selbst, ob seiner Toleranz und Respekt für den Gast, in höchsten Tönen preist. Das ändert sich sehr schnell, so man nicht bereit ist seinen Laden zu besuchen oder anderweitig Geld locker macht. Am Schluss stehst du da beschimpft als Rassist und wirst wie geschehen mit Gewalt bedroht. Am Ende durfte ich noch erleben wie mittels dem klassischen Ablenkungstrick versucht wurde, mich meiner Barschaft zu entledigen.

 

Die Stadt ist groß, schmutzig, es ist laut , Smog, es stinkt, die Verkehrswege in desolatem Zustand. Die Hitze und Luftfeuchtigkeit ist immens. Eine Stadt der gesellschaftlichen Gegensätze. Die Menschen sind arm, sehr sehr arm. Arbeitslose, Bettler, Krüppel die einem zwischen den Beinen kriechen und die allgegenwärtigen bettelnden Kinder. Obdachlose, die im Abfall wühlen und den Straßenkötern die Nahrung streitig machen. Ich weis nicht mehr, schaue ich aus Scham oder Entsetzen weg.

 

Diese Stadt spiegelt jedes Klischee von Schwarzafrika, man sollte sie besuchen und jeder möge sich sein eigenes Bild machen.

 

Fr 02.10.15

Das Be- und Entladen welches in Antwerpen noch erkennbare Prozessstrukturen hatte, erscheint hier das Chaos. Aber wir wären nicht in Afrika, wenn die Herren nicht ihr Chaos im Griff hätten ( oder doch nicht !?). Es steht schon mal eine Container quer und blockiert für eine ½ Stunde die Zufahrt zum Schiff ( Geschrei ). Ein nicht passend stehender PKW wird durch Schubser, auch mal in der Seite ( Beulen incl. ), in die vorgesehene Lage gebracht. Tatsächlich lassen sich vielleicht nur die Hälfte der Fahrzege starten,

Um die Mittagszeit kehrt Ruhe ein und ich denke wir sind abreisebereit nach Banjul.

Tage des Wartens

Sa 03.10.15

In den Morgenstunden Ankunft in Banjul in der Flussmündung des Gambia. Wir liegen vor Anker und warten auf einen Platz am Steg. ( max 2 Schiffe ). Am Abend liegen wir fest und das Warten wird uns begleiten.

Die Hauptstadt zeigt sich als kleines Provinznest mit großem Hafen, einigen Verwaltungsgebäuden, Sportplatz und Moscheen. dazwischen viele ärmliche Behausungen für die Bevölkerung. Wellblech oder nur einfachste Laken am Pfählen aufgehängt.

 

So 04.10.15

Aus unserem geplanten Landgang wird nichts. Wir werden vom Kapitän des Schiffes, ich kenne bis heute noch nicht seien richtigen Nahmen noch hat er sich vorgestellt oder begrüßt, über Dritte aufgefordert mit der Begründung einer nicht zu kalkulierenden Sicherheitslage nicht das Schiff zu verlassen. Inwieweit das zutrifft werden wir wohl nicht herausfinden können. Aus meiner Sicht möchte die Reederei mögliche Komplikationen ( Überfall, Raub, Gewalt etc. ) vermeiden. Ich erinnere mich an meinen Landgang in Dakar und hier sieht es noch schlimmer aus.

Also Abladen - Laden - Warten

 

Mo 05.10.15

Unsere Sohn Lennard hat heute seinen 31. Geburtstag. Ich gratuliere per mail. Das klappt zumindest.

Gerüchte gehen bezüglich der Weiterfahrt gehen wieder um. Alle haben etwas zu sagen, keiner weis genaues. Es soll Dienstag oder Mittwoch werden. Meinen Mitreisenden geht es damit auch nicht gut, sind aber gelassener, da ihnen ja nicht der Partner fehlt. Langsam bildet sich bei mir eine dunkle Wolke des Zorns über die offizielle bzw. nicht stattfindende Informationspolitik an Bord. Lt. Maria ( zuhause ) und ihrer Informationen von Seabridge und Grimaldi Deutschland/Italien steht unser Ankunftszeit in Montevideo auf dem 22.10.15. Auf welcher Welt leben die denn?

Also Abladen - Laden – Warten

 

Di 06.10.15

Abreise könnte auch Donnerstag werden. Der Be- und Entladevorgang ist sehr, sehr langsam und entsprechend dem feuchtheißem Klima  oder dem afrikanischem Lebensrhythmus geschuldet. Man mag über die Langsamkeit der Afrikaner mit Selbstgefälligkeit lamentieren. Im Ernst, wir würden keine 2 Stunden durchhalten!

Also Abladen - Laden - Warten

 

Mi 07.10.15

Die Hoffnung stirbt zuletzt – gestorben.

Betretet ein Frachtschiff, so lasset alle Hoffnung fahren ...

Ereignis des Tages: Riemen meiner geliebten Badeschlappen gerissen!

Also Abladen - Laden - Warten

 

Do 08.10.15

Heute die ersten Anzeichen zur lang ersehnten Abfahrt und um 16:00 ist es endlich soweit. 6 Tage in Banjul und nun zurück nach Dakar L - was wird uns da erwarten?

Die Karawane zieht weiter der Sultan hat Durst ....

 

Fr 09.10.15

Überraschung! Wir können direkt anlegen und werden sofort be- und entladen. Die Abfahrtszeit wird auf 16:00 festgelegt und tatsächlich verlassen wir kurz davor (!) den Hafen in Richtung Conakry.

Vormittags bleibt uns gerade noch Zeit für einen kurzen Stadtbummel mit Einkauf im Supermarkt. Etwas Käse und frischen Yoghurt, Schokolade und Marmelade – wir haben ja einen Kühlschrank – darf schon sein.

Auf dem Rückweg kann ich mir noch meine Flip Flops nähen lassen.

 

Sa 10.10.15

Tag auf See in der Hoffnung nun doch voran zu kommen.

Am Abend 50 sm vor Conakry dann die Ernüchterung. Das Schiff stoppt auf offener See. Nur auf Nachfrage unserseits erfahren wir, dass der Hafen auf Grund von Wahlen geschlossen ist. Man wisse nicht wann ein Einlaufen möglich ist. Vielleicht Sonntag Abend oder Montag früh?

 

So 11.10.15

Tag auf See – wir treiben ab und fahren wieder auf Position. Dafür entschädigt uns Nicola unser Koch mit gutem und reichlichem Mittag- und Abendessen.

 

Mo 12.10.15

Endlich am Vormittag geht es in den Hafen von Conakry. Es erwartet uns ein organsiertes, geschäftiges Treiben in einem modernen Hafen. Völlig gegensätzlich zu den Häfen in Dakar und Banjul. Das lässt hoffen.

Von Bord zu gehen ist uns untersagt. Auch Einkäufe zur Bevorratung des Schiffes sind nicht möglich. Grund: Ebola

 

Di 13.10.15

Am Morgen geht es dann weiter. Offensichtlich wurde durch die ganze Nacht gearbeitet.

1. Beachtenswert ist, dass wir über ein bevorstehende Ankündigung (Schiffsdurchsage) informiert wurden. Auf englisch und französisch wird der Crew und den Passagieren mitgeteilt, dass Freetown gecancelt wurde und das kommende Ziel in Luanda/Angola liegt!

Diese Ansage sollte wohl dazu dienen, evtl. an Bord befindliche Blinde Passagiere zu motivieren das Schiff zu Fuss, mit dem Lotsenschiff oder gar schwimmend zu verlassen. Nachdem der Lotse das Schiff verlassen hatte, wurde das Schiff zudem durchsucht.

2. Die Ankündigung wurde nicht zurückgenommen

Am Nachmittag Ankunft in Freetown!

 

Eine spektakuläre Einfahrt knapp unter Land mit guter Sicht auf die Stadt.

Was wir zu sehen bekamen machte mich fragen, was in aller Welt treibt einen Menschen hierher. Die zweifelhafte Aussicht auf den Fund des Lebens – (Blut-)Diamanten soll es hier geben.

War Dakar und Banjul für Europäer schon grenzwertig, ist Freetown unbeschreiblich. Aus der Ferne betrachtet in den Bergen liegend noch tropisch hübsch entpuppt sich die Stadt als Moloch aus abrissreifen Häusern, nahezu ohne befestigte Straßen und Hütten an lehmigen Wegen. Gebäude teilweise vom Regen bereits ins Meer gespült. Hitze und täglicher, tropischer Regensetzen Mensch und Tier zu.

In den eingeschnitten Tälern, in dem ein abwasserführendes Gewässer ins Meer führt, befinden sich abertausende wellblechgedeckte Behausungen, kein Weg ist mehr erkennbar und die letzten Hütten wurden auf Stelzen ins stinkende, verschmutzte, graubraune Meer gebaut. Darüber steht ein immerwährender, beißender und stinkender Rauch von Feuerstellen auf denen was auch immer zubereitet wird.

Dieser ihrer Würde beraubten Menschen gelingt sich sicher keine Flucht nach Europa. Möglicherweise wissen nicht mal, das es dies gibt und unser klimatisiertes (Raum-)Schiff kommt von einem anderen Stern.

Angesichts dieser Lebensumstände stellt sich Hoffnungslosigkeit ob der Unmöglichkeit zur Hilfe, Wut auf die versagenden politischen Systeme, die Fassungslosigkeit ob Lethargie der Menschen und dem Wunsch aus diesem Alptraum aufzuwachen und etwas Distanz zu gewinnen.

 

Mi 14.10.15

Ich darf hier wieder weg und das einzige was mir zu tun gelingt, sind diese lächerlichen Zeilen. Vielleicht liest dies einer und denkt, so schlimm wird es ja wohl nicht gewesen sein, oder, sind halt Afrikaner.

Mit Distanz kann die Sicht auf das Elend erträglich sein. Sicherlich ist Distanz auch erforderlich um überhaupt weitermachen zu können. Die Frage ist, wie lange geht das Wegschauen noch gut?

 

 

Südamerika wir kommen

Do 15.10.15

1 Tag auf See. Tags zuvor liefen wir mittags aus Freetown  mit Ziel Vitoria in Brasilien aus. Das Spiel der Desinformation für vermeintlich blinde Passagiere wurde wieder gespielt und wenn auch erfolglos, wurde doch ein aufgebrochener Container entdeckt.

Unsere Fahrzeuge sind bislang unbeschadet was mich angesichts der Armut der Menschen wundert.

 

 

Fr 16.10.15

2. Tag auf See. Heute morgen gegen 05.25 Ortszeit (Prais/Kap Verden) haben wir auf N/S 00°00’00’’ W 20°54’44,4’’ mit Kurs 226° den Äquator gekreuzt. Ist nichts passiert!

 

Sa 17.10.15

3.Tag auf See. Lesen - Lernen - Essen - Tischtennis spielen - Film sehen

 

So 18.10.15

4. Tag auf See

Heute gab es am Vormittag eine Sicherheitsübung für die Crew und Passagiere. Fire in the engine room and staircase!!!! Lief wohlalles glatt. Wir wurden in das Rettungsboot verfrachtet. Alles in allem war es ganz lustig aber auch informativ. Einer realen Gefahr möchte ich aber mit diesem (Grund-)Wissen nicht ausgesetzt sein.

Zur Feier des Tages fand am Abend ein Grillbanquett auf dem Oberdeck statt. Spagetti Frutte di Mare, Grillfleisch und French Fries, zum Nachtisch von Nicola selbstgemachte Windbeutel. Die waren lecker.

 

Mo 19.10.15

5. Tag auf See

 

Di 20.10.15

6. Tag auf See und Ankunft in Vitoria/Bra um 12:30. Wir liegen mal wieder auf Reede und warten auf die Einfahrt in den Hafen. Dies soll lt. Nachfrage gegen 16:00 Uhr sein.

Leider empfängt uns Brasilien nicht wie gebucht und wie auf jedem Prospekt versprochen mit Sonne, Tangamädchen und Samba, nein es ist bedeckt und regnet. Nicht desto trotz haben wir eine spannende Einfahrt zum Anlieger. Mitten durch die Stadt, kaum 10 m entfernt von steil aufragenden Felsen und umringt von lärmende Straßen schiebt sich das Frachtschiff vorsichtig voran. Der quirlige Betrieb der Großstadt verleiht der kaum spürbaren Fahrt des Schiffes, der gewaltigen Größe zusätzlich etwas Majestätisches oder Fremdartiges.

Am Abend gehen dann einige Crewmitglieder von Board, offensichtlich in die Stadt. Kurz entschlossen schließen sich Thierry, Eric und ich ihnen an. In Verkennung der Lage und unseren Wünschen nach Strand und Bar fährt der Taxifahrer den Kollegen folgend uns wohin? Dahin wo der Seemann nach langer Überfahrt halt geht. Ein Nachtclub – na das kann ja heiter werden.  Mein einziger Trost, es bleiben uns nur 2,5 Std.

 

Mi 21.10.15

Wir laufen noch vor Tagesanbruch aus. Nächstes Ziel Rio de Janeiro welches wir am späten Abend erreichen.

 

Do 22.10.15

6 endlose Tage in Banjul und nun 6 Stunden in Rio in der Nacht. Das haben sich alle umgekehrt vorgestellt.  Jedoch man ahnt es schon, wir sind eine Cargoschiff und die Interessen der Passagieren müssen sich diesem Ablauf anpassen. Das wird hier langsam zum Ohrwurm.

Trotz allem sind wir guter Stimmung, denn wir sind endlich in Brasilien und das Ende der Reise ist in Sicht. Wir machen aus der Situation das Beste. Schießen Bilder in stockdunkler Nacht und im Dunst in der Frühe als könnten wir damit das Flair dieser Stadt, dieses Namens, einfangen.

Am Morgen nach einem letzten Blick auf den Zuckerhut, die Copa Cabana und Ipanema befinden wir uns bereits wieder auf See auf dem Weg nach Santos.

Nun geht es Schlag auf Schlag, plötzlich stimmt der Fahrplan und bereits am Abend gegen 10:00 h laufen wir in Santos ein. Im Gegensatz zu Rio ist die Hafeneinfahrt ähnlich spektakulär wie in Vitoria. Es erscheint einem, als ob wir mit dem Schiff durch Straßen schweben.

Während der Einfahrt erhielt ich noch eine SMS von Norman und Steffi, sie sind auf dem Flug nach Salvador mit Zwischenstopp in Sao Paulo. D.h. sie sind ganz in der Nähe – ich winke jedem Flieger zu – ich hoffe sie sehen mich. J

 

Fr 23.10.15

Grundsätzlich hätten wir die Möglichkeit das Schiff für 5 h zu verlassen. Die Abfahrt wurde uns auf Nachmittag avisiert. Es gibt wohl ein 24 h Shoppingcenter in der Stadt. Niemand verspürt jedoch große Lust angesichts des kühlen regnerischen Wetters 30 km in die City und zurück zu gondeln, Geschäfte zu sehen und dort vielleicht einen Cafe oder ein Bier zu trinken. Wir wollen jetzt ankommen.

 

Sa 24.10.15

Auf See nach Montevideo.

 

So 25.10.15

Dito. Vorbereitungen zur Ausreise und Fahrzeuge inspizieren. Alle Autos springen problemlos an!

 

Mo 26.10.15

Ankunft in Montevideo. Um 10:00 legen wir. Bis dann alles frei ist gehen dann aber doch noch 2 Std. ins Land und wir können noch an Board zu Mittag essen. Sogar unser Kapitän wird jetzt etwas launig und gibt 2 Flaschen Rotwein aus seiner Sammlung aus. Das war ein Applaus. Wir verabschieden uns von der Mannschaft, erhalten unsere Pässe gestempelt zurück und nun geht’s runter vom Schiff. Halt noch meine Wäsche aus dem Trockner holen...

Vor dem Schiff heißt es wieder warten, der Grimaldiagent bringt uns nun zur Immigration und die Fahrzeuge werden importiert, dann Geld gewechselt und ab durch Montevideo zum Supermarkt, Tanken und ins Paraiso Suizo. Ankunft am Abend und Tierry’s Geburttagsparty startet bis spät in die Nacht.

 

Di 27.10.15

Fahrzeug einräumen, Sicherungen anbringen, Wasser kontrollieren - einfach alles in Betrieb nehmen.

Das Internet schlägt gnadenlos zu. Jetzt sind erst Karten und Programme zu erneuern, mails zu beantworten und What’s schreiben. Erste Bilder werden geschickt und es klingelt pausenlos. Wie war es ruhig ohne Internet!

Heute abend gehen wir alle nochmals gemeinsam zum Essen, Sala, Bratwurst, Gemüse und Kartoffelgratin. Dazu Rotwein!

Heute sind jedoch alle etwas müde und ich gehe auch gerne mal wieder etwas früher zu Bett.

 

Mi 28.10.15

 

Franois und Dirk sind die ersten die uns mit Ziel Iquzu verlassen. Prompt haben sie vergessen zu bezahlen. Und auch Manfred kann sie mit einem Spurt nicht mehr aufhalten.

In der Nach sind 2 neue Paare angekommen eines davon die Familie Voss.

Am Nachmittag verlassen uns dann Gaby und Manfred. Es bleiben noch unsere beiden Offroad Franzosen und ich. Wir werden uns dann morgen verabschieden. Jetzt geht jeder seine Wege und hofft auf sein Abenteuer.

 

Vamos Maria es wird Zeit, dass du zusteigst.

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Kommentare: 2
  • #1

    Martina Diers (Sonntag, 01 November 2015 20:40)

    Lieber Peter,
    Das ist bis jetzt schon ein sehr schöner Reisebericht. Super interessant so vom Sofa aus zu lesen wie es in anderen Orten zugeht. Die Überfahrt war länger als gedacht aber das Stück ist geschafft. Und jetzt kommt auch endlich die Maria. Auf zu neuen gemeinsamen Abenteuern. Ich wünsche euch eine tolle Zeit und bin gespannt wie es weitergeht. Liebe Grüße von Martina und Roland!!!!

  • #2

    Wolfe (Mittwoch, 04 November 2015 00:57)

    Hi ihr zwei, der Start war ja schon ein Abenteuer für sich, aber zu zweit wird es bestimmt ein guter Beginn eurer Landtour. Ich hoffe Maria hatte einen guten Flug. Lg Wolfe

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